Bahnhofsmission
Hilfe am Ende des Bahnsteigs

Münster -

In dem kleinen Häuschen der Bahnhofsmission auf dem Bahnsteig von Gleis 9/12 des Hauptbahnhofs wird Menschen geholfen. Reisenden – und anderen.

Montag, 29.04.2019, 12:00 Uhr
Die Leiterin der Bahnhofsmission, Christine Kockmann (l.), und Kolleginnen plauderte am Samstag mit Besuchern.
Die Leiterin der Bahnhofsmission, Christine Kockmann (l.), und Kolleginnen plauderte am Samstag mit Besuchern. Foto: klm

Sie bringen einen Reisenden mit Gehhilfe vom Bus zum Zug oder helfen dem Kind, das seine Reisegruppe aus den Augen verloren hat und jetzt alleine am Gleis steht. Doch das ist nicht alles: Die Bahnhofsmission ist – größtenteils sogar – für Leute im Einsatz, die nicht bloß am Bahnhof, sondern in gewisser Weise im Leben den Anschluss für eine Weile verloren haben. Mit einer Mahlzeit, indem sie zuhören oder einen Schlafplatz vermitteln.

„75 bis 80 Prozent der Leute, die wir als Gäste zu uns einladen, sind Menschen, die häufig in sozialen Schwierigkeiten sind – zum Beispiel sind sie wohnungslos oder sie haben Abhängigkeits- oder andere psychische Erkrankungen“, sagt Christine Kockmann, hauptberufliche Leiterin der Mission im Hauptbahnhof.

Am Ende des Bahnsteigs

Am bundesweiten „Tag der Bahnhofsmission“ beteiligte sich am Samstag auch die örtliche Einrichtung, die von Diakonie und Caritas getragen und von der Stadt finanziell unterstützt wird. Etliche der fast 70 ehrenamtlichen Mitarbeiter (zwischen 17 und 84 Jahren) kamen in das kleine Gebäude am Ende des Bahnsteigs von Gleis 9 und 11/12.

„Seitdem der Bahnhof umgebaut ist, haben wir sogar weniger Kontakt zu Reisenden“, erzählt Kockmann im Aufenthaltsraum, wo bedürftige Besucher und Ehrenamtliche in ihren blauen Kitteln bei belegten Brötchen und Kaffee plaudern. Ab und zu donnert ein Personenzug auf Gleis 9 nah am Fenster vorbei. Durch die neuen Aufzüge anstelle der alten Lastenaufzüge, so Kockmann, kämen mehr Reisende mit Hilfebedarf selbstständig zurecht.

Über zehn Jahre obdachlos

Besucher Achim, der seinen Nachnamen nicht nennt, kommt häufiger her: „Ich bin arbeitslos. Hier gibt es Essen, nette Leute und man kann quatschen“, sagt der 58-Jährige. „Zwei bis drei Mal pro Monat“ fahre er vom Betreuten Wohnen im Süden der Stadt her. „Das hat mit Geld zu tun. Am 1. des Monats bin ich nicht hier, am Ende des Monats schon eher.“ Über zehn Jahre lang sei er obdachlos gewesen. Manchen Mitarbeiter kenne er noch aus früheren Zeiten.

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