Prozess zu versuchtem Mord
Gutachter: Mutmaßlicher Täter beherrscht und berechnend

Münster -

Seine beiden Opfer seien als überaus aggressiv bekannt, hatte der 36-Jährige aus Coesfeld behauptet. Der Prozess vor dem Landgericht zeichnet jedoch ein anderes Bild: Die Gutachter halten den mutmaßlichen Täter für überaus berechnend.

Montag, 20.05.2019, 18:35 Uhr aktualisiert: 20.05.2019, 18:46 Uhr
 
  Foto: dpa

Nur Minuten bevor am Montag der dritte Verhandlungstag im Landgericht gegen den 36-Jährigen beginnt, blättert der beinahe smart wirkende Angeklagte in den Akten seines Anwalts. Ein kurzes Kopfschütteln ist zu bemerken. Es wird für die restlichen Stunden die einzige Reaktion des Coesfelders bleiben, obwohl die folgenden Zeugenaussagen ihn stark belasten.

Mit unbewegter Miene lauscht er den Aussagen. Nicht nur wegen eines Messerstichs gegen einen Mann nahe des Bremer Platzes, sondern auch wegen einer Attacke, die sich wenige Tage zuvor in Coesfeld ereignet hatte, ist er angeklagt. Er soll im vergangenen September einem Mann in Coesfeld, als der ihn wegen eines Streits um einen Hund zur Rede stellen wollte, wortlos eine Flasche Bier ins Gesicht geschlagen und ihn dann auf die Fahrbahn geschubst haben, auf der sich gerade ein Auto näherte.

Aus einer Art Selbstschutz gehandelt?

Sowohl das Opfer als auch dessen Freundin sind bekennende Alkoholiker und kommen vor Gericht merklich schwer damit klar, ihre Erinnerungen in Worte zu fassen. Ein ähnlich trauriges Bild hatte am ersten Verhandlungstag bereits die Ex-Freundin des Angeklagten abgegeben.

Der wiederum hatte seinerseits zu dem Vorfall in Coesfeld berichtet, er habe aus einer Art Selbstschutz gehandelt. Sein Opfer sei als gewalttätig bekannt. Wer die offenbar körperlich eingeschränkte Gestalt des 51-Jährigen dann sieht, mag das nur schwer glauben, zumal der Angeklagte ähnliches bereits über sein Opfer in Münster behauptet hatte.

Überrascht über Vorwürfe

Das Opfer aus Coesfeld wirkt geradezu überrascht, als es mit diesen Vorwürfen von der Richterin konfrontiert wird. „Jemanden verhauen? Das kann ich doch eh nicht“, äußert er und wirkt dabei beinahe belustigt. Eine Narbe in seinem Gesicht zeugt dabei von dem Angriff auf ihn.

Das letzte Wort haben an diesem Tag die Gutachter. Sie beschreiben den Angeklagten trotz seines jahrelangen Drogenkonsums als voll schuldfähig und bescheinigen ihm eine durchschnittliche Intelligenz gepaart mit überdurchschnittlicher Konzentrationsfähigkeit. Er agiere „ausgesprochen wach“ und überlegt. Ein Urteil wird am 28. Mai erwartet.

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