Viel Münster im Tatort
Mordkommission in Lewes Büro

Münster -

Die Einschaltquote stimmt, die Kritiken fallen unterschiedlich aus. Viel Münster war im neuen Münster-Tatort zu sehen. Und eine bizarre Mordserie.

Montag, 18.03.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 18.03.2019, 18:40 Uhr
Entsetzen: Thiel (Axel Prahl) fährt zu einem ermordeten Taxifahrer, der in der Bahnunterführung gefunden wurde.
Entsetzen: Thiel (Axel Prahl) fährt zu einem ermordeten Taxifahrer, der in der Bahnunterführung gefunden wurde. Foto: WDR/Thomas Kost

Die Mordkommission tagt im Stadthaus 1. Die über 13 Millionen Fernsehzuschauer, die am Sonntag den neuen Münster-Tatort „Spieglein, Spieglein“ gesehen haben, halten Münsters Verwaltungsgebäude am Rathaus für das Polizeipräsidium – zumindest steht dort das blaue Polizei-Schild vor dem Eingang, direkt darüber ist im wahren Leben das Büro von Oberbürgermeister Lewe.

Münsters Ermittler, Thiel ( Axel Prahl ) und Boerne ( Jan Josef Liefers ), haben es mit einer bizarren Mordserie zu tun: Eine Frau meuchelt die Doppelgänger der Protagonisten. „Da haben selbst wir doppelt gesehen“, twitterte Liefers am Montag. Hinter den perfiden Morden steckt ein Strippenzieher, der in der JVA Münster einsitzt. Auch dort sind Thiel und Boerne zu Gast.

So viel Münster steckt im neuen Münster-„Tatort”

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  • Frank Thiel (Axel Prahl, 1.v.l.) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, 2.v.r.) suchen im neuen Münster-„Tatort” nach einem Mörder, der Doppelgänger tötet - zum Beispiel von Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann, 2.v.l.) und Silke „Alberich” Haller (ChrisTine Urspruch, 1.v.r.) Neben Köln wurde selbstverständlich auch in Münster gedreht. Wie viel Münster ist bei den Ermittlungen zu sehen?

    Foto: picture alliance/Thomas Kost/WDR/dpa
  • Paulusdom und Promenade

    Hinter dem Dom wird eine Leiche gefunden, die Frank Thiel (Axel Prahl) kurz den Atem raubt: Liegt da seine Kollegin, die Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann)? Schnell kann er aufatmen: Es ist ihre Doppelgängerin. Vor Erleichterung muss Thiel kurz lachen - und landet damit prompt auf dem Titelblatt des „Westdeutschen Anzeigers”, der fälschlicherweise behauptet, die Leiche sei auf der Promenade gefunden worden.

    Foto: Oliver Werner
  • Kreuzigungsgruppe

    Die Leiche von Klemms Doppelgängerin, Hanne Siewers, wird direkt unter einem großen, bronzenen Kunstwerk gefunden, der „Kreuzigungsgruppe”. Seit 2004 steht das Kunstwerk von Bert Gerresheim an der Nordseite des Doms und soll das Golgatha-Geschehen zeigen. Allerdings sind nicht Jesu Jünger oder Maria zu sehen, sondern neben Jesus, hängend am Kreuz, Anna Katharina Emmerick, Schwester Maria Euthymia und Kardinal Clemens August Graf von Galen.

    Zudem finden sich ein Verweis auf Edith Stein sowie zerschlagene Zeichen und Embleme, die an dunkle Zeichen erinnern sollen, unter anderem das Hakenkreuz und der Judenstern. Ein wenig weiter entfernt sitzt der Wiedertäuferkönig Jan van Leiden.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jan-van-Leiden-Gesamtschule

    Thiel fragt Kommissar Mirko Schrader (Björn Meyer), der Kommissarin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) vertritt, an welcher Schule das Opfer Hanne Siewers gearbeitet habe. Schrader antwortet ihm, sie sei Sekretärin der Jan-van-Leiden-Gesamtschule gewesen.

    Diese gibt es natürlich nicht, doch es bringt die Geschichte der Stadt Münster ins Spiel. Denn  Jan van Leiden  war seit 1534 Herrscher und König des Täuferreichs in Münster, das sich in den 1530er Jahren, besonders unter van Leiden, zunehmend radikalisierte. Fürstbischof Franz von Waldeck eroberte die Stadt 1535 zurück.

    Foto: Holger Martsch
  • 1536 wurde Jan van Leiden gemeinsam mit zwei weiteren Wiedertäufern zu Tode gefoltert. Ihre Leichen wurden in eisernen Körben an die Lambertikirche gehängt. Dort befinden sie sich noch heute - als Mahmmal gegen Gewalt.

    Foto: Oliver Werner
  • Prinzipalmarkt

    Taxifahrer Herbert Thiel (Claus Dieter Clausnitzer), Frank Thiels „Vadder”, unterhält sich mit seinem Doppelgänger Fritz Mertens (Wolfgang Packhäuser) und zeigt ihm stolz seine neuen Visitenkarten, selbstverständlich im kitschigen Hippie-Stil.

    Im Hintergrund ist bei sonnigem Wetter der Prinzipalmarkt mit der Lambertikirche zu sehen. Es läuten sogar die Glocken, sodass das Münster-Klischee „Entweder es regnet, oder es läuten die Glocken” bedient ist. Von dort bekommt Herbert Thiel Kundschaft und weiß noch nicht, wen er da in seinem Taxi kutschiert.

    Foto: WDR/Thomas Kost
  • JVA Münster

    Thiel und Boerne besuchen einen Mann in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Münster. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde ab 1848 erbaut und gilt als zweitältestes Gefängnis Deutschlands. Im Juli 2016 musste es wegen vermuteter Baufälligkeiten geräumt werden.

    Foto: WDR/Thomas Kost
  • Nach baulichen Veränderungen konnte das JVA-Gebäude zum Jahresbeginn 2018 wieder bezogen werden. 218 Häftlinge kamen dort unter. Am 23. Januar wurde nach vorheriger Suche bekannt, dass ein neues Gebäude im Stadtteil Wolbeck gebaut wird - 2024 soll es bezugsfertig sein.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Wolbecker Brücke

    Silke „Alberich” Haller (ChrisTine Urpspruch) verschlägt es beim zweiten Opfer die Sprache, ...

    Foto: WDR/Thomas Kost
  • ... denn sie kannte die getötete, ebenso kleinwüchsige Nicole Tiburcy aus der Eisdiele - und dann trug das Opfer auch noch Hallers Schal, als sie in den Kanal gestürzt wurde, dem Dortmund-Ems-Kanal. „Unweit der Wolbecker Brücke”, wie Boerne erklärt.

    Foto: Jan Hullmann
  • Hafen

    Verzweifelt und vor Angst, gefasst zu werden, zieht es Täterin Birgit Brückner (Kathrin Angerer) an den Hafen. Sie befindet sich dabei auf der Südseite und blickt auf die Osmo-Hallen auf der Nordseite, die seit Januar 2012 wegen Einsturzgefahr gesperrt sind; derzeit werden sie abgerissen. Auf dem Platz sollen Gebäude für Wohnungen, Büros und Restaurants entstehen. Ebenso zu sehen ist unter anderem der Turm der Herz-Jesu-Kirche.

    Foto: Luftbildkontor Fischer

Die erste Leiche liegt vor der Kreuzigungsgruppe  im Schatten des Doms. Und sieht aus wie die Staatsanwältin. Der Schreck fährt Thiel in die Glieder, als er zu einem toten Taxifahrer in die Bahnunterführung gerufen wird. Doch nicht – wie  von Thiel befürchtet –  sein „Vatter“ wurde in dem Taxi erschossen, sondern ein diesem ähnlich sehender Kollege.

In entgegengesetzter Richtung auf dem Prinzipalmarkt

Der Mann trägt auch einen ergrauten Zopf  und vor allem „Vatters“ Visitenkarten bei sich, die auf dem Prinzipalmarkt bekommen hat. Die Taxen stehen in Höhe der Geschäfte „Country Classics“ und „Zumnorde“ und fahren von dort in entgegengesetzter Richtung los. Auch St. Lamberti aus der Vogelperspektive darf nicht fehlen. Viel Münster ist zu sehen, trotz Showdowns im anonymen Neubaugebiet.

In den sozialen Medien fragen sich viele, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, den eigenen Doppelgänger zu finden – und dann noch in einer Stadt der Größe von Münster. Egal. „Die Handlung ist beim Tatort Münster immer Nebensache. Ich liebe die zwei“, so Userin Nella.

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