Kommentar: Demonstration gegen Sarrazin
Bündnis setzt eigenen Anspruch aufs Spiel

Münster -

Thilo Sarrazin wird am Dienstag (19. März) sein Buch „Feindliche Übernahme“ in Münster vorstellen und mit dem münsterischen Professor für islamische Religionspädagogik, Dr. Mouhanad Khorchide, diskutieren. Dagegen formiert sich Protest.

Sonntag, 17.03.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 17.03.2019, 10:21 Uhr
Thilo Sarrazin kommt nach Münster – doch gegen seinen Auftritt formiert sich Protest.  
Thilo Sarrazin kommt nach Münster – doch gegen seinen Auftritt formiert sich Protest.   Foto: dpa

Thilo Sarrazin ist Mitglied in der SPD . Das freut die meisten dort verständlicherweise am wenigsten. Aber ihn mit rechtsstaatlich lauteren Mitteln aus der Partei zu komplimentieren, scheint schwierig zu sein.

Thilo Sarrazin hat mit plumpen, eindeutig ausländerfeindlichen, verunglimpfenden Pauschalisierungen Angst geschürt, die in der jüngeren Vergangenheit mehr denn je auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Es ist das Prinzip AfD, dem gewiss auch Sarrazin den Boden bereitet hat.

Protestkundgebung geplant

Das ist verwerflich, unanständig – aber eine gezielte Gratwanderung im politischen Meinungskampf. Ist Sarrazin deshalb ein Nazi?

Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ ruft angesichts einer Lesung Sarrazins aus seinem Buch „Feindliche Übernahme“ am Dienstag zu einer Protestkundgebung auf. Dass Sarrazin mit dem als liberal geltenden Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide in einen wohl spannungsgeladenen Dialog treten soll, wird im Protestaufruf verschwiegen. Warum?

Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ hat sich einst zusammengefunden, um im Rumphorstviertel gegen den Aufmarsch einer Neonazi-Kameradschaft Gesicht zu zeigen. Erfolgreich!

Eigenen Anspruch aufs Spiel gesetzt

Gegen Neujahrsempfänge der rechtspopulistischen AfD hat das Anti-Nazi-Bündnis zweimal zu deutschlandweit beachteten Demonstrationen aufgerufen. Schließlich muss sich die Partei als größte Opposition im Deutschen Bundestag die rechtsradikalen Parolen ihrer Mitglieder zurechnen lassen, gegen die sie nicht vorgeht.

Wenn eine Sarrazin-Khorchide-Diskussion dem „Keinen Meter den Nazis“- Bündnis als Grund für eine Demonstration reicht, setzt es aber seinen eigenen Anspruch aufs Spiel. Manchmal ist es klüger, die Freiheit zu nutzen, auf das Demonstrationsrecht zu verzichten. Doch die Verlockung politisch links motivierter Agitation scheint zu groß zu sein.

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