Schlaun-Gymnasiasten befragen Zeitzeugen
Geschichte des Lazarettbunkers hautnah erleben

Münster -

Der Lazarettbunker ist für viele ein magischer Ort. Oberstufen-Schüler des Schlaun-Gymnasiums haben Zeitzeugen befragt und eine spannende Broschüre erstellt, die auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Donnerstag, 13.06.2019, 09:00 Uhr
Schüler und Lehrer des Schlaun-Gymnasiums überreichten gemeinsam mit Sigrid Karliczek (Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, 5.v.l.) die Broschüre zum Lazarettbunker an Zeitzeugen.
Schüler und Lehrer des Schlaun-Gymnasiums überreichten gemeinsam mit Sigrid Karliczek (Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, 5.v.l.) die Broschüre zum Lazarettbunker an Zeitzeugen. Foto: hö

Wer heute im Schein der Taschenlampe durch die Gänge und engen Räume mit den Kritzeleien an den Wänden geht, bekommt ein Gespür für die Menschen, die hier während des Zweiten Weltkriegs in Todesangst Unterschlupf suchten. Schüler des Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasiums haben nun einen realen Bezug zu den Erlebnissen im Lazarettbunker an der Promenade geschaffen, in den sich einst bis zu 1500 Menschen flüchteten.

Sie haben sechs Zeitzeugen interviewt und Geschichte erlebbar gemacht. Dabei herausgekommen ist eine Broschüre über den Lazarettbunker, die Vertreter der Schule und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz am Mittwoch den Zeitzeugen überreichten. „Ich bin so froh, dass wir die Menschen, die das erlebt haben, jetzt gefragt haben. Denn es gibt immer weniger“, so Schlaun-Schülerin Melina Hessel, die mit dem Mikrofon unterwegs war.

Erinnerungen an die Nazi-Zeit

„Umfallen konnte kein Mensch, weil es so furchtbar voll war. Das Gedränge war so unangenehm, man wurde richtig hineingeschoben, dann klemmte man als Kind zwischen all den großen Leuchten, ich war fünf“, erinnert sich Charlotte Kröger, Jahrgang 1936.

„Ich sehe den SS-Mann in schwarzer Uniform noch vor mir. Der Kommandant war schrecklich. Wehe wenn da Ausländer, Zwangsarbeiter kamen, die mussten unter die Brücke. Es war so schrecklich, wie die Zwangsarbeiter alle abgewiesen wurden“, berichtet Heinrich Frenke, Jahrgang 1929. Er flüchtete mit seiner Mutter in den Ferien in den Bunker. Um die Kinderlandverschickung und die Indoktrination der Nazis zu umgehen, „wurde ich bei meiner Großmutter in Vlotho untergebracht“, erzählt er.

Intensive Auseinandersetzung

Die 53 Schüler und drei Lehrerinnen des Schlaun-Gymnasiums haben sich fünf Monate lang im Rahmen des Schulprojekts, das vom Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter Leitung von Sigrid Karliczek begleitet wurde, intensiv mit dem Lazarettbunker auseinandergesetzt. Sie haben zudem Tagebücher und Chroniken ausgewertet. Eingang in die Broschüre hat auch eine Kunstaktion gefunden. „Der geheimnisvolle, sonst unzugängliche und historische Ort zog alle magisch an“, resümiert Sigrid Karliczek.

Die Dank der Finanzierung durch Franz Josef Görtz (Jahrgang 1927 und selbst Betroffener) entstandene Broschüre soll den beteiligten Schülern bei der Abiturfeier Anfang Juli überreicht werden. In digitaler Form soll sie zudem in den Internetauftritten der Schule, des Stadtarchivs und des Landschaftsverbands zugänglich sein.

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