Pro & Contra
Sollten Fahrradstraßen rot markiert werden?

Münster -

Fahrradstraßen sollen rot markiert werden. Aktionismus – oder eine sinnvolle Maßnahme für mehr Sicherheit?

Samstag, 16.03.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 16.03.2019, 17:05 Uhr
Pro & Contra: Sollten Fahrradstraßen rot markiert werden?
Rot markierte Fahrradstraße in Münster. Foto: Klaus Möllers

Pro: Halbe Sachen helfen nicht

Auf Fahrradstraßen haben Radfahrer Vorrang. Sie dürfen nebeneinander fahren, bestimmen das Tempo. Kraftfahrer müssen sich unterordnen. So weit die Theorie. Die Realität sieht hingegen nach wie vor meist anders aus. Pkw fahren zu schnell, schieben sich an Radlern vorbei, hupen, wenn es nicht schnell genug geht. Manche scheinen gar nicht zu wissen, dass sie sich gerade auf einer Fahrradstraße befinden. Anderen scheint das völlig egal zu sein.

Indem Fahrradstraßen komplett rot markiert werden, wird der Vorrang, den die Radler dort haben, mit einem dicken Ausrufezeichen versehen. In den kommenden fünf Jahren will die Stadt sechs Millionen Euro für rote Radstraßen ausgeben. Das ist viel Geld, ohne Zweifel. Doch es ist gut angelegt: Fahrradstraßen werden damit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer sicherer, Kraftfahrer haben keine Ausreden mehr für regelwidriges Verkehrsverhalten. In Holland sind rote Fahrradstraßen längst die Regel und werden von allen akzeptiert – das sollte auch in Münster möglich sein.

Von Martin Kalitschke

Contra: Investition überdenken

Fahrradübergänge an Kreuzungen sind vielerorts in Münster rot markiert – und das ist gut so. Die allgemein anerkannte Sinnhaftigkeit ändert aber nichts daran, dass Unfallforscher jetzt herausgefunden haben, dass die rote Farbe eine weit geringere Wirkung habe als vermutet. Versetzte Grünphasen an den Ampeln jedenfalls seien zur Vermeidung von Unfällen besser, heißt es.

So weit, so interessant. Der Aufwand, den die Stadt bei der geplanten (aber bislang nicht umgesetzten) Rotfärbung kompletter Fahrradstraßen betreiben möchte, ist weitaus größer. Von den Investitionen in Millionenhöhe ganz zu schweigen. Die neuen, ernüchternden Erkenntnisse sollten Anlass sein, die Investition zu überdenken.

Dies um so mehr, als es in der Fahrradpolitik ohnehin eine gehörige Schieflage gibt. So möchte die Stadt beispielsweise die viel befahrene Schillerstraße komplett rot einfärben, traut sich aber nicht, zumindest an einer Seite das Autoparken zu verbieten. Würde man die Fahrradfahrer fragen, was sie sich wünschen, wäre es gewiss genau anders herum.

Von Klaus Baumeister

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