Vortrag von Philosoph Richard David Precht
Über das „Ich“ in unruhigen Zeiten

Münster -

Prominenter Besuch im Kunsthaus Kannen. Vor 160 Experten aus dem Kinder- und Jugendbereich referierte am Freitagabend der bekannte Philosoph Prof. Dr. Richard David Precht.

Sonntag, 17.03.2019, 19:25 Uhr aktualisiert: 17.03.2019, 19:30 Uhr
Rund 160 Experten aus dem Kinder- und Jugendbereich verfolgten den Vortrag von Precht.
Rund 160 Experten aus dem Kinder- und Jugendbereich verfolgten den Vortrag von Precht. Foto: o: M. Bok

Eine „Themenbetrachtung ohne fachliche Gewähr“ lautete die Umschreibung, mit der der prominente Gastredner, Philosoph und Bestsellerautor Prof. Dr. Richard David Precht am Freitag beim 5. Alexianer-Symposium im Kunsthaus Kannen seinen Vortrag vor knapp 160 Experten aus der Kinder-und Jugendpsychiatrie vorab in etwas bescheidener Manier ankündigte: „Das liegt daran, dass die Philosophie eigentlich für nichts so richtig kompetent ist“.

Was Gastgeber Dr. Christopher Kirchhoff und seine Zuhörer im vollbesetzen Kunsthaus-Saal dann aber in den folgenden 75 Minuten zur „Entwicklung des ,Ich‘ im modernen sozialen Umfeld“ zu Gehör bekamen, enthielt allerdings ungleich viele wertvolle Impulse für die in ganz unterschiedlichen Berufsgruppen tätigen Kinder-und Jugendexperten, heißt es in einer Alexianer-Mitteilung.

In einem komplexen Streifzug durch die Epochen und die Erkenntnisse der großen Philosophen markierte Precht ausführlich die philosophische Betrachtung und Entwicklung des „Ich“, um am Ende festzuhalten: „Wir haben, vor allem geprägt durch die industrielle Revolution und aufkommende bürgerlichen Gesellschaft, sehr lange gebraucht, bis das ,Ich‘ mitsamt seiner heute grundrechtlich geschützten Menschenwürde und Persönlichkeit zu dem stabilen ,Ich‘ geworden ist, das es jetzt ist“.

Doch er mahnte: „Umso mehr müssen wir heute im Zeitalter der rasanten Entwicklungen von künstlicher Intelligenz und stetigem Wandel auf unser ,Ich‘ aufpassen: „Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der wir uns ständig selbst neu erfinden und definieren sollen, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit sowie echte, digitale, anonymisierte und damit bis zu drei Identitäten die Maximen sind – das kann gerade junge Menschen schnell überfordern“.

Mit weiteren grundlegenden Betrachtungen des Menschen heute, seiner Rolle in der Bedarfsweckungsgesellschaft und im Kontext der Digitalisierung als nächste große Revolution skizzierte Precht eine Standortbestimmung unserer Spezies in unruhigen Zeiten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6478232?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Jetzt stinkt der lila See auch noch
Mal wieder lila: die Promenaden-Gräfte an der Kleimannstraße im Kreuzviertel.
Nachrichten-Ticker