Stiftung besteht seit zehn Jahren
Mitmachkinder haben viel zu bieten

Münster -

Vor zehn Jahren wurde die Stiftung „Mitmachkinder“ ins Leben gerufen, um Kindern aus einkommensschwachen Familien mehr soziale Teilhabe zu ermöglichen. Ihre Arbeit ist nötiger denn je.

Mittwoch, 10.04.2019, 12:00 Uhr
Zehn Jahre Mitmachkinder: für (v.l.) Petra Woldt (Kommunale Stiftungen), Stadtdirektor a.D. Horst Freye, Martina Kreimann (Kommunale Stiftungen) und Sozialdezernentin Cornelia Wilkens ein Grund zur Freude.
Zehn Jahre Mitmachkinder sind für (v.l.) Petra Woldt (Kommunale Stiftungen), Stadtdirektor a.D. Horst Freye, Martina Kreimann (Kommunale Stiftungen) und Sozialdezernentin Cornelia Wilkens ein Grund zur Freude. Foto: Oliver Werner

„Schätzen Sie mal: Wie viele Kinder sind in Münster von Armut betroffen?“ Mit dieser Frage bringt Horst Freye seine Gesprächspartner regelmäßig zum Nachdenken. Die meisten antworten lieber nichts; aus Angst, völlig daneben zu liegen, berichtet Freye. Die Sorge ist nicht unbegründet, die Zahl ist höher als erwartet: Etwa 10. 000 Kinder in Münster leben in einem Umfeld, das ihnen nicht viel bieten kann. Genau deshalb gibt es die „Mitmachkinder“, für die Horst Freye als Geldauftreiber tätig ist.

Die „Mitmachkinder“ sind eine Stiftung, die vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde. Es war ihr erklärtes Ziel, eine Förderungs-Lücke zu schließen. Denn viele der betroffenen Kinder und Jugendlichen kommen nicht etwa aus Familien, die Sozialleistungen beziehen – sondern ihre Eltern haben ein so geringes Einkommen, dass Extras wie Musikunterricht oder ein Beitrag für den Sportverein einfach nicht drin sind.

„Das Ziel ist Persönlichkeitsentwicklung.“

Denen kann die Stiftung helfen. Und zwar auf Antrag von Schule oder Kita, passgenau auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt. Erstmal gibt es einen Zuschuss für ein halbes Jahr. Wenn die Kinder mit Begeisterung bei der Sache sind, kann es weitergehen. Zwei Drittel der Geförderten bleiben am Ball.

„Es geht nicht um Begabtenförderung“, sagt Petra Woldt, die Leiterin der Geschäftsstelle der Kommunalen Stiftungen. „Das Ziel ist Persönlichkeitsentwicklung.“ Der Junge, der durch Gitarrenunterricht Selbstvertrauen gewinnt und Pünktlichkeit lernt; das Mädchen, das durch Vereinsfußball teamfähig wird und sich motivieren lässt – darum geht es. Musik und Sport sind deshalb immer noch die Klassiker.

„Wir spüren, dass die Antragszahlen steigen“, sagt Stadträtin Cornelia Wilkens. 2009 waren es gerade einmal sieben Anträge, 2018 schon 450; und 2019 wird die 500er-Marke mit Sicherheit geknackt. Warum? „Es hat sich herumgesprochen“, meint die Sozialdezernentin. Und: „Der Einkommensdruck auf die Familien steigt. Nicht zuletzt wegen der hohen Mieten.“

Hier kommt Horst Freye ins Spiel. Der frühere Stadtdirektor hat gute Kontakte zu münsterischen Unternehmen und sorgt seit fünf Jahren ehrenamtlich dafür, dass die Spenden fließen. Derzeit werden 320 .000 Euro jährlich benötigt. Münsters Unternehmen seien ohnehin sehr stark engagiert und außerordentlich erfindungsreich: Manche verzichten zugunsten der Mitmachkinder auf Weihnachtsgeschenke, andere stellen eine Kaffeekasse auf oder veranstalten eine Tombola.

Jede Spende ist willkommen – aber geradezu verzweifelt werden Spender gesucht, die sich langfristig engagieren wollen. Horst Freye (E-Mail: stiftungen@stadt-muenster.de) versichert, dass jeder gespendete Euro den Kindern zugute kommt.

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