Gegenläufige Plädoyers im Prozess gegen Müllsammler
Angeklagter ist „ein Systemsprenger“

Münster -

Staatsanwalt und Verteidigung liegen in ihren Plädoyers im Prozess gegen den notorisch müllsammelnden Mann aus Kinderhaus denkbar weit auseinander. Während der Staatsanwalt die unbefristete Zwangsunterbringung des Mannes in einer forensischen Klinik fordert, plädierte dessen Anwältin für eine milde Geldstrafe.

Donnerstag, 18.04.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 18:58 Uhr
 
 Im Prozess gegen den Müllsammler wurden die Plädoyers vorgetragen. Foto: dpa

Dass Staatsanwaltschaft und Verteidigung in ihren Plädoyers vor Gericht auseinanderliegen, ist nichts Besonderes. Im Fall des Mannes aus Kinderhaus, der seine Nachbarn durch seine Müllsammelleidenschaft, durch Beleidigungen und Bedrohungen über Jahre drangsaliert hat, kommt auf die Neunte Strafkammer des Landgerichts die Herausforderung zu, in diesem schwierigen Fall ein gerechtes und lösungsorientiertes Urteil zu finden.

Der Staatsanwalt forderte am Donnerstag nach der detaillierten Beweisaufnahme die unbefristete Zwangsunterbringung in einer forensischen Klinik. Die Strafe bezeichnete der Staatsanwalt selbst als „das schärfste Schwert, das das Strafrecht zur Verfügung hat“. Die Verteidigerin bat das Gericht um eine milde Geldstrafe wegen einiger Beleidigungen und Bedrohungen.

Angeklagter vermindert schuldfähig

Beide setzten sich bei ihren Forderungen mit dem psychiatrischen Gutachten auseinander, das genauso wie schon beim vorangegangenen Prozess am Amtsgericht ausfiel. Danach leide der Angeklagte an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung, sei unfähig, seine Wutausbrüche zu kontrollieren – und deshalb vermindert schuldfähig. Nach Auffassung des Gutachters ist der Mann eine Gefahr für die Allgemeinheit.

Dessen Anwältin äußerte Zweifel an der Methodik des Gutachtens. Sie legte dar, dass sie ihren Mandaten für fähig hält, seine Handlungen zu steuern. Dafür spreche auch, dass er niemals seine Drohungen in die Tat umgesetzt habe. Deshalb sei er auch schuldfähig, die nach dem Prozess erwiesenen Straftaten rechtfertigen für die Verteidigerin aber keine Freiheitsstrafe.

Therapien vom Angeklagten abgelehnt

Allerdings sieht auch sie das Problem, das von dem Angeklagten ausgeht: „Er ist ein Systemsprenger, unfähig, sich gesellschaftlichen Normen anzupassen“, formulierte sie. Der Angeklagte eckte zeitlebens damit an, Pfandflaschen und anderen ihm wertvoll erscheinenden Abfall in großen Mengen zu sammeln – im dortigen Garten, seitdem er Erbe seines Elternhauses in Kinderhaus ist.

Der Staatsanwalt zeigte sich sicher, dass sich der eskalierte Streit mit den Nachbarn bei einer Rückkehr des für die Dauer des Verfahrens in der forensischen Klinik in Eickelborn untergebrachten Angeklagten in sein Haus in verschärfter Form fortsetzen werde. Im Laufe des Prozesses zur Sprache gebrachte Vorschläge, die Immobilie zu veräußern und woanders ansässig zu werden, hatte der Mann laut Gericht abgelehnt. Übrigens ebenso wie medizinische Therapien, die zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung führen könnten.

Urteil am 9. Mai erwartet

Der Staatsanwalt sieht in der Zwangsunterbringung mit Therapie – ähnlich wie der psychiatrische Gutachter – die einzige Chance dafür, dass der Angeklagte in einigen Jahren ein normales Leben führen könne.

Das, so der Richter, „gravierende“ Urteil soll nun am 9. Mai gesprochen werden. Er kündigte an, die Kammer werde sich „viel Zeit zum Nachdenken“ nehmen.

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