Poetry-Slam im SpecOps
Das Unbehagen der Juristen

Münster -

Den Vorentscheid für den „Jura Slam“ dominierte die Hassliebe der Teilnehmer auf das Fach Rechtswissenschaften. Große aktuelle Themen kamen bei der Veranstaltung hingegen eher zu kurz.

Montag, 10.06.2019, 15:42 Uhr aktualisiert: 11.06.2019, 11:22 Uhr
Franziska Höschen trug einen Text beim Jura-Slam vor.
Franziska Höschen trug einen Text beim Jura-Slam vor. Foto: Gesa Born

Selbstsuche im SpecOps. Beim Vorentscheid des bundesweiten Jura-Slams reflektieren Slammer auf poetische Weise, wie es ist, Jura-Student zu sein. Die Beiträge sind mal ironisch, mal kritisch. Von „imagelosen Markensachen und Meinungsträgern, die nichts zu sagen haben“, dichtet die Jura-Studentin Franziska Höschen am Donnerstagabend im SpecOps.

Beim Vorentscheid für den Jura-Slam, ausgerichtet vom Debattier-Club und  Deutschen Anwaltverein, geht es für sie und die anderen Kandidaten darum, eine Runde weiter zu kommen. Das bundesweite Finale wird in Berlin stattfinden. „Locker verkrampfe ich im legeren Kostüm“, so Höschen weiter über ihr ambivalentes Verhältnis zu ihrem Studiengang. Konspirativ flüstert sie ins Mikrofon, als schäme sie sich dafür: „Ich bin Jurist.“

Von Klischees abgrenzen

„Mir ist es wichtig auch mal rechts und links zu schauen und Nicht-Juristen kennenzulernen“, erzählt Höschen zwei Tage vor dem Slam. Das Jurastudium mache ihr Spaß, von einem bestimmten Klischee wolle sie sich aber abgrenzen. Lieber engagiere sie sich. Die Bühne mache selbstbewusst, was auch ihrem späteren Berufswunsch, Richterin zu werden, entgegenkomme: „Im Hörsaal spontan vor 500 Leuten sprechen, das kann ich nicht so gut. Aber für die Bühne kann ich mich vorbereiten.“ Dass ihre Familie aus Paderborn dafür als Probepublikum herhalten darf, sei diese gewohnt: Höschen slammte unter anderem schon für TatWort, die Wortbühne Münster und gewann im letzten Jahr den Jura-Slam.

Jura Slam 2019 im Specops

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  • Beim Jura Slam geben die Zuschauer nach den Vorträgen Punkte von 1 bis maximal 10.

    Foto: Gesa Born
  • Dieser junge Jura-Student legte in seinem sehr amüsanten Vortrag alles in die Waagschale und war mit vollem Einsatz dabei.

    Foto: Gesa Born
  • Nicht nur sein stylishes Aussehen, ...

    Foto: Gesa Born
  • ... sondern vor allem seine Performance kam richtig gut an.

    Foto: Gesa Born
  • Eine Menge Bestnoten hagelte es.

    Foto: Gesa Born
  • Das Specops war rappelvoll, kaum ein Durchkommen zur Bühne.

    Foto: Gesa Born
  • Gespannt lauschten die Zuhörer den selbst ausgedachten Texten, die mal nachdenklich, mal lustig waren.

    Foto: Gesa Born
  • Franziska bereitete sich in der kurzen Pause auf ihren Auftritt vor.

    Foto: Gesa Born
  • Kurzes Interview...

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  • dann ging es los. Diesmal hat es nicht für den ersten Platz gereicht, Spaß hat es trotzdem gemacht.

    Foto: Gesa Born
  • Im Specops fand der Jura Slam 2019 statt. Foto: Gesa Born
  • Im Specops fand der Jura Slam 2019 statt. Foto: Gesa Born
  • Im Specops fand der Jura Slam 2019 statt. Foto: Gesa Born

Dieses Jahr kommt Höschen nicht unter die Top drei, stattdessen gewinnt Mark-Philipp Luboschik den Jura-Slam. Mit langen Haaren, Trainingsjacke, Skinny-Jeans und bunten Socken erntet er Lacher für ironische Sätze wie: „Eigentlich wollte ich nie Jurist werden, aber dann war ich betrunken und auf der Website der Uni Münster. Da hatten die so ein Propagandavideo, das mir gut gefallen hat. Daraufhin habe ich mich eingeschrieben.“

Hassliebe zum Fach

Andere Witze bleiben für Zuschauer, die nicht mit juristischen Fachtermini vertraut sind, ein Buch mit sieben Siegeln. Medizinstudentin Catharina Nitsche entwickelt scherzhafte die Idee: „Es sollte ein Vokabelheftchen für Nicht-Juristen geben.“ Tatsächlich wirken die Slammer stark mit sich selbst und ihrem Studiengang beschäftigt. Gesellschaftliche Themen werden auch, aber wenig aufgegriffen.

Eine Hassliebe für das Fach Jura dominiert den Abend im SpecOps – ob auf selbstironische Art oder nachdenklich selbstreflektierend wie bei Höschen. Denn trotz aller Kritik endet ihr Slam nicht mehr geflüstert, sondern laut und bestimmt: „Jeder soll wissen, auch ich bin Jurist.“

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