Serie: Europa lebt in Münster
Geprägt von geteilten Staaten

Münster -

Am 26. Mai wird das Europa-Parlament gewählt. Wir stellen in einer Serie bis zum Wahltermin täglich Münsteraner aus den EU-Ländern vor. Durch sie lebt Europa in Münster. Im dritten Teil erzählt der Zyprer Joseph Vrahimis seine spannende Europa-Geschichte über ein Leben in zwei geteilten Nationen.

Freitag, 26.04.2019, 09:00 Uhr
Joseph Vrahimis kommt aus Zypern – hier ist er in seiner Wohnung mit einer Statue des griechischen Götterboten Hermes.
Joseph Vrahimis kommt aus Zypern – hier ist er in seiner Wohnung mit einer Statue des griechischen Götterboten Hermes. Foto: Oliver Werner

Das Leben von Joseph Vrahimis ist geprägt von Verwerfungen, die das Leben in geteilten Nationen mit sich bringt. „Ein besonders guter Grund, froh über ein vereintes Europa zu sein – dies nimmt der 77 Jahre alte Arzt gleich vorweg. Joseph Vrahimis kommt aus Zypern, er hat einen zypriotischen und einen deutschen Pass.

Als junger Mann kam Vrahimis 1966 durch ein Stipendienprogramm zum Medizinstudium nach Deutschland – genauer nach Leipzig, seinerzeit in der DDR. Seine Heimat Zypern, die Insel im östlichen Mittelmeer, war damals noch ein einiges Land, Vrahimis Eltern betrieben einen Bauernhof im Nordteil der Insel.

In Leipzig verliebt

Joseph Vrahimis verliebte sich in Leipzig in eine einheimische junge Frau – und als er noch in der DDR an seiner Doktorarbeit schrieb, marschierte die Türkei in den Nordteil Zyperns ein. Josef Vrahimis war damit in zwei geteilten Ländern zu Hause. Seine Eltern gaben damals ihr Land im türkisch besetzten Teil auf und flohen in den Westteil der Insel, lebten später in Nikosia.

Auch Joseph Vrahimis zog 1977 in den Westen – in die Bundesrepublik. „Als Ausländer in der DDR durfte ich ja reisen“, erzählt der Diabetologe, der auch jenseits des Rentenalters weiter in einer Arztpraxis arbeitet.

Nach vier Jahren aus DDR ausgereist

Auch seine Frau durfte nach vier Jahren schließlich aus der DDR ausreisen. Nach einer Anstellung in Bad Oeynhausen, arbeitete Dr. Josef Vrahimis am Franziskus-Hospital in Münster, später in anderen Krankenhäusern außerhalb Münsters. „Wir haben aber immer hier gewohnt“, sagt Vrahimis. Seine Frau betrieb später gemeinsam mit dem gemeinsamen Sohn das lange Jahre gegenüber dem Gericht ansässige Restaurant „Zorbas“.

Mindestens zwei Mal im Jahr ist Vrahimis in Zypern bei seinen Geschwistern und deren Kindern. Drei seiner Neffen haben in Münster Medizin studiert und arbeiten jetzt wieder auf dem Inselstaat. Die Vrahimis sind eine europäische Familie – und die EU ist mit Blick auf die zypriotische Heimat für Joseph Vrahimis Gold wert: „Die Mitgliedschaft schützt uns vor weiteren Übergriffen durch die Türkei.“

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