Interview
„Dann kam das Leben dazwischen“

Münster -

Die Band Ove macht in Münster Station. Die Indie-Pop-Gruppe kommt eigentlich aus Hamburg, doch einer von ihnen wird beim Auftritt in der Pension Schmidt ein Heimspiel haben.

Donnerstag, 14.03.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 14.03.2019, 12:16 Uhr
Eigentlich wollten die fünf Musiker von Ove das neue Album in den Abruzzen aufnehmen, doch am Ende landeten sie doch wieder in Nordfriesland. Geblieben von dem Plan ist der Titel „Abruzzo“ und die Fotomontage.
Eigentlich wollten die fünf Musiker von Ove das neue Album in den Abruzzen aufnehmen, doch am Ende landeten sie doch wieder in Nordfriesland. Geblieben von dem Plan ist der Titel „Abruzzo“ und die Fotomontage. Foto: Simon Hegenberg/Gestaltung Insa Kühlcke-Schmoldt

Ob er Bescheid bekommen könne, wenn das Interview erscheint, fragt Robert Weitkamp am Ende des Gesprächs. Dann könnte seine Mutter das mit der Schere ausschneiden und zu den anderen Zeitungsartikeln in die Klarsichtfolie legen. Wenn die Indie-Pop-Band Ove , in der der Münsteraner Weitkamp spielt, so weiter macht, muss seine Mutter bald neue Plastikhüllen besorgen. Denn das aktuelle Album „Abruzzo“ schlägt hohe Wellen. Über den neuen Ove-Klang, Jam-Sessions am Achtziger-Jahre-Keyboard und eine Klassenfahrt getarnt als Tour haben Robert Weitkamp und Frontmann Ove Thomsen mit unserem Redakteur Pjer Biederstädt gesprochen.

In einer Rezension zu Eurem neuen Album war zu lesen, Ove zeige sich verwandelt. Stimmt ihr zu?

Ove Thomsen: Das kann man schon so unterschreiben. Wir haben den Mantel der Schwermut abgelegt. „Abruzzo“ kommt weniger melancholisch, dafür deutlich fröhlicher daher.

Robert Weitkamp: Irgendwer hat gesagt, es klänge aperolspritzig. Das passt irgendwie ganz gut.

Wieso heißt das Album „Abruzzo“?

Thomsen: Die Idee war, die Platte in Italien aufzunehmen. Bekannte haben in den Abruzzen ein Studio. Wir wollten da mit dem Bus runterrocken, aber dann ist etwas dazwischengekommen.

Und zwar?

Weitkamp: Ähm, sagen wir es mal so: Das Leben kam dazwischen. Jedenfalls sind wir doch wieder in Nordfriesland ins Studio gegangen. Das Studio liegt beinahe direkt an der Nordsee und gehört lieben Menschen aus dem Umfeld von Rio Reiser.

Thomsen: Das Album dann aber trotzdem – oder gerade deswegen – „Abruzzo“ zu nennen, fanden wir sehr schön und lustig.

Was war anders im Entstehungsprozess des dritten Albums im Vergleich zu den Vorgängern?

Thomsen: Alle haben sich mehr eingebracht. Vorher war ich in erster Linie verantwortlich für die Texte, es ging da auch oft um mich und meine Befindlichkeiten. Ich finde es ganz gut, dass das ein bisschen von mir weggeht. Das bricht festgefahrene Strukturen auf und bringt mir neue Gedanken.

Weitkamp: Die Stücke sind diesmal stärker aus dem Kollektiv heraus entstanden. Das Stück „Zum Download bereit“ ist beispielsweise zum Teil beim Jammen auf einem Achtziger-Jahre-Keyboard im WG-Zimmer entstanden.

Gute Überleitung: In dem Song „Zum Download bereit“ heißt es „Siri, sag‘ mir Bescheid, wenn Du mehr über mich weißt als ich“. Ist das als Kritik an der Digitalisierung zu verstehen?

Thomsen: Schon irgendwie. Ich bin eigentlich der größte Zukunftsverweigerer in der Band. Aber seit ich auch ein Smartphone habe, bin ich bedingungslos gefangen. Das macht mich einerseits skeptisch, andererseits sind die Dinger schon praktisch. Das Stück soll auf gar keinen Fall so ein Zeigefingerding sein.

Weitkamp: Genau. Das ist jetzt nicht allzu kulturpessimistisch gemeint. Aber die Vorstellung, mit Maschinen über Existenzfragen zu sprechen, ist schon irgendwie lustig.

Ove, Du bist solo als Support von Moritz Krämer gerade schon unterwegs, am 29. März beginnt dann die Ove-Tour. Wie läuft das bei Euch ab?

Thomsen: Der Hühnerhaufen trifft sich vor dem Bus und dann ist Klassenfahrt (lacht).

Weitkamp: Und dann baut sich jeder Tag auf, immer auf den Höhepunkt am Abend ausgerichtet. Wir haben immer viel Spaß zusammen, es wird extrem viel gelacht. Und es ist wie so oft im Leben: Wenn man nicht tourt, will man unbedingt auf Tour. Wenn man tourt, gibt es auch mal Tage, da wünscht man sich ein wenig Ruhe. Wenn es vorbei ist, will man aber sofort wieder losfahren.

Am 31. März seid ihr in Münster und macht in der Pension Schmidt Station. Zumindest Du, Robert, kommst dann irgendwie nach Hause.

Weitkamp: Genau. Für mich als Münsteraner ist das ein Heimspiel. Ich freue mich auf die Location. Die Pension mit ihren alten Sofas ist super. Die Herausforderung für uns ist es, die Westfalen aus diesen gemütlichen Sitzmöbeln heraus zu bekommen. Aber wir sind da guter Dinge.

Zum Thema

31. März (Sonntag), 20.30 Uhr, Pension Schmidt, Alter Steinweg 37, VVK 10 €, AK 13 €.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6468953?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Die Römer sind auf dem Vormarsch
Angriff!Grimmig gucken können die Freizeit-Legionäre Ralf Koritko, Carsten Kraft und Niels-Benjamin Hahn (v.l.) schon. Wilfried Gerharz Wilfried Gerharz
Nachrichten-Ticker