Lacrimas Profundere im Interview
Die Kraft für einen Neustart

Münster -

Am 21. Juni steigt die fünfte Auflage des Heavy-Metal-Festivals „Das Schloss rockt“ vor dem Schloss. Headliner in diesem Jahr ist die Gothic-Rock-Band Lacrimas Profundere. Im Juli veröffentlichen sie ihr neues Album.

Donnerstag, 13.06.2019, 10:00 Uhr
Lacrimas Profundere bringen ein neues Album heraus und spielen im Juni vor dem Schloss.
Lacrimas Profundere bringen ein neues Album heraus und spielen im Juni vor dem Schloss. Foto: Christian Vogel

In diesem Jahr bietet das Open-Air-Festival "Das Schloss rockt" vor dem fürstbischöflichen Barockbau einen ganz besonderen Headliner. Lacrimas Profundere haben bereits mit Amorphis und Paradise Lost auf der Bühne gestanden. Im Juli erscheint ihr neues Studioalbum "Bleeding the Stars". Wir haben mit Gründungsmitglied Oliver Nikolas Schmid gesprochen.

Es gibt aktuell zwei verschiedene Bandfotos von euch. Einmal zu dritt und einmal zu viert. Wie viele seid ihr denn jetzt in der Band?

Oliver Nikolas Schmid: Wir haben das Album zu dritt eingespielt. Nach den Aufnahmen stieß dann unser Rückkehrer Daniel am Bass zur Band, hatte sich jedoch leider zu Beginn des Jahres schwer am rechten Arm verletzt. Wir haben ihm während unserer Tour im Januar und Februar den Platz freigehalten, mussten dann aber die Bilder abändern, weil er nach wie vor nicht weiß, ob seine Gesundheit es wieder zulässt, längere Tourneen mit seinem Arm zu spielen. Der Kern sind also Julian am Gesang, Dominik am Schlagzeug und ich an der Gitarre. Zur Zeit sind wir mit einem guten Freund von uns, Ilker Ersin , früher bei der Band Freedom Call, am Bass unterwegs.

Das neue Album „Bleeding the Stars“ scheint wieder zurück zu den Wurzeln zu gehen. Wie ist es entstanden?

Oliver: Der Vorgänger „Hope is here“ ist 2016 erschienen und erreichte auf Anhieb die Top 30 der Charts. Unser erstes Konzeptalbum. Aber irgendwie brodelte es in der Band: Wir hatten verschiedene Ziele in unserem Leben und mit der Musik. Wir verstehen uns privat nach wie vor wunderbar. Trotzdem stand ich im Frühjahr 2018 plötzlich alleine da und war mir nicht sicher, ob ich aufhören soll und einen großen Teil meines Lebens begrabe oder die Kraft für einen Neustart finde. Dann habe ich mit „Kohle“ – dem Produzenten des neuen Albums – im Studio ein Wochenende lang gebrainstormt. Daraus entstand der „Song Like Screams in Empty Halls“. Und das war die Antwort.

Ist der Song und die andere Single-Auskopplung „Father of Fate” stellvertretend für den Sound des Albums?

Oliver: Es ist ja immer super schwierig die ersten Songs für eine Platte auszuwählen. Für mich ist eine Album immer ein Gesamtwerk. Man möchte nicht skippen, sondern wie früher bei Vinyl die Platte komplett durchhören. Weil einen die Musik einfach fesselt, lässt man sich kurz aus dem Alltag in die Welt des Künstlers mitnehmen. Daher haben wir auf unser Management und Label vertraut und sie auswählen lassen. Nur die dritte Single-Auskopplung „The Kingdom Solicitude“ haben wir ohne Rücksprache gedreht. Da sind wir kurzfristig nach Island geflogen und haben uns in der wundervollsten Landschaft wieder gefunden, die man sich für unsere Art von Musik nur denken kann. Manchmal sollte man nicht immer erst hundert Leute fragen, sondern muss es einfach machen . . .

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Ist das neue Album für euch – obwohl ihr euch ja offiziell nie getrennt habt – eine Art Comeback?

Oliver: Nein, die Band besteht seit 1993 mit verschiedenen Mitstreitern. Welche Band ist da schon konstant? Die Rolling Stones oder Rammstein vielleicht. Das Leben ändert sich, und nicht jeder hat über all die Jahre diesen unzerstörbaren Willen ein Musiker zu sei. Die Band hat immer bestanden, aber frei nach Westernhagen: „war nie wirklich weg, hat sich nur versteckt“ (lacht).

Wenn man bereits mit Größen wie Paradise Lost auf der Bühne gestanden hat, Videos auf Heavy-Rotation bei Musiksendern gespielt wurden: Wie schwer ist es, sich zu motivieren, auf kleineren Bühnen wieder fast von Neuem zu beginnen?

Oliver: Mit meinem Bruder Christopher am Mikro hatten wir 2005 sozusagen „den Fuß in der Tür“ und waren bei den großen Major Labels ein Thema. Dann hat er sich aber entschieden in die Werbebranche zu gehen und eine Familie zu gründen. Sein Entschluss stand fest, meiner war ein anderer (lacht). Nun fahre ich eben wieder Van und nicht Nightliner. Das Wesentliche hat sich für mich jedoch nicht geändert. Selbst wenn wir den Major-Deal unterschrieben und wir den großen Durchbruch geschafft hätten – für mich fühlt sich jede Bühne wie bei unserem ersten Gig 1993 im Jugendclub an: als wäre ich der Headliner im Olympia-Stadion. Den Vergleich musste ich ziehen, weil ich im weiteren Umkreis von München wohne (lacht).

Ist es euer Ziel, dass sich die Band selbst finanzieren kann oder seht ihr sie eher als Art Hobby?

Oliver: Ich schreibe die Musik in erster Linie für mich selbst. Bezahlung ist da Nebensache, weil alles Geld der Welt kann diese wundervollen Abenteuer und Erinnerungen nicht aufwiegen. Klar lebt man nicht von Luft und Liebe zur Musik, auch ich habe einen Halbtagsjob. Was jedoch immer meinen Tagesablauf bestimmt, ist die Musik. Wir waren die erste Gothic Band in Dubai, waren noch vor Iron Maiden in China, in den Deutschen Charts standen wir vor dem Comeback-Album von Mötley Crüe und sind die Lieblingsband von Jackass-Star und Profi-Skateboarder Bam Margera. Okay, er glaubt, wir kämen aus Österreich, aber man kann ja nicht alles haben (lacht). Was ich damit sagen will: Jeder ist so, wie er sich selbst sieht. Siehst du dich als Hobby-Band, bist du wohl eine. Wenn du glaubst, zu alt für Rock‘n‘Roll zu sein, dann bist du es wohl auch. Beides trifft in meinem Fall definitiv nicht zu.

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Das Schloss rockt, 21. Juni, Schlossplatz, ab 17 Uhr. Eintritt frei.

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Ein Blick in die Zukunft. Wo steht Lacrimas Profundere in drei Jahren?

Oliver: Hoffentlich wieder in Münster bei „ Das Schloss rockt “.

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