Als die Kanzler nach Münster kamen
Neue Foto-Ausstellung im Stadtmuseum

Münster -

Eine neue Foto-Ausstellung startet an diesem Wochenende im Stadtmuseum. Sie zeigt Aufnahmen der Besuche deutscher Bundeskanzler zwischen 1949 und 1990 – von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl.

Freitag, 15.03.2019, 19:00 Uhr
Helmut Kohl kam 1982 nach Münster, um einen Karnevalsorden entgegen zu nehmen. Dabei trug er sich auch in das Goldene Buch der Stadt ein.
Helmut Kohl kam 1982 nach Münster, um einen Karnevalsorden entgegen zu nehmen. Dabei trug er sich auch in das Goldene Buch der Stadt ein. Foto: Stadtmuseum Münster

Würdevoll, fast wie ein gekröntes Haupt, winkt Konrad Adenauer den Münsteranern zu. Die jubeln nicht etwa, sondern wagen es gerade mal, Adenauer voller Ehrfurcht anzulächeln.

Das Foto, das bis zum 8. September im Rahmen der Foto-Ausstellung „Der Kanzler kommt!“ im Stadtmuseum zu sehen ist, entstand 1954. Es war der erste Besuch eines Bundeskanzlers in Münster, bis 1990 folgten zahlreiche weitere Besuche seiner Nachfolger, doch so groß wie bei Adenauer war die Distanz zwischen Kanzler und Bürger nie wieder.

Von Erhard bis Schmidt

Ludwig Erhard stoppte 1965 am Hubertushof in Handorf und trank ein Glas Sekt – die Stimmung schien blendend gewesen zu sein, wie die Fotos zeigen. Erhards Nachfolger Kurt Georg Kiesinger wiederum trieb die Studenten auf die Straße: Es war 1969, und beim Kramermahl trank ein früheres NSDAP-Mitglied aus dem Goldenen Hahn . Der Protest schaffte es damals bis in die Tagesschau.

Geradezu euphorisch wurde zwei Jahre später Willy Brandt empfangen. „Willy, Willy“-Rufe begleiteten seine Rede beim Feuerwehrtag auf dem Domplatz. Mitten im deutschen Herbst 1977 besuchte Helmut Schmidt die Polizeiführungsakademie. Die Flugzeugentführung von Mogadischu und die Ermordung Hanns Martin Schleyers lagen nur wenige Wochen zurück. Es herrschte höchste Sicherheitsstufe. Schmidt verließ das Grundstück der Akademie nicht, die wenigen Meter zum Hubschrauber legte er in seiner eigens von Bonn nach Münster geholten gepanzerten Limousine zurück.

Fotos zeigen Entwicklung

Schließlich Kohl: Kein anderer Kanzler war so oft in Münster wie er. Beim ersten Mal, 1982, kam er von einem Europa-Gipfel in Dänemark, um einen Karnevalsorden entgegenzunehmen. Der Empfang war ausgelassen. 1984, beim Europawahlkampf auf dem Domplatz, wurde er hingegen mit Tomaten und Eiern beworfen.

„Die Fotos der Kanzler-Besuche zeigen zugleich, wie sich die Gesellschaft im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat“, betont Axel Schollmeier, stellvertretender Leiter der Stadtmuseums. Wurf­attacken wie bei Kohl wären beim weithin respektierten Adenauer undenkbar gewesen. Als schwierig gestaltete sich die Fotosuche, berichtet Schollmeier. „Mühsamst“ sei es gewesen, an Bilder zu gelangen – erst kurz vor der Eröffnung habe die Ausstellung gestanden.

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Die Ausstellung ist bis zum 8. September im Stadtmuseum zu sehen, Salzstraße 28. Eintritt frei.

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