100 Jahre DLRG in Münster
Schwimmen ist lebenswichtig

Münster -

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Münster wurde 1919 gegründet. In diesem Jahr wird also das 100-jährige Bestehen gefeiert. Die Bilanz der vielen Ehrenamtlichen der DLRG ist beachtlich – könnte aber noch besser sein, wie sie selbst sagen. Dafür fehlen Schwimmbäder.

Samstag, 16.03.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 16.03.2019, 11:48 Uhr
100 Jahre DLRG in Münster: Schwimmen ist lebenswichtig
Das Retten will regelmäßig geübt sein: Hier trainieren Rettungsschwimmer und Taucherer bei einer Einsatzübung auf dem Kanal mit dem DLRG-eigenen Boot „Ömmes“. Foto: Matthias Ahlke

Es war im April vor etwa drei Jahren, als Paul Kemper zuletzt einen Ertrinkenden gerettet hat. Er war gar nicht als Aktiver der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft ( DLRG ) unterwegs, sondern nur auf einem Spaziergang mit seinen Hunden am Baldeneysee, wie Kemper erzählt. Mittlerweile lebt der Essener vorwiegend in Münster und arbeitet hier für die hiesige DLRG-Ortsgruppe, die ihr Zentrum der DLRG am Lechtenbergweg am Kanalufer hat. Der passionierte Rettungsschwimmer Kemper organisiert die Öffentlichkeitsarbeit der DLRG – und die ist im Jahr 2019 eine besondere Herausforderung. Vor 100 Jahren entstand in Münster eine Ortsgruppe der sechs Jahre zuvor in Leipzig gegründeten DLRG.

Erster Bezirksleiter war damals Caspar Dechant , sein Lehrschein, der ihn berechtigt, sämtliche Prüfungen für Retter abzunehmen, ist mit dem 13. Juni 1921 datiert. Die Gründung der DLRG allgemein war eine Reaktion auf ein großes Unglück, als im Juni 1912 der Dampfer „Kronprinz Wilhelm“ gegen die mit Hunderten Menschen besetzte Seebrücke in Binz auf Rügen fuhr und sie zum Einsturz brachte. 16 Menschen ertranken damals – denn schwimmen konnten nur die Wenigsten.

Viele Grundschulkinder können nicht schwimmen

Das galt auch im Münsterland, wo die erste DLRG-Gruppe für die ganze Region zuständig war. Die Aufgaben haben sich bis heute nicht geändert: Menschen vor dem Ertrinken retten – das können ausgebildete Rettungsschwimmer. Aber viel wirksamer ist es, möglichst vielen das Schwimmen beizubringen. „Es sah schon einmal deutlich besser aus mit der Schwimmfähigkeit der Bevölkerung“, betont Kemper und referiert die alarmierenden Zahlen:

100 Jahre DLRG in Münster - Ein Blick auf die Geschichte

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  • Helfer der DLRG Münster packten beim Elbe-Hochwasser 2013 mit an.

    Foto: Holger Sandbaumhüter
  • DLRG-Sprecher Paul Kemper mit der „Pünte“, einem der in der Rettungsstation am Lechtenbergweg stationierten Boote.

    Foto: Karin Völker
  • Am Lechtenbergweg am Kanalufer entsteht hier im Jahr 1982 die neue Rettungsstation – ein Meilenstein für die Arbeit der Gruppe.

    Foto: DLRG
  • Zum 90. Geburtstag bildete die DLRG einen kleinen Flottenverband auf dem Kanal.

    Foto: Tim Lehmann
  • Das Retten will regelmäßig geübt sein: Hier trainieren Rettungsschwimmer und Taucherer bei einer Einsatzübung auf dem Kanal mit dem DLRG-eigenen Boot „Ömmes“.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Logo des DLRG Drensteinfurt.

    Foto: Verein
  • Oben der Lehrschein des DLRG-Gründer Caspar Dechant.

    Foto: DLRG/kv
  • Schwimmausbildung am Steiner See in den 50er Jahren.

    Foto: DLRG
  • Schwimmausbildung im 1956 neu eröffneten neuen Zoobad.

    Foto: DLRG
  • Die DLRG Münster im 1956 neu eröffneten Stadtbad Mitte.

    Foto: DLRG
  • Rettungsübungen am Steiner See in den 50er-Jahren.

    Foto: DLRG

Etwa die Hälfte aller Grundschulkinder kann nicht schwimmen, die Zahl der Ertrunkenen hat im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs von 20 Prozent und bundesweit knapp 500 Menschen einen traurigen Rekord erreicht. Die Hauptaufgabe der DLRG – nicht nur in Münster – ist darum die Organisation von Schwimmkursen in den öffentlichen Bädern. Das Interesse ist riesig, die Wartelisten lang. „Wir könnten viel mehr Kurse anbieten, wenn wir mehr Zeiten in Schwimmbädern zugebilligt bekämen“, betont Kemper.

Das Jubiläum

Die Jubiläumsfeiern zum 100. Geburtstag der DLRG Münster beginnen mit dem Festakt im Rathaus Samstag (16. März) um 11 Uhr. Als Gratulanten werden neben Oberbürgermeister Markus Lewe unter anderen auch der Bundesvorsitzende der DLRG und Regierungspräsidentin Dorothee Feller sprechen.

Am 22. Juni lädt die DLRG die Münsteraner zu einem Familienfest an den Aasee ein, in Höhe des Wewerka-Pavillons werden am und auf dem Wasser die vielfältigen Aufgaben der DLRG präsentiert. Bei ihren Ehrenamtlichen bedankt sich DLRG mit einem Fest im Skaters Palace.

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Obwohl hier viele Kinder auf einen Platz warten müssten, sei die Lage, verglichen mit vielen anderen Gegenden in Deutschland noch gut, ergänzt er. Münster hat noch relativ viele kleine Bäder. „Das ist für unsere Arbeit positiv.“ Und nicht wenige, die an einem Schwimmkurs der DLRG teilnähmen, träten der Organisation bei. Die DLRG Münster hat momentan rund 2000 Mitglieder, davon 400 Aktive.


Vom Seepferdchen bis zum Rettungsschein

Die DLRG Münster bietet Schwimmkurse in den Bädern Hiltrup, Ostbad, Wolbeck, Handorf, Kinderhaus, Roxel an. Es gibt dort Kurse von Anfängerschwimmen bis zum Jugendschwimmabzeichen und Rettungsschwimmen.

Zusätzliche Angebote der DLRG bilden Eltern-Kind-Schwimmen, Erwachsenenschwimmen, Wassergymnastik, oder das Schnorcheltauchabzeichen. Die Kurse werden dreimal im Jahr angeboten, jeweils außerhalb der Schulferien. Dadurch werden insgesamt etwa 200 Seepferdchen und über 500 Jugendschwimmabzeichen pro Jahr abgenommen.

Lehrgänge in Ausbildungszentren

Insgesamt hat die DLRG Münster nach eigenen Angaben 115 Lehrscheininhaber und 15 sogenannte „Ausbilder Schwimmen“. Diese werden von vielen Assistenten bei der Durchführung der Kurse unterstützt. Zusammen sind rund 270 Personen pro Woche in den Ausbildungszentren aktiv. Die DLRG qualifiziert die Ausbilder in eigenen Lehrgängen. Sie beteiligt sich aber auch an der Fortbildung der Lehrer in Schulen zur Rettungsfähigkeit.

In mehreren Institutionen bieten Lehrscheininhaber im Auftrag der DLRG Rettungsschwimmkurse an: Insgesamt werden durch eigene Ausbildung und diese Kooperationen pro Jahr rund 500 Rettungsschwimmabzeichen erworben.

Außerdem patroulliert die DLRG im Sommer auf dem Kanal und ist für Rettungseinsätze bereit. Bei Bedarf wird auch die Feuerwehr unterstützt.

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