Politologen der Uni Münster entwickeln Online-Wahlhilfe
Per Kompass Richtung Wahlurne

Münster -

Die Europawahl steht kurz bevor und viele der Wahlberechtigten entscheiden sich erst kurz vor dem Urnengang, wo sie ihr Kreuz machen. Politologen der Uni Münster haben eine Online-Wahlhilfe entwickelt, die sich von anderen in wesentlichen Punkten unterscheidet.

Freitag, 10.05.2019, 08:30 Uhr
Prof. Dr. Norbert Kersting (l.) und Jan Philipp Thomeczek haben den „Wahlkompass Europa“ entwickelt. Die Online-Wahlhilfe kommt nicht nur hierzulande zum Einsatz, sondern auch in Ungarn, Italien, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden.
Prof. Dr. Norbert Kersting (l.) und Jan Philipp Thomeczek haben den „Wahlkompass Europa“ entwickelt. Die Online-Wahlhilfe kommt nicht nur hierzulande zum Einsatz, sondern auch in Ungarn, Italien, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden. Foto: Pjer Biederstädt

Rund 400 Millionen wahlberechtigte Bürger sind vom 23. bis 26. Mai in den 27 EU-Mitgliedsländern aufgerufen, die Abgeordneten des Europäischen Parlaments zu wählen. Aber welcher Partei soll man die Stimme geben? Politologen der Uni Münster haben mit dem Wahlkompass Europa eine Entscheidungshilfe entwickelt.

Auf den ersten Blick gibt es kaum Unterschiede zwischen dem Wahlkompass und dem Wahl-O-Mat, der von der Bundeszentrale für politische Bildung angeboten wird. Die Nutzer beziehen Position zu etwa 30 Thesen, die Antworten werden mit den Parteipositionen abgeglichen, das Ergebnis zeigt, mit welcher Partei es am meisten Überschneidungen gibt.

Mehr Graustufen

Auf den zweiten Blick werden die Unterschiede deutlich. Die Entwickler Prof. Dr. Norbert Kersting und Jan Philipp Thomeczek, die im Kompetenzzentrum Urbane, Regionale Innovation und Internet (URII) am WWU-Institut für Politik mit einem internationalen Team zum Thema Digitalisierung und Politik forschen, arbeiten mit einer fünfstufigen Skala von Zustimmungsgraden, „um differenziertere Ergebnisse zu bekommen“, wie Thomeczek betont.

Online-Wahlhilfe

Außerdem weicht die Darstellung der Ergebnisse von der des Wahl-O-Mat ab. Dieser zeigt eine prozentuale Übereinstimmung mit den Parteien an, der Wahlkompass vergleicht die Positionen des Nutzers mit denen der Parteien und verortet das Ergebnis in einem zweiachsigen Koordinatensystem.

Strategische Positionierung verhindern

Wie die Parteien zu den Thesen stehen, wird anhand von öffentlich verfügbaren Nachweisen, also aus Wahlprogrammen, Parteiwebsites oder Aussagen von Spitzenkandidaten, und nicht wie beim Wahl-O-Mat auf Anfrage bei den Parteien, abgeklopft. „Mit dieser redaktionellen Kontrolle verhindern wir, dass sich die Parteien strategisch positionieren“, erklärt Thomeczek.

Wahl-O-Mat Alternativen

1/10
  • Der Wahl-O-Mat ist der Klassiker unter den Wahl-Helfern. Seit 2002 wurde er schon über 50 Millionen mal benutzt. Fast alle Parteien sind vertreten.

    Foto: dpa
  • Der Wahl-Swiper erinnert stark an die Dating App Tinder. Die Nutzer können durch wischen nach rechts oder links den politischen und gesellschaftlichen Aussagen zustimmen oder sie ablehnen.

    Foto: Wahl-Swiper - Screenshot
  • Der Bundeswahlkompass ähnelt stark dem Wahl-O-Mat. Allerdings gibt es als Ergebnis keinen Prozentwert, sondern eine Einordnung in die politische Landkarte.

    Foto: Bundeswahlkompass - Screenshot
  • Anders als beim Wahl-O-Maten, gibt es beim Wahl-Navi fünf Antwortmöglichkeiten. Außerdem erhalten die Nutzer eine Einordnung der Parteien in die politische Landschaft.

    Foto: Wahl-Navi - Screenshot
  • Der Kandidaten-Check hat die lokalen Bundestagskandidaten dazu aufgefordert, zu 22 Fragen Stellung zu beziehen. Viele Kandidaten aus dem Münsterland sind auch dabei.

    Foto: Kandidaten-Check - Screenshot
  • Der Steuer-O-Mat kann errechnen, von welcher Partei der Nutzer steuerlich am meisten profitiert. Nötig sind dafür Angaben zum Familienstand, der Anzahl an Kindern und dem Bruttojahreseinkommen.

    Foto: Steuer-O-Mat - Screenshot
  • Der Sozial-O-Mat der Diakonie umfasst die Themen Familie, Flucht, Pflege im Alter und Armut. Daneben hat die Diakonie ein Positionspapier zur Bundestagswahl verfasst.

    Foto: Sozial-O-Mat - Screenshot
  • Der Agrar-O-Mat eines Landwirtschaftsverlags richtet sich speziell an Landwirte und ökologisch interessierte Leute.

    Foto: Agrar-O-Mat - Screenshot
  • Der Digital-O-Mat richtet sich speziell an Internetnutzer und jene, die an digitalen Themen interessiert sich.

    Foto: Digital-o-Mat - Screenshot
  • Der Musik-O-Mat des Musikstreamingdienstes Deezer verrät, welche musikalischen Übereinstimmungen es zwischen den Nutzern und den Parteien gibt.

    Foto: dpa

Die Unterstützung bei der Wahlentscheidung ist jedoch nur eine Seite des Online-Tools. Für die Wissenschaftler ist vor allem die Datenauswertung interessant, denn die ist im Gegensatz zum Wahl-O-Mat – Zustimmung der Nutzer vorausgesetzt – möglich. „Um aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen, muss man gute Fragen stellen“, sagt Kersting.

Den Wert der Daten hat auch Prof. Dr. André Krouwel erkannt. Als Mitglied des Forscherverbunds gründete er 2007 an der Freien Universität Amsterdam die Firma Kieskompas (niederländisch für Wahlkompass), mit dessen Unterstützung der Wahlkompass entwickelt wurde. Der soll 2020 auch bei der Kommunalwahl zum Einsatz kommen.


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