Jubiläumsfeier im Schloss
100 Jahre Kommunikationswissenschaft an der Universität

Münster -

Noch vor einigen Jahrzehnten hatte die Publizistik den Ruf eines Orchideenfachs. Das hat sich seit Beginn der Digitalisierung gründlich geändert. Das „Institut für Kommunikationswissenschaft“ (ifk) feierte jetzt das 100-jährige Bestehen des Fachs an der Universität Münster.

Montag, 13.05.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 13.05.2019, 14:56 Uhr
Festveranstaltung mit prominenten Akteuren der Kommunikationswissenschaft (v.l.): Prof. Dr. Eva Baumann, Prof. Dr. Wiebke Loosen, Prof. Dr. Siegfried Schmidt, Prof. Dr. Siegfried Weischenberg, Dr. Marianne Ravenstein, Prof. Dr. Bernd Blöbaum, Prof. Dr. Winfried Schulz.
Festveranstaltung mit prominenten Akteuren der Kommunikationswissenschaft (v.l.): Prof. Dr. Eva Baumann, Prof. Dr. Wiebke Loosen, Prof. Dr. Siegfried Schmidt, Prof. Dr. Siegfried Weischenberg, Dr. Marianne Ravenstein, Prof. Dr. Bernd Blöbaum, Prof. Dr. Winfried Schulz. Foto: Hubertus Kost

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Kommunikation beginnt in Münster mit der Einrichtung eines „Lektorats für Zeitungskunde“ im Jahr 1919. Damit ist der Grundstein für eine Einrichtung gelegt, die sich national und international in Forschung und Lehre Ansehen auf einem Gebiet verschafft hat, das weit über Zeitung und Publizistik hinausgeht.

Nach außen deutlich wird die thematische Erweiterung durch verschiedene Umbenennungen (darunter „Institut für Zeitungswissenschaft“ und „Institut für Publizistik“). Der Name seit 1998: „Institut für Kommunikationswissenschaft“ (ifk) der Universität Münster mit den Abteilungen Medienwissenschaft und Publizistik. Am Wochenende wurde das 100-jährige Bestehen in der Aula des Schlosses gefeiert.

Das Institut sei ein Beispiel dafür, dass die Universität über ihren Bereich hinaus Verantwortung wahrnehme, betonte Uni-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels in seiner Begrüßung. Viele Kolleginnen und Kollegen seien in die Stadtgesellschaft eingebunden und trügen dazu bei, Gesellschaft im unmittelbaren Umfeld zu gestalten.

Die Kommunikationswissenschaft hatte nicht vom Start weg die heutige Bedeutung, denn: „Praxisnähe wurde dem Fach lange Zeit abgesprochen,“ erläuterte Prof. Dr. Siegfried Weischenberg, der das Institut von 1994 bis 1997 leitete, in seinem Festvortrag. Der Journalist und Wissenschaftler sieht eine Hochkonjunktur für die Kommunikationswissenschaften in einer digitalen Zukunft.

Die Bedeutung der Medien im digitalen Zeitalter skizziert ifk-Direktor Prof. Dr. Volker Gehrau in einem Statement zum Jubiläum: „Galten Medien lange als Kitt der Gesellschaft, wird diese Leistung heute zunehmend in Frage gestellt. Neue Formen der Vergemeinschaftung in sozialen Medien und personalisierte Algorithmen können ausgrenzen, aber auch integrativ wirken. So schaffen digitale Medien Risiken, aber auch Chancen, Ungleichheiten offenzulegen, Partizipation zu fördern und soziale, politische und ökonomische Prozesse gemeinschaftlich zu gestalten.“

Das Interesse junger Menschen an Kommunikationswissenschaft zeigt sich deutlich in der Nachfrage nach einem Studienplatz. Für durchschnittlich etwa 3000 Bewerber gibt es 120 Plätze im Bachelor-Studium. Für die Absolventen sieht Prof. Dr. Bernd Blöbaum , gute Berufsaussichten, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betont. Ein Bereich sei die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die in vielen Unternehmen und öffentlichen Institutionen ausgebaut werde. Dafür seien qualifizierte Nachwuchskräfte gefragt.

3 Fragen an

Prof. Dr. Bernd Blöbaum, stellvertretender Geschäftsführender Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster.Welchen Medien kann man angesichts der Zunahme von Falschnachrichten – den Fake News – noch vertrauen?Blöbaum: Man kann allen Medien vertrauen, die von professionellen Journalisten gemacht werden und bei denen Qualitäts- und Faktenkontrolle betrieben wird.Wird die lokale Berichterstattung – etwa in der örtlichen Tageszeitung – ihre Bedeutung behalten?Blöbaum: Die lokale und auch die regionale Berichterstattung werden nicht an Bedeutung verlieren. In einer demokratischen Gesellschaft ist diese Berichterstattung eine wichtige Grundlage dafür, dass sich die Menschen unmittelbar über ihr Umfeld informieren und an Ereignissen partizipieren können.Ein Blick in die Zukunft: Wird es in 50 Jahren noch gedruckte Medien geben?Blöbaum: Die Vertriebswege werden zunehmend digital, in 50 Jahren wird es ganz überwiegend nur digitale Medien geben. Die journalistischen Darstellungsformen, die wir heute kennen, werden aber weiterhin vorhanden sein, zum Beispiel Bericht, Interview, Kommentar, Reportage. 

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