Geändertes Ausbildungskonzept in der Friedrichsburg
Altenheim geht neue Wege

Münster -

In der Friedrichsburg wird den Azubis viel Verantwortung übertragen. Dass habe gleich mehrere positive Auswirkungen, schwärmt die Einrichtungsleiterin. Dabei gibt es allerdings nicht nur für die Azubis etwas Neues zu lernen.

Mittwoch, 20.03.2019, 09:00 Uhr
Willkommen auf der Lernetage: Praxisanleiterin Manuela Becker (l.) und Einrichtungsleiterin Susanne Bönninghoff waren federführend an der neu konzipierten Ausbildung im Altenpflegeheim Friedrichsburg beteiligt.
Willkommen auf der Lernetage: Praxisanleiterin Manuela Becker (l.) und Einrichtungsleiterin Susanne Bönninghoff waren federführend an der neu konzipierten Ausbildung im Altenpflegeheim Friedrichsburg beteiligt. Foto: Björn Meyer

Alles begann 2016 auf dem Balkon von Manuela Becker . „Ich höre immer wieder, es sei wohl eine Schnapsidee gewesen. Genau genommen aber war es eine Bieridee“, sagt die examinierte Pflegekraft mit einem offenen Lächeln. Denn damals stand Becker mit ihrer Kollegin Sabrina Fath bei genau jenem Getränk zusammen, als man sich überlegte, wie man die Ausbildung für junge Pflegekräfte attraktiver machen könne.

Die Idee

Becker erinnerte sich daran, dass sie einmal über einen Baumarkt gelesen hatte, der die Auszubildenden alle zusammen arbeiten ließ. Laut dem Bericht habe das dort funktioniert. Warum also so etwas nicht in der Pflege versuchen? Fortan war die Idee geboren.

Die heute 34-jährige Becker wandte sich an ihre Vorgesetzten und rannte offene Türen ein. Dabei gab es einiges zu organisieren, hält Einrichtungsleiterin Susanne Bönninghoff fest. Denn nicht nur Bewohner, Angehörige, Personal, Auszubildende und interne Gremien mussten überzeugt werden, auch die Johanniter-Schule musste sich an die veränderte Ausbildung anpassen. „Wir sind bei Frau Drewes allerdings auf offene Ohren gestoßen“, sagt Bönninghoff.

17 Azubis auf einer Etage

Zwei Jahre später, im zweiten Halbjahr 2018, startete das neue Konzept in der Friedrichsburg. 17 Auszubildende arbeiten gemeinsam auf einer Etage, einer der sechs Praxisanleiter ist immer vor Ort, weitere sind eine Etage tiefer ansprechbar. „Die Auszubildenden bekommen so von Beginn an viel Verantwortung übertragen, das motiviert“, weiß Becker aus Gesprächen mit den Azubis.

Überhaupt sei die Kommunikation – zwischen Auszubildenden und Ausbildern, aber auch unter den Auszubildenden und nicht zuletzt auch unter den Ausbildern, deutlich gestiegen. Diejenigen dagegen, für die der Beruf nichts sei, würden das durch die neuen Ausbildungsanforderungen früh merken. Auch das sei für beide Seiten von Vorteil, resümiert Bönninghoff.

Angehörige hatten Sorge

Die Einrichtungsleiterin verschweigt derweil nicht, dass es dicke Bretter zu bohren gegeben habe. Vor allem Angehörige der Bewohner hätten sich Sorgen gemacht. „Da gab es rege Diskussionen. Letztlich aber haben wir von einigen auch die Rückmeldung bekommen, dass sie selber auch gerne solche Bedingungen in der Ausbildung vorgefunden hätten“, so Bönninghoff. Dabei gelte es zu bedenken, dass mehr Personal jetzt auch mehr Raum für Pflege ermögliche.

Neben den internen Vorteilen, die die Verantwortlichen sehen, trage das veränderte Ausbildungskonzept eine Werbebotschaft in sich. „Wir merken sehr wohl, dass wir mehr Bewerbungen erhalten“, sagt Bönninghoff. Denn die Verantwortung, die man den Auszubildenden in der Friedrichsburg übertrage, spreche sich rum. „Ich glaube, die Schüler sind stolz, Teil davon zu sein.

Mittlerweile ist es schon so, dass sich die Auszubildenden gegenseitig korrigieren“, schwärmt Becker vom neuen Miteinander. Dabei gibt sie zu, dass auch sie selbst habe umdenken müssen: „Auch ich musste erstmal lernen Verantwortung abzugeben.“

Nicht ohne Grund wird die neue Form der Ausbildung in der Friedrichsburg „Lernetage“ genannt.

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