In neun Tagen bis Braunschweig
Tretboot-Kapitäne auf halber Fahrt

Münster -

Wie weit kommt man mit einem Tretboot – bis zur Torminbrücke? Die beiden Abiturienten Tobias Lammerding und David Schubert wollten es mit ihrer selbst gebauten „Prinzessin Johanna“ von Münster bis zur Ostsee schaffen. Doch auf halber Strecke kam etwas dazwischen.

Mittwoch, 29.05.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 29.05.2019, 19:26 Uhr
Ein Selfie an Bord der „Prinzessin Johanna“: Tobias Lammerding tritt in die Pedale, während David Schubert nur am Rand zu erkennen ist.
Ein Selfie an Bord der „Prinzessin Johanna“: Tobias Lammerding tritt in die Pedale, während David Schubert nur am Rand zu erkennen ist. Foto: Lammerding/Schubert

Selbst das beste Tretboot der Welt ist nur ein Tretboot. Das gilt auch für die „Prinzessin Johanna“, das wahrscheinlich allerbeste Tretboot der Welt. Nach neun Tagen Fahrt wollte sie einfach nicht mehr, die Antriebswelle ging kaputt – und die beiden Kapitäne Tobias Lammerding und David Schubert mussten ihre große Abenteuerreise von Münster an die Ostsee schon auf dem Mittellandkanal beenden. Und zwar nach rund 250 Kilometern in Braunschweig, etwa auf halber Strecke.

Andererseits wären die beiden 18-Jährigen ohnehin nicht weiter gekommen. Der Urlaub war zu Ende, das Abitur verlangt jetzt alle Aufmerksamkeit. Um bis Lübeck vorzudringen, hätten sie jeden Tag 50 Kanalkilometer machen müssen. Nach zwei Tagen merkten sie: Das geht nicht mit 5 ­km/h. „Wir haben dann beschlossen: Wir fahren soweit wir kommen“, berichtet Tobias Lammerding.

Selbst ist der Tretboot-Liebhaber

Trotzdem ein großes Abenteuer. Die Fahrt war ein Traum aus der achten Klasse: Damals ärgerten sich die beiden Friedensschüler bei einem Schulausflug über ein schwerfälliges Aasee-Tretboot. Könnte man nicht ein richtig cooles Tretboot selber bauen? Eines, mit dem man bis zur Ostsee kommt?

Mit dem Tretboot von Münster nach Braunschweig

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  • David Schubert (l.) und Tobias Lammerding vor ihrem Tretboot-Trainingsrevier, dem Aasee

    Foto: Oliver Werner
  • Stapellauf: Tobias Lammerding und David Schubert lassen die "Prinzessin Johanna" auf dem Aasee zu Wasser

    Foto: Lea Menke
  • Tobias Lammerding (l.) und David Schubert bei einer Probefahrt mit der "Prinzessin Johanna" auf dem Aasee.

    Foto: Lea Menke
  • Tobias Lammerding und David Schubert erfüllen sich einen Schülertraum Foto: Tobias Lammerding
  • Tobias Lammerding und David Schubert (l.u.) an Bord der "Prinzessin Johanna"

    Foto: David Schubert
  • Der Antrieb des Tretboots ist Marke Eigenbau

    Foto: Tobias Lammerding
  • Tobias Lammerding und David Schubert erfüllen sich einen Schülertraum Foto: Tobias Lammerding
  • Willkommensfeier am Aasee-Ufer – nach 250 Kilometern auf Dortmund-Ems-Kanal und Mittellandkanal

    Foto: Oliver Werner
  • David Schubert (l.) und Tobias Lammerding können treten wie die Weltmeister: Schneller als 5 oder 6 km/h wird nicht einmal das schnellste Tretboot.

    Foto: Oliver Werner

Im vergangenen Sommer erinnerten sie sich an ihre Pläne: Sie ersteigerten zwei Katamaran-Rümpfe, konstruierten eine stabile Plattform und einen Fahrradpedal-Antrieb. Ein Cousin ist Landmaschinenschlosser, der half beim Gröbsten. Vier Monate lang wurde die „Prinzessin Johanna“ zusammengeschraubt, am Segelclub Hansa durfte sie ihre Probefahrt bestehen.

Kapitäne unter sich

Am 19. Mai, nach gründlicher Lektüre der „BinSchStrO“, der „Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung“, wurden die Anker gelichtet: Ladbergen, Recke, Minden, Hannover, dazwischen ein paar Nächte im Zelt – genau so hatten sich die beiden das damals gedacht . . . Mit den Berufsschiffern sei man prima klar gekommen („Kapitäne unter sich“, sagt Tobias Lammerding professionell); das Verhältnis zu den Sportbooten war eher zwiespältig, die sorgen nämlich für unangenehmen Wellengang. Andererseits: Hätte nicht der Skipper der „Greneda“ vom Motoryachtclub Traben-Trarbach die kurzzeitig manövrierunfähige „Prinzessin Johanna“ abgeschleppt, wäre die Fahrt noch früher zu Ende gewesen.

Die beiden Tretbootkapitäne wurden am Mittwochabend im „Moro 112“ am Aasee gefeiert. Ob sie erneut die Fahrt an die Ostsee versuchen? Eher unwahrscheinlich, meinen sie. Tobias beginnt im August eine Tischlerlehre, David macht ein freiwilliges soziales Jahr in Rumänien, da wird die Zeit einfach knapp. An der „Prinzessin Johanna“ soll es nicht scheitern. Die wird erstmal eine Weile in der Garagenwerft verbringen müssen, dann hoffen ihre beiden Skipper auf einen dauerhaften Liegeplatz am Aasee.

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