Interview
„Pulse of Europe“ macht mobil: Europa fühlen

Münster -

Drei Wochen vor der Europawahl macht die Bewegung „Pulse of Europe“ in Münster wieder mobil. Am Montag hat sie zu einer Kundgebung auf dem Domplatz aufgerufen. Christian Lüer von „Pulse of Europe Münster“ erklärt die Gründe.

Sonntag, 05.05.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 05.05.2019, 12:53 Uhr
Christian Lüer ist einer der Aktiven bei „Pulse of Europe“ – und wirbt für die europäische Idee. Am Sonntag soll um 14 Uhr nach längerer Zeit wieder eine Kundgebung auf dem Domplatz stattfinden
Christian Lüer ist einer der Aktiven bei „Pulse of Europe“ – und wirbt für die europäische Idee. Am Sonntag soll um 14 Uhr nach längerer Zeit wieder eine Kundgebung auf dem Domplatz stattfinden Foto: Oliver Werner

Vor zwei Jahren entstand die Bewegung „Pulse of Europe“: Wie aus dem Nichts versammelten sich jeden Sonntag mitunter über 1000 Menschen in den Städten, um ihre proeuropäische Haltung zu demonstrieren – auch in Münster. Nun ruft die münsterische Gruppe von „Pulse of Europe“ am kommenden Sonntag (5. Mai, 14 Uhr, Domplatz) wieder zu einer Kundgebung mit Blick auf die Europawahl auf. Christian Lüer von „Pulse of Europe Münster“ erzählt im Gespräch mit unserer Redakteurin Karin Völker, wie es um die Europa-Aktionen der Gruppe steht.

Es scheint, als sei es etwas still geworden um „Pulse of Europe“. Täuscht der Eindruck?

Christian Lüer: Vor zwei Jahren sind wir im Wesentlichen mit den Kundgebungen an die Öffentlichkeit getreten – jetzt sind wir breiter aktiv. Zum Beispiel haben wir kürzlich im Cinema den Film „Democracy – im Rausch der Daten“ gezeigt und diskutiert. Im Haus der Niederlande gab es eine Ausstellung zum Thema „Zeich(n)en für Europa“. Wir bespielen auch die Social-Media-Kanäle.

Hat sich das Format Europa-Kundgebung überlebt?

Lüer: Natürlich nicht. Deshalb laden wir am Sonntag ja wieder zu einer Kundgebung ein. Wir bekommen viele Nachrichten von Menschen, die nur darauf warten und sich erkundigen, wann wir das nächste Mal auf die Straße gehen. Aber wir sind auch der Meinung, dass die Kundgebungen allein nicht reichen. Auf den Marktplätzen beteiligen sich die Menschen, die ohnehin proeuropäisch eingestellt sind. Wir wollen aber ganz verschiedene Bevölkerungsgruppen erreichen und auch die weniger europabegeisterten Menschen überzeugen.

Wo treffen Sie diese Menschen?

Lüer: Im Moment vor der Europawahl natürlich bei öffentlichen Diskussionsveranstaltungen. Dort können wir den Austausch auch mit weniger überzeugten Personen suchen und versuchen, diese zu überzeugen.

Wofür steht „Pulse of Europe“?

Lüer: Wir stehen für das Bewusstsein, dass die europäische Idee jenseits von Politik und Wirtschaft Menschen miteinander verbindet. Dafür lohnt es sich einzustehen. Wir haben uns vor zwei Jahren vor dem Hintergrund des Brexit, der Wahl von Donald Trump und des allgemeinen Aufstiegs der Populisten zusammengetan. Das Problem des Rechtspopulismus in Europa ist weiter sehr virulent. Wir stehen auch dafür, dass man für eine Sache sein kann, was heutzutage zu selten vorkommt.

Und wer steht für „Pulse of Europe“ in Münster?

Lüer: Im Moment sind wir rund 15 Aktive, die sich in gewissen Abständen treffen, um Aktionen zu planen. Es gibt bei uns keine Ämter, wir teilen uns die Arbeit auf. Nur wenige von uns sind auch in Parteien aktiv. Aber wir gehen offen mit den Parteien um. Am Sonntag wird beispielsweise der ehemalige Generalsekretär der CDU, Ruprecht Polenz, sprechen.

Gibt es noch weitere Programmpunkte?

Lüer: Wir planen, das „offene Mikrofon“, wo jeder und jede eingeladen ist, sich zu äußern, mit einer Mitmachaktion zu verbinden. Die Teilnehmer sollen mit kleinen Steckfähnchen auf einem großen Stadtplan markieren, wo ihnen Europa in Münster begegnet. Das kann der polnische Nachbar sein, der niederländische Käsestand auf dem Markt oder der Lieblingsitaliener um die Ecke. Es ist uns wichtig, die emotionale Seite von Europa zu betonen und aufzuzeigen, was ohne den europäischen Integrationsprozess gar nicht möglich wäre. Mit Verordnungen und Richtlinien erreicht die EU die Herzen der Menschen nicht, auch wenn sie ihre Berechtigung haben. Der Wert der europäischen Idee und des Zusammenhalts muss aber vor Ort erlebbar werden.

Welche Ideen gibt es dazu?

Lüer: Kultur ist ein guter Vermittler. Gleich am nächsten Montag, am 6. Mai, haben wir ab 20 Uhr im Sputnik-Café einen Poetry-Slam organisiert. In den Texten wird es natürlich um Europa gehen. In Kooperation unter anderem mit der Universität organisieren wir zudem gerade einen Wissenschaftswettbewerb zum Thema Europa. Es geht darum, zu zeigen, dass Europa auf vielen Ebenen eine Rolle spielt.

Gibt es bei „Pulse of Europe“ nie grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten – weltanschauliche Gegensätze, die die Arbeit schwer machen?

Lüer: Wir vertreten tatsächlich ein breites Meinungsspektrum – wir sind in der Sache aber vereint. Wir wollen eine Plattform für alle bieten, die sich für die europäische Idee interessieren und engagieren wollen.

Aber auch rechtspopulistische Parteien postulieren nicht den Austritt aus der Union. Auch die AfD wirbt mit Vorstellungen zur EU.

Lüer: Moment – der „Dexit“ wird im Wahlprogramm der AfD ausdrücklich als Option genannt. Wohin dieses populistische Zündeln führt, haben wir in den letzten Wochen jeden Tag bei den Brexit-Verhandlungen gesehen. Zudem will die AfD das Europäische Parlament abschaffen. Eine Abwicklung der EU – das ist nicht die Idee, für die wir uns einsetzen. Der Rückzug in den Nationalstaat kann nicht die Antwort auf die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft sein.

Geht es mit „Pulse of Europe“ weiter, wenn die Europa-Wahl vorbei ist?

Lüer: Davon gehe ich aus. Wir sind natürlich im Moment auf die Europawahl fokussiert. Aber die Herausforderungen werden auch darüber hinaus bestehen. Wir freuen uns daher immer über neue Gesichter, kreative Köpfe und fleißige Hände.

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Die Gruppe Pulse of Europe Münster ist per Mail erreichbar unter muenster@pulseofeurope.eu.

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