Spinnenausstellung in Friedenskapelle
Die Vogelspinne als Streicheltier

Münster -

Einmal eine Riesenspinne auf die Hand nehmen, sanft über ihren Rücken streicheln und sich damit fotografieren lassen. Martina Fux zögert, ihre Blicke sind starr auf den lauernden Insektenjäger gerichtet. Später sagt sie: „Es hat eine Megaüberwindung gekostet.“

Sonntag, 09.06.2019, 11:23 Uhr aktualisiert: 09.06.2019, 11:45 Uhr
Spinnenausstellung in Friedenskapelle: Die Vogelspinne als Streicheltier
Martina Fux ist über ihren Schatten gesprungen: Im Rahmen der Ausstellung in der Friedenskapelle in Münster hat sie eine Vogelspinne auf die Hand genommen. Foto: Helmut P. Etzkorn

Es sind die Stunden der Mutigen in der Friedenskapelle auf der Loddenheide: Auf einer Seite eine sieben Zentimeter große Rote Chile Vogelspinne, deren haarige Beine sich neugierig ausstrecken. Auf der anderen Seite Martina Fux , die heute Geburtstag hat. Und von ihrer Familie gesponsert ein besonders spinnertes Geschenk einlösen soll.

Erst ein gequältes Lächeln

Doch sie traut sich schließlich doch und lässt die Riesenspinne unter Aufsicht des Tierpflegers Claudio Babuta langsam über ihre Handflächen krabbeln. Ein leichtes Zucken im Gesicht, ein anfangs eher gequältes Lächeln. Dann ein froher Gesichtsausdruck. Und die tierische Spinne hat es geschafft, menschliche Vorurteile abzubauen. „Ein echt schönes Gefühl, so sanft, warm und weich“, sagt Martina Fux.

Für Renaldo Neigert , der über Pfingsten seine mobile Spinnen- und Insektenausstellung in dem ehemaligen Gotteshaus aufgebaut hat, ein „typischer Fall“. Fast immer mache „es Klick“ bei den Besuchern, die anfangs unsicher seien und sich aus Filmen und Erzählungen den Kontakt zu angeblich ekligen Spinnentieren ganz anders vorgestellt hätten. Durch ihr geringes Gewicht, verteilt auf acht Beine, vermittelten auch größere Spinnen ein „angenehmes Gefühl“ beim Hautkontakt.

Spinnenausstellung in der Friedenskapelle

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  • Von Samstag bis Montag, 10 Juni, ist die Ausstellung "Die größten Vogelspinnen der Wellt" in der Friedenskapelle in Münster zu sehen.

    Foto: Helmut P. Etzkorn
  • Wer sich traut, kann die haarigen Krabbeltiere unter Aufsicht eines Tierpflegers auf die Hand nehmen.

    Foto: Helmut P. Etzkorn
  • Der Eintritt kostet für Kinder sechs Euro. für Erwachsene acht Euro.

    Foto: Helmut P. Etzkorn
  • Die Tiere, die dort gezeigt werden, sind "völlig friedlich", so der Aussteller.

    Foto: Helmut P. Etzkorn
  • Bei Manchen reicht es trotzdem nur für ein gequältes Lächeln: Viele Besucher müssen erst ihre Angst überwinden.

    Foto: Helmut P. Etzkorn
  • Foto: Helmut P. Etzkorn
  • Neben Spinnen gibt es auch andere Insekten zu sehen.

    Foto: Helmut P. Etzkorn

Friedliche Tiere

Und bis auf wenige Arten seien sie auch gegenüber Menschen nicht bissfreudig. „Die Tiere, die wir hier zeigen, sind völlig friedlich. Die schnappen nur, wenn man ihnen an den Beinen zieht oder sie einquetscht“, sagt er. Seit zehn Jahren ist der 38-Jährige mit 120 selbst gebauten Terrarien, alle ausgestattet mit Klimaanlage, Luftfeuchtigkeitsgerät und Wärmeregler, auf Tour. Passiert sei noch nie etwas.  Vorher hat er sich im Tierpark Nürnberg ausbilden und Prüfungen ablegen müssen.

Eine alte Angst

Die Angst vor Spinnen sei so alt wie die Menschheit und dagegen helfe nur die persönliche Begegnung, meint er. Alle  die eine Spinnenphobie haben, werden behutsam an den Erstkontakt mit den Gliederfüßlern herangeführt. „Manche kommen, sehen, runzeln die Stirn  und gehen dann wieder. Eine Stunde später sind sie wieder da und trauen sich, so manchem konnte ich helfen“, meint der Bielefelder. Besonders Kinder werden zu kleinen Helden und haben „wenig Angst, mehr Neugier“, so Neigert.  Mit 16 schenkte ihm ein Nachbar eine Vogelspinne, weil sonst dessen Freundin ausgezogen wäre. Schnell wurden die Krabbeltierchen zu seiner Leidenschaft, heute präsentiert er von der Gottesanbeterin über Gespenstheuschrecken bis zu  Riesentausendfüßlern so ziemlich alles, was „weder bedrohlich noch bösartig ist, sondern nur den falschen Ruf hat,  eklig zu sein.“

Darf es noch größer sein?

Auch Julian Borchard und Edda Püttmann trauen sich.  „Die Tiere hätten sogar noch größer sein dürfen“, meinen sie nach dem Fotoshooting mit der Chilespinne. Bei anderen Probanden zittern die Hände oder es fehlt dann doch die letzte Überwindung, es auszuprobieren.  Für die, die den Hautkontakt im „pädagogischen Streichelzoo“ (Neigert) wagen, ist es ein stolzes Glückserlebnis. Und das am Pfingstsamstag.

Information

Die Spinnen- und Insektenausstellung in der Friedenskapelle ist an beiden Pfingstfeiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet.  

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