Marketing-Kongress
Den Nachfrage-Hunger angestupst

Münster -

„Nudging“ liegt im Trend. Marketing im Sinne von „Nudging“ und damit für Impulse für Kaufentscheidungen soll auf das Erzeugen von „Nachfrage-Hunger“ abzielen. Roland Kurtz fährt auf eine Nudging-Idee ab.

Mittwoch, 03.04.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 18:22 Uhr
Gaben Anstupser für das Thema des Marketingkongresses (v.l.): Bernd Adamaschek, Prof. Thorsten Kliewe, Eva Somani, Pawel Dillinger, Rolf Wandres, Peter Baumgartner, Iris Lange-Wewer und Petra Adamaschek.
Gaben Anstupser für das Thema des Marketingkongresses (v.l.): Bernd Adamaschek, Prof. Thorsten Kliewe, Eva Somani, Pawel Dillinger, Rolf Wandres, Peter Baumgartner, Iris Lange-Wewer und Petra Adamaschek. Foto: gh

Roland Kurtz ist nicht zu übersehen. Der 2,09-Meter-Mann steckt in einem Kiepenkerl-Kittel und fährt jeden Tag mit seiner Leezenkiepe durch Münster, um an vielen Adressen bestellte Büromaterialien abzuliefern. 300 Kilo könne er auf seiner E-Leeze zuladen, sagt Kurtz. Die Strecke zwischen dem Stadtteil Roxel und der Innenstadt sei eine leichte Übung, meint er. Der neue Job macht ihm offensichtlich richtig Spaß. Den Anstupser für diesen ungewöhnlichen Transport gab seine Chefin Daniela Isfort. Diese Idee passt exakt zum Thema „Nudging“ (kluge Entscheidungen anstupsen), das am Dienstag beim Marketing-Kongress im Mövenpick-Hotel im Mittelpunkt stand. Gastgeber war der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) in der Region Münsterland mit zahlreichen Partnern.

Roland Kurtz ist mit einer Leezenkiepe unterwegs.

Roland Kurtz ist mit einer Leezenkiepe unterwegs. Foto: gh

Professor Dr. Thorsten Kliewe vom Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Münster erläuterte zum Auftakt, was Nudging überhaupt bedeutet. Beispielsweise könne der Anstupser, so die freie Übersetzung für Nudging, dem Kunden hilfreiche Informationen für seine Kaufentscheidung liefern. Kliewe warnte aber davor, dass sich entsprechende Untersuchungen nicht auf jede Branche „Eins-zu-eins“ übertragen ließen. Was in dem einem Supermarkt gut gehen würde, könnte im nächsten schon ein Flop werden. Außerdem spiele seiner Meinung nach auch das tiefe Wissen der Psychologie eine Rolle.

„Ist Nudge Quatsch?“ Dieser Frage ging Peter Baumgartner nach. Der Österreicher sieht im Anstupsen eine gewisse Verantwortung. „Es gibt angenehme und unangenehme Stupser“, so der Mutmacher, Bestsellerautor und Wirtschaftsliteraturpreisträger. Er appelliert in diesem Zusammenhang an sprachliche Genauigkeit, denn sonst könne aus einer Enttäuschung am Ende leicht eine Täuschung werden.

In der stetig wachsenden Kette der digitalen Medien könnte ein Brief ein bedeutender Anstupser sein. Diesen Standpunkt vertrat Iris Lange-Wewer vom Dialog- Marketing der Deutschen Post. Ein Brief, eingebettet in einen digitalen Prozess, zeige aufgrund jüngster Erfahrungen eine starke Wirkung.

Seine dicke Halskette, die er mit einem goldenen T vor der Brust trug, bezeichnete Pawel Dillinger als „Kommunikationsanker“. Jeder tippte bei dem „Paradiesvogel“ in der Kongressgesellschaft am Dienstag auf einen Telekom-Mitarbeiter – und traf ins Schwarze. Der Diplom-Kommunikationswirt fiel aber auch durch seine Turnschuhe in der Telekom-Farbe Magenta auf. 65 000 Paar Schuhe habe die Telekom an Mitarbeiter übergeben. Erst sei die Nachfrage schleppend gewesen, so Dillinger, dann setzte im Sinne von Nudging der „Nachfrage-Hunger“ ein. Dillinger ist überzeugt, dass es viele kleine Aspekte gebe, um unbewusst Entscheidungen zu beeinflussen.

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