Vortragsreihe WN-Wissensimpulse
Heraus aus der „Ich-Konsistenz“

Münster -

Sich etwas (zu-)trauen? Das ist oft nicht einfach, gelingt aber doch in ganz vielen Situationen. Besser noch, wenn man dazu aufgefordert wird. Den Beweis lieferte das Publikum am Montagabend bei den WN-Wissensimpulsen.

Mittwoch, 05.06.2019, 12:30 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 17:20 Uhr
Martina Schmidt-Tanger (r.) fordert das Publikum zum Mitmachen auf.
Martina Schmidt-Tanger (r.) fordert das Publikum zum Mitmachen auf. Foto: hko

Martina Schmidt-Tanger bat die Gäste am Ende ihres Vortrags in der „Cloud“-Veranstaltungshalle am Germania-Campus, sich von den Plätzen zu erheben. Dazu wurde der legendäre Hit „We will rock you“ der ebenso legendären Rockgruppe „Queen“ gespielt. Fast alle klatschten den Rhythmus und stampften dazu die drei Takte mit den Füßen. Fazit: Geht doch. Aber Veränderungen (und dazu gehört auch, sich etwas zu trauen) müssen erkannt, gewollt und gelernt werden. Das vermittelte die Diplom-Psychologin aus Münster informativ und unterhaltsam.

Die zentrale Frage „Warum ist verändern so schwer?“ beantwortete die Expertin für persönliche Entwicklung anhand von täglichen Ritualen. Morgens um 7 Uhr die Tasse Kaffee und „beim Griechen“ immer die Nummer 32 auf der Speisekarte. „Menschen sind auf Stabilität ausgelegt“, sagt Martina Schmidt-Tanger. Und deshalb „entwickeln sie schnell Gewohnheiten und bevorzugen Sachverhalte, die sie längst schon wissen, um diese zu bestätigen“. Kompliziert? Überhaupt nicht, jeder könne Beispiele nennen.

Mut statt Angst

Hinzu kommt: Das Gehirn liebt den Spar-Modus. „Kenne ich schon, weiß ich schon, habe ich selbst schon erlebt.“ Also bitte keine Veränderungen. Dahinter stecke das Streben nach „Ich-Konsistenz“, sagt die Psychologin. Kurz gefasst bedeute das: „Ich will so bleiben, wie ich bin.“

Aber genau damit seien Menschen kalkulierbar und kontrollierbar. Also sollte dieses Verhalten verändert werden. Heraus aus der „Ich-Konsistenz“ und hinein in den Modus von Ehrgeiz, Mut, Fantasie. Vor allem: Mut statt Angst. Das gelte im Berufsleben ebenso wie im privaten Umfeld. Denn: „Überforderung und Angst verhindern Tatkraft und Kreativität.“

Und was kann verändert werden? Das Verhalten zum Beispiel, die Umgebung, die Einstellung zu den alltäglichen Dingen, die Werte, die Identität. Die Frage nach Veränderungen sollte man sich allerdings nicht zwingend zu runden Geburtstagen, an Silvester und beim Renteneintritt stellen. Gerade bei diesen Terminen bleibe es häufig beim Vorsatz.

Und wie sieht es mit Erfolg aus? „Nichts ist so schädlich für die eigene Entwicklung wie dauerhafter Erfolg“, betont Martina Schmidt-Tanger. Es müsse möglich sein, Erfahrungen zu sammeln. Bedeutet: Es muss auch mal was schiefgehen dürfen.

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