Fairteilbar bekämpft Lebensmittelverschwendung
Wertschätzen statt wegwerfen

Münster -

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr in Deutschland weggeworfen. Die „Fairteilbar“ will daran etwas ändern. Und zwar mit einem ausgeklügelten Konzept.

Donnerstag, 14.03.2019, 07:00 Uhr
Bei der Nachernte können wertvolle Lebensmittel „gerettet“ werden.
Bei der Nachernte können wertvolle Lebensmittel „gerettet“ werden. Foto: fairTEiLBAR

Rund 55 Kilogramm Lebensmittel schmeißt jeder Deutsche laut Landwirtschaftsministerium im Schnitt pro Jahr weg. „Diese massive Verschwendung wollten wir einfach nicht mehr hinnehmen“, sagt Susanne Kemper . Deshalb hat sie zusammen mit Claudia Thermann , Janis Matheja, Doris Eberhardt und Jana Boelter ein Konzept entwickelt, das aus der Wegwerfmentalität eine Wertschätzungsmentalität machen soll.

Seit einem Jahr arbeiten die Frauen ehrenamtlich an der Realisierung einer „Fairteilbar“ . Unter einem Dach sollen in einem Shop, einem Bistro, einer Manufaktur und einer Projektküche für Bildungsarbeit „gerettete“ Lebensmittel verkauft und verarbeitet werden. Nudeln mit falschem Etikett, Wirsing aus der Nachernte, krumme Gurken – alles, was nicht in den Handel kommt, aber qualitativ einwandfrei ist, soll in der „Fairteilbar“ angeboten werden. Das Ziel der Frauen ist es, die verloren gegangene Wertschätzung für Ressourcen in der Landwirtschaft, bei Herstellern, im Handel und bei Konsumenten zu neuem Leben zu erwecken.

Zahl', was Du willst

Doch das Konzept des Sozialunternehmens geht darüber hinaus. Der Nachhaltigkeitsaspekt soll im „Herzstück“ Projektküche mit einem Bildungsauftrag verknüpft werden. In Workshops soll Kindern, Schülern, aber auch jedem anderen nahegebracht werden, achtsam mit Lebensmitteln umzugehen. „Dabei sollen auch Menschen erreicht werden, die dem Thema bisher noch fernstehen“, betont Claudia Thermann.

„Aus den 3000 Menschen in Münster, die für das Thema ohnehin schon sensibilisiert sind, sollen bestenfalls 30 000 werden“, ergänzt Kemper. Dazu gehöre auch, dass sich alle Menschen die Lebensmittel leisten können. Deshalb setzen sie bei ihrem Projekt auf das Prinzip „Zahl‘, was es Dir wert ist“. Bedeutet: Der Kunde soll im Bistro und im Shop den Preis selbst bestimmen können.

Die „Lebensmittelretterinnen“ der Fairteilbar (v.l.): Claudia Thermann, Susanne Kemper, Janis Matheja, Jana Boelter und Doris Eberhardt.

Die „Lebensmittelretterinnen“ der Fairteilbar (v.l.): Claudia Thermann, Susanne Kemper, Janis Matheja, Jana Boelter und Doris Eberhardt. Foto: Andreas Löchte

Um dieses Modell finanzieren zu können, stellen die fünf Frauen mit „der bunten Sammlung von Kompetenzen“ (Thermann) Förderanträge bei Banken und Stiftungen. Und um der Idee eine Heimat in Form eines Ladenlokals zu geben, braucht es ebenfalls Geld. Deshalb haben die Frauen eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Das erste Ziel von 12 000 Euro ist bereits erreicht. „Damit steht fest: Wir gehen an den Start“, erzählt Kemper.

Auswahl von Angeboten münsterischer Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung

1. Die Brücke - Das Internationale Zentrum der Universität Münster, Im Café Coleur, Wilmergasse 2. Mittwochs, von 15.30 - 16 Uhr. Die Initiative „Foodsharing Münster“ stellt unter anderem aus Supermärkten „gerettete“ Lebensmittel zur Verfügung. Nutzer können Essen dort vorbeibringen, abholen oder vor Ort in der Küche zubereiten. 

2. Allgemeiner Studierenden Ausschuss (AStA), Im AStA-Häuschen gegenüber vom Schloss, Schlossplatz 1. Montags bis donnerstags, 9 bis 16 Uhr und freitags 9 bis 14 Uhr. Ein Kühlschrank und ein Regal sind für jedermann zugänglich. Man darf sich bedienen oder das Angebot mit eigenen überschüssigen Lebensmitteln von zu Hause ergänzen. 

3. Kulturzentrum Baracke, Baracken-Bungalow, Scharnhorststraße 100. Montags zwischen 12 und 22 Uhr und dienstags bis donnerstags von 12 bis 16 Uhr. Auch hier können in einem Regal noch haltbare Lebensmittel für andere Menschen deponiert und bei Bedarf mitgenommen werden.

4. Café SpecOps network, Von-Vincke-Straße 5. Samstagnachmittags ab 16 Uhr. Obst und Gemüse, welches zum Beispiel auf dem Markt keinen Käufer gefunden hat, kann einfach abgeholt werden. Bringt man selbst überschüssige Lebensmittel mit, sollte ebenfalls auf das Haltbarkeitsdatum geachtet werden, da es keine Kühlmöglichkeiten gibt.

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Von Fünf-Euro-Spenden bis zu vierstelliger Unterstützung, von der Einzelperson bis zum Unternehmen war alles dabei. Bis Ende März dieses Jahres sollen über diesen Weg 39 000 Euro zusammenkommen. „Wir hoffen also weiter auf Unterstützung“, sagt Kemper.

Richtig loslegen

Bisher haben sie in zahlreichen Pop-ups, also zeitlich begrenzten Verkaufs-Gelegenheiten bei Veranstaltungen, gezeigt, wie lecker ihre selbst gekochten Speisen aus geretteten Lebensmitteln sind. „Aber in diesem Jahr wollen wir richtig loslegen und einen geeigneten Laden, gerne in der City oder im Südviertel, finden“, sagt Kemper.

Zum Thema

Das Fairteilbar-Projekt kann im Internet per Crowdfunding unterstützt werden .  Informationen gibt es hier .

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