Stadthafen und Germania-Campus
Historische Schornsteine bröckeln

Münster -

Der Schornstein im Stadthafen 1 wird demnächst abgebrochen – er ist marode. Ein ähnliches Schicksal könnte auch dem Schornstein auf dem Germania-Campus drohen. Doch der Besitzer der Immobilie hat noch eine andere Idee.

Samstag, 16.03.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 16.03.2019, 14:27 Uhr
Der Schornstein im Hafen (Foto) wird definitiv abgerissen – der Schornstein am Germania-Campus vielleicht.
Der Schornstein im Hafen (Foto) wird definitiv abgerissen – der Schornstein am Germania-Campus vielleicht. Foto: Matthias Ahlke

Einer der letzten Industrie-Schornsteine im Hafenviertel wird demnächst abgerissen. Der rund 40 Meter hohe Turm auf dem Osmo-Gelände befindet sich baulich in einem schlechten Zustand, berichtet Eigentümer Andreas Deilmann . Der Bereich rund um den nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Turm ist inzwischen abgesperrt worden. Eine Abrissgenehmigung liege bereits vor, sagt Deilmann.

Und noch ein weiterer Schornstein ist vom Abriss bedroht – jener auf dem Germania-Campus. Wie das Gegenstück im Hafen wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet und ist ebenfalls nicht denkmalgeschützt. Er gehörte einst zur Germania-Brauerei, die dort seit den 1920er-Jahren Bier herstellte.

Ziegelsteine fallen

„Seit einiger Zeit fallen Ziegelsteine herunter“, berichtet Deilmann, dem auch der Germania-Campus gehört. Anders als im Hafen tut sich der Investor jedoch hier mit einem Abriss schwerer. „Der Schornstein prägt das Stadtbild, man sieht ihn, sobald man über die Steinfurter Straße in die Stadt hereinfährt“, sagt Deilmann.

Auch hier ist der Bereich rund um den Schornstein inzwischen gesperrt worden, Hotel- und Gastronomiebetrieb können jedoch weitergehen. Eine Abrissgenehmigung hat Deilmann noch nicht beantragt. „Ich kann mir auch gut vorstellen, den rund 45 Meter hohen Schornstein auf etwa 35 Meter zu kürzen – und dann ein fünf Meter hohes Windrad darauf zu setzen.“

Windrad statt Schornstein

Wobei Deilmann nicht an ein Windrad mit großen Rotorenblättern denkt, sondern an eine vertikale Windkraftanlage, wie sie auch auf dem Schornstein des Werkstattgebäudes der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) betrieben wird. „Die Energie, die eine solche Anlage erzeugen würde, könnte drei bis vier Ladestationen für Elektrofahrzeuge versorgen“, hat Deilmann ausgerechnet.

Finanziell würde es keinen Unterschied machen, ob der Schornstein abgerissen oder nur gestutzt und dann mit einer Windkraftanlage versorgt wird – „die Kosten würden in beiden Fällen bei 100 000 Euro liegen“, sagt Deilmann. Er hofft aus Reaktionen aus der Bürgerschaft – und will danach entscheiden, welche der beiden Optionen umgesetzt wird. Aktuell tendiere er dazu, den Schornstein zu erhalten.

Kunstprojekt vertagt

Einer der größten Schornsteine Münsters befindet sich im Süden der Stadt – auf dem Rockwool-Gelände am Hiltruper Bahnhof. Das Gemäuer ist fast 100 Meter hoch und an der Basis zehn Meter breit. Schon seit Jahren wird er nicht mehr benötigt – was aus ihm in Zukunft wird, ist unklar.

Vor drei Jahren hatte das Künstler-Duo Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt aus Frankfurt angekündigt, auf die Spitze des Rockwool-Turmes eine acht Meter große Skulptur zu stellen. Aus den Plänen ist jedoch bis heute nichts geworden, eine Umsetzung des Kunstprojekts scheint in weite Ferne gerückt zu sein.

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