Interview zum Uncle-M-Fest
Mitsing-Pits und Plauder-Ecken

Münster -

Ende April findet im Skaters Palace eine neue Ausgabe des „Uncle M Fests“ statt. Benannt nach dem gleichnamigen Plattenlabel. In diesem Jahr sind aber zwei Sachen anders als in den vergangenen Jahren.

Dienstag, 09.04.2019, 11:00 Uhr
Mirko Gläser und Alex Schlage (großes Bild) veranstalten das „Uncle M“ Fest. Dave Hause (kl. Bild) ist Headliner.
Mirko Gläser und Alex Schlage (großes Bild) veranstalten das „Uncle M“ Fest. Dave Hause (kl. Bild) ist Headliner. Foto: Uncle M

Unser Redakteur Carsten Vogel hat mit Mirko Gläser und Alex Schlage von Uncle M gesprochen.

Wie ist die Idee entstanden, einen Warm-up-Abend für euer Festival einzuführen?

Mirko Gläser: Wir hatten in den vergangenen Jahren immer wieder mal einzelne Konzerte in der Pension Schmidt veranstaltet, und wir mögen das Team und die Location sehr. Als dann zuletzt auch der Wunsch von Fans an uns herangetragen wurde, nicht nur der „lauten“ Seite von Uncle M eine Plattform zu bieten, sondern auch den ruhigeren Tönen, war die Idee schnell geboren.

Alex Schlage: Auch sonst fanden „ruhigere Töne“ oder auch Punkrock im Akustik-Gewand immer mal wieder Platz auf unseren Festen. Stumfol, Dan Fairhurst und Turbobart haben auf einer eigenen Outdoor-Bühne am Skaters Palace gespielt. Aber die Entzerrung von „leise“ und „laut“ auf zwei Tage ergibt nicht nur Sinn, sondern wird auch den auftretenden Bands gerechter.

Ist nach dem Umzug von Uncle M die Planung für euch schwieriger geworden? Ist Münster als Standort eventuell gefährdet?

Mirko: Organisatorisch bleibt für uns vieles beim alten: Die meisten Aufgaben rund um das Festival fallen sowieso viele Monate vorher an. Es spielt keine Rolle, ob ich Bands und Hotels von Münster oder von der Nordsee aus buche. Ich empfinde es eher als Vorteil. Weil ich mich zusätzlich zum Festival auch sehr aufs „Heimkommen“ in die Stadt und das Wiedersehen mit Freunden freue, ist das Feuer für die Organisation noch einen Tuck größer geworden.

Line-up: Das sind die Bands beim "Uncle M Fest 2019"

1/10
  • 1

    Gleich zwei Konzertabende umfasst die diesjährige Ausgabe des "Uncle M Fests". Das "Warm Up" bietet etwas ruhigere Bands in familiärer Atmosphäre, während die härtere Gang-Art wie gewohnt im Skaters Palace stattfindet. Die Übersicht.

    Foto: Kyle London
  • Nico Laska

    Der Singer-Songwriter Musik mit Herz war in der sechsten Staffel von The Voice of Germany im Team von Yvonne Catterfeld. 

    Foto: Kyle London
  • Das Ding ausm Sumpf

    Alleinunterhalter Franz Brenninger überzeugte mit seiner Hip-Hop-Performance bereits beim "Nah am Wasser"-Festival.

    Foto: Kyle London
  • 13 Crowes

    Das Duo aus Schottland um Sänger Camm Black tritt beim "Warm Up" auf.

    Foto: Kyle London
  • Press Club

    Eine der aufstrebenden Bands Australiens, die allerdings noch nie in Europa war. Befreundet sind sie mit The Smith Street Band und den The Bennies. Ihr herzerfrischender Punk-Rock zwischen The Thermals, Beach Slang, The Hard Aches und Camp Cope passt perfekt in das Line-up.

    Foto: Kyle London
  • Shoreline

    Shoreline waren auf Tour mit Great Collapse, Hot Water Music und Adam Angst. Waren auf Festivals in ganz Deutschland und haben sogar eine UK-Tour hingelegt. 2019 sollen neue Songs erscheinen.

    Foto: Kyle London
  • PKEW PKEW PKEW

    Hymnische Punk-Rock-Singalongs für alle Freunde von Red City Radio, Rvivr und Co.

    Foto: Kyle London
  • Spanish Love Songs

    Die Kalifornier haben bereits einen fulminanten Auftritt beim "Uncle M Fest" hingelegt. Jetzt bekommen sie einen späteren Slot und damit mehr Spielzeit.

    Foto: Kyle London
  • Trade Wind

    Das wunderbar athmosphärische Nebenprojekt von Jesse von Stick To Your Guns und Tom von Stray From The Path schlägt ruhigere Töne an als ihre Hauptbands, aber steht diesen qualitativ in nichts nach. Steht im Plattenschrank neben Thrice, Balance & Composure und Artverwandten Indie-Posthardcore-Sahnestücken. Live selten bis nie in Europa.

    Foto: Kyle London
  • Dave Hause & The Mermaid

    Dave Hause kommt erstmals mit Backingband nach Münster. Das Skaters Palace kennt er von Soloauftritten aber auch von seinem Mitwirken auf der legendären Revival Tour an der Seite von Chuck Ragan und Brian Fallon. 

    Foto: Kyle London

Alex: So ganz hat Uncle M ja nicht die Segel gestrichen – um im Bilde zu bleiben – und Münster hinter sich gelassen. Ich bin weiterhin der Stadt treu ergeben und arbeite vor Ort. Aber selbst wenn sich das mal ändern sollte und alle Mitarbeiter quer in der Republik verteilt leben sollten, bin ich mir sicher, dass Münster immer eine Art Homebase für uns bleiben wird. Hier hat ja irgendwie alles angefangen.

Ist es egal, von welchem Ort ein Plattenlabel geführt wird?

Mirko: Tatsächlich fällt es mir viel einfacher als gedacht, Uncle M aus der nordfriesischen Einöde heraus zu leiten. 75 Prozent der Kommunikation verliefen auch vorher bereits über das Internet oder das Telefon: Unsere wichtigsten Ansprechpartner wohnen in Berlin, Los Angeles, London oder Melbourne. Der gesamte Medienbereich durchlebt seit Jahren einen gewaltigen Wandel. Ich finde es durchaus förderlich, dass uns die neue Firmen-Struktur dazu zwingt, interne Abläufe noch kompromissloser zu digitalisieren und damit zu beschleunigen.

Alex: Also klar, die klassische Büro-Atmosphäre gibt es in der Form zwar nicht mehr, aber dezentrales Arbeiten ist im 21. Jahrhundert auch wirklich kein Fremdwort mehr.

Und welche Änderungen gibt es zum letzten "Uncle M Fest"?

Mirko: Wir verlassen uns hier auf die bewährte Mischung. Das "Uncle M Fest" ist seit Jahren eine Art „Klassentreffen“ der regionalen Punk- und Rock-Szene und genau das möchten wir beibehalten: Singalong-Pits vorne, Plauder-Ecken hinten. Drumherum bieten wir Initiativen aus der Umgebung eine Plattform, sich mit unserem Publikum zu vernetzen und Interessierten diverse Möglichkeiten der Interaktion zu bieten. Gerade sprechen wir viel mit der Caritas und anderen Trägern über die Umsetzung von Spendenaktionen.

Auf welchen Auftritt freut Ihr euch am meisten?

Mirko: Auf das Wiedersehen mit den Local Heroes Shoreline und auf Spanish Love Songs, die bereits im vergangenen Jahr der Überraschungssieger der Herzen waren und seitdem wahnsinnig viele neue Fans gewonnen haben. Letztere haben eine so rasante Entwicklung genommen, auf die wir als ihr Label wahnsinnig stolz sind.

Alex: Ich bin total gespannt auf Aussies Press Club. Deren Album „Late Teens“ und der ansteckende Gesang von Natalie Foster ist bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. Außerdem mit großer Spannung von mir erwartet: Trade Wind. Das Nebenprojekt von Jesse Barnett und Tom Williams, die sich sonst bei Stick To Your Guns und Stray From The Path dem brachialen Hardcore widmen, leben hier ihre deutlich ruhige Seite aus. Zerbrechlich schöner Indie-Rock mit einem unverwechselbaren Gesagt, etwas Bon Iver hier, ein wenig Thrice da. Das wird groß!

Welches Ziel verfolgt das "Uncle M Fest" und welche Ziele hat das Label für die Zukunft?

Mirko: Unser Ziel ist, auch 2020 und in den Jahren danach weitermachen zu dürfen mit dem, was wir tun. Den Wandel im Medienbereich hatte ich ja bereits thematisiert, und wir selbst sind auch Teil davon. Geschäftsmodelle, die 2015 noch lukrativ waren, werden immer unwichtiger und gerade kleinere Labels müssen viele Kompromisse eingehen. Wir sind froh, davon nicht allzu sehr betroffen zu sein. Ich empfinde es als großes Geschenk, jeden Morgen aufzuwachen, mit meiner Hündin am Deich spazieren zu gehen und danach im Büro mit meinem Hobby und meinen besten Freunden meinen Lebensunterhalt zu verdienen und einmal im Jahr ein Festival in Münster zuveranstalten. Da braucht sich nichts zu ändern, das darf ruhig so bleiben!

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6529214?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker