Münsteranerin bei Ärzte ohne Grenzen
Ebola-Einsatz im Kongo

Münster -

Lea Wende war für Ärzte ohne Grenzen im Ebola-Einsatz im Kongo. Sie kümmerte sich dort um die hygienischen Standards – und hat die schrecklichen Folgen der Epidemie mitansehen müssen.

Mittwoch, 03.04.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 15:25 Uhr
Mitarbeiter des Gesundheitsamtes desinfizieren ein Gebäude eines Krankenhauses in Mbandaka im Norden von Kongo.
Mitarbeiter des Gesundheitsamtes desinfizieren ein Gebäude eines Krankenhauses in Mbandaka im Norden von Kongo. Foto: dpa / John Bompengo

Sie sah Menschen, die an Ebola erkrankt waren, sah sie sterben, sah, wie sich die Familien klagend und schreiend von ihnen verabschiedeten. Die 30-jährige Lea Wende aus Münster arbeitet für Ärzte ohne Grenzen als Wasser-Sanitär-Hygiene-Fachkraft. Im vergangenen August brach die Ebola-Epidemie im Kongo aus. Seitdem war sie dreimal vor Ort, um zu helfen. Im Februar kam sie von ihrem letzten Einsatz wieder, diesmal war sie vor allem im Transitzentrum in Beni unterwegs.

Unter anderem war es ihre Aufgabe, das Personal zu schulen, das für hygienische Standards zuständig ist. Gewisse Standards mussten aber erst geschaffen werden. Die Mitarbeiter säubern die Räume, in denen Ebola-Erkrankte liegen, die „High-Risk-Area“ (zu Deutsch: Hochrisikobereich): „Anfangs habe ich mein Team immer in die High-Risk-Area begleitet, um sicherzugehen, dass alles gemäß der Protokolle läuft. Ich trage mit die Verantwortung dafür, dass sich im Behandlungszentrum niemand ansteckt“, so Wende.

Sechs-Wochen-Einsatz

Mittlerweile ist sie für die Kontrolle der Standards, präventive Maßnahmen und verschiedene logistische Aufgaben zuständig. Sechs Wochen dauerte der Einsatz: „Man arbeitet sieben Tage die Woche von frühmorgens bis spätabends, und vor allem die Arbeit in der High-Risk-Area im schweren Schutz-Anzug ist körperlich extrem anstrengend.“ Emotional ist die Arbeit ebenso strapazierend: „Man sieht Patienten in sehr schlimmen Zuständen, vor allem im Endstadium der Krankheit. Mehrere Menschen sind vor meinen Augen gestorben.“

Auch der Abschied der Angehörigen berührte die 30-Jährige: „Die Familien der Verstorbenen können ihre Angehörigen vor der Beerdigung ein letztes Mal hinter einer Plexiglas-Scheibe sehen. Die Trauer der Familienmitglieder ist immer sehr überwältigend und bewegt mich jedes Mal tief.“ Verheerend sei der Zustand in den Gesundheitszentren, durch den sich viele weitere Krankheiten ausbreiteten – und Menschen sterben. Der Krieg im Kongo und Angriffe auf die Ebola-Zentren erschwerten die Arbeit zusätzlich.

Ungleichheiten bekämpfen

Immer wenn Wende nach Münster zurückkehrt, beschäftigt sie vor allem eine Sache: „Was mich oft sehr traurig macht, ist die Ignoranz vieler Menschen hier gegenüber dem Leid in anderen Regionen der Welt und ihrer eigenen Mitverantwortung.“ Trotzdem ist die humanitäre Hilfe genau das, was sie machen möchte: „Nach Noteinsätzen bin ich zwar immer ziemlich erschöpft, doch es ist jedes Mal eine bereichernde Erfahrung, mit einem motivierten Team zu arbeiten, das im Einsatz alles gibt. Ich denke, in der humanitären Hilfe ist man Teil einer Bewegung, die versucht, Ungleichheiten zu bekämpfen.“

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