Deutscher Ärztetag eröffnet
Ärzte-Chef macht seinem Unmut Luft

Münster -

Gesundheitsminister Jens Spahn musste zum Auftakt des 122. Ärztetags in Münster viel Kritik einstecken. Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery mahnte staatliche Eingriffe in das ­Berufsbild an und bemängelte die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens. Spahn reagierte mit einem Angebot.

Dienstag, 28.05.2019, 17:26 Uhr aktualisiert: 28.05.2019, 17:45 Uhr
Für Prof. Frank Ulrich Montgomery ist es der letzte Deutsche Ärztetag an der Spitze der Bundesärztekammer. Er kritisierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für diverse Gesetzesänderungen, die dieser in den letzten Monaten angestrengt hat.
Für Prof. Frank Ulrich Montgomery ist es der letzte Deutsche Ärztetag an der Spitze der Bundesärztekammer. Er kritisierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für diverse Gesetzesänderungen, die dieser in den letzten Monaten angestrengt hat. Foto: Gunnar A. Pier

Ein lautes Knacken, Dunkelheit, Stille: Mitten in der Rede Jens Spahns zur Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages fiel am Dienstagmorgen in der Halle Münsterland der Strom aus. „Kaum redet man von der SPD, geht alles aus“, nahm es der Betroffene mit Humor. Doch nicht nur die Technik ließ den Bundesgesundheitsminister bei seinem „Heimspiel“ in Münster in einem schlechten Licht dastehen. Zuvor machten bereits Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, und Prof. Frank Ulrich Montgomery , Präsident der Bundesärztekammer , ihrem Unmut über Spahns Politik Luft.

Zunehmender staatlicher Einfluss

Montgomery wies zunehmenden staatlichen Einfluss auf die ärztliche Selbstverwaltung und die Therapiefreiheit als nicht hinnehmbar zurück und sprach von „enteignungsgleichen Eingriffen“ bei der Übernahme der „Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte“ durch das Gesundheitsministerium. Außerdem übte er Kritik daran, dass Spahn am Rande ärztlicher Tätigkeit neue Berufe kreiere und durch die „Verlagerung von zentralen Berufsinhalten an die Professionalität des Arztberufes“ herangehe.

Als Beispiel nannte Montgomery die Psychotherapie, die künftig von Absolventen eines Masterstudiums ebenso wie von ausgebildeten Ärzten durchgeführt werden darf. „Psychotherapie ist etwas zutiefst Ärztliches“, betonte er. Einmal in Rage, wetterte der scheidende Präsident der Bundesärztekammer, der sich ab Freitag auf sein Amt als Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes konzentrieren kann, auch gegen den Plan, das Impfen künftig auch Apothekern zu ermöglichen: „Es ist eben nicht nur ein Pieks in den Arm.“ Voruntersuchungen und Nachsorge seien wichtige Bestandteile.

122. Deutscher Ärztetag 2019 in Münster

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  • Zu den Gästen bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages gehörte am 28. Mai 2019 auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

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  • Schauplatz: die Halle Münsterland. Für Pausenprogramm sorgten Fascinating Drums.

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  • Dr. Theodor Windhorst (Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe) begrüßte die Teilnehmer der Tagung.

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  • Karl-Josef Laumann (Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen) bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Auch das kann passieren: Just als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die SPD erwähnte, fiel in der Halle Münsterland der Strom aus und eine Notbeleuchtung schaltete sich ein. Nach wenigen Minuten waren Licht und Ton wieder da.

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  • Das Solistenensemble westfälisch-lippisches Ärzteorchester bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn musste sich viel Kritik anhören.

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  • Ein letztes Mal: Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages) tritt in dieser Woche ab.

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  • Verleihung der Paracelsus-Medaille an Prof. Ingo Flenker (links) und Prof. Dr. Armin Rost (rechts) durch Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages) bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Demonstrationen vor der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Demonstrationen vor der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Demonstrationen vor der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Fascinating Drums

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  • Für Pausenprogramm sorgten Fascinating Drums.

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  • Halle Münsterland

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  • Karl-Josef Laumann (Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen) bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Markus Lewe (Oberbürgermeister der Stadt Münster) bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Fascinating Drums

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  • Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages) bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages) bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Jens Spahn (Bundesminister für Gesundheit) bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Jens Spahn (Bundesminister für Gesundheit) bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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  • Auch das kann passieren: Just als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die SPD erwähnte, fiel in der Halle Münsterland der Strom aus und eine Notbeleuchtung schaltete sich ein. Nach wenigen Minuten waren Licht und Ton wieder da.

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  • Markus Lewe (Oberbürgermeister der Stadt Münster) bei der Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages 2019 am 28. Mai 2019 in der Halle Münsterland.

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Einigkeit bei der Organspende

Im Gegensatz zu Windhorst, der Spahn mit den Worten „manchmal ist es gut gemeint, aber nicht immer gut gemacht“ begrüßte und auch sonst durchgehend in den Angriffsmodus schaltete, hatte Montgomery aber auch versöhnliche Worte für den Gesundheitsminister parat: „Im Bereich Organspende haben Sie mit Ihrem schon verabschiedeten Gesetz wahrscheinlich einen riesigen Fortschritt für die Menschen auf der Warteliste erreicht“, sagte er.

Mit- statt gegeneinander

Nachdem NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann seine Maßnahmen gegen den Ärztemangel vorgestellt hatte und für das Modell der Landarztquote höflichen Beifall der Zuhörer erhielt, betrat am Ende der viel kritisierte Spahn die Bühne. Begleitet von vereinzelten Buhrufen verteidigte der Bundesgesundheitsminister die zahlreichen Gesetze, die er in den vergangenen Monaten erlassen hat. „Meine Herangehensweise ist die folgende: Probleme erkennen, debattieren und dann nicht in der Debatte verharren, sondern handeln.“ Dabei gehe es ihm nicht um die Quantität der Gesetze, sondern um eine Qualitätssteigerung, die mit den Änderungen einhergehe.

Im Anschluss warb Spahn für ein Miteinander zwischen ihm und der Ärzteschaft, um gemeinsam wichtige Projekte wie die Impfpflicht und die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben. Als er dann auch noch aufzählte, dass er mit zusätzlichem Geld für zusätzliche Leistungen der erste Minister seit 20 Jahren sei, unter dem es für die Ärzte mehr Geld gebe, ging plötzlich sogar wieder das Licht an.

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