Reaktion auf schwieriges Marktumfeld
BASF Coatings baut bis zu 200 Stellen in Münster ab

Münster-Hiltrup -

Den Rückgang der Automobilproduktion spüren auch die Mitarbeiter des Lackherstellers BASF Coatings in Münster: Bis zu 200 sollen das Unternehmen verlassen. 

Donnerstag, 13.06.2019, 18:35 Uhr aktualisiert: 13.06.2019, 18:39 Uhr
Reaktion auf schwieriges Marktumfeld : BASF Coatings baut bis zu 200 Stellen in Münster ab
Foto: Lütkemeyer

Seit Monaten wissen die BASF-Mitarbeiter in Hiltrup, dass etwas im Busch ist. Denn die Geschäftsführung arbeitet schon länger an einem sogenannten Effizienzprogramm. Schließlich schwächelt die Automobilproduktion, an deren Tropf der Hersteller von Fahrzeug-Lacken maßgeblich hängt. „Wir müssen darauf reagieren“, erklärt Sören Bauermann , Geschäftsführer der BASF Coatings in Münster.

Bei einer Veranstaltung am Donnerstagmorgen auf dem Werk-Gelände wird auch klar in welcher Form: Von den 2400 Vollzeitstellen am münsterischen Standort sollen bis zu 200 gestrichen werden. Betriebsbedingte Kündigungen wird es aber beim größten industriellen Arbeitgeber der Region nach jetzigem Stand nicht geben.

Ausstieg mit Bonuszahlungen attraktiv machen

Stattdessen setzt man bis zum Ende des Jahres 2021 in Münsters Süden auf Fluktuation und ein mit dem Betriebsrat abgestimmtes Freiwilligenprogramm, das den Ausstieg vornehmlich älterer Arbeitnehmer mit Bonuszahlungen attraktiv machen soll. Die Einsparungen in Hiltrup betreffen nicht nur die Lack-Produktion, sondern alle Bereiche am Standort, wie es heißt. Diese Maßnahmen sind Teil eines weltweiten Spar-Programms  und sollen die Wettbewerbsfähigkeit des BASF-Unternehmensbereichs Coatings insgesamt verbessern. Dem Vernehmen nach geht es um globale Einsparungen im oberen zweistelligen Euro-Millionen-Bereich.

Kommentar: Ein warnender Dämpfer

Münster, die wachsende Stadt und scheinbare Insel der Glückseligen, erfährt einen herben Dämpfer: Der Personalabbau bei der BASF Coatings führt vor Augen, wie schnell globale Entwicklungen bis nach unten durchschlagen können: Der Rückgang der Automobilproduktion andernorts jedenfalls berührt die Lackherstellung in Münster und gilt als Begründung für ein umfangreiches Einsparprogramm im gesamten Unternehmen, bei dem allein in Hiltrup bis zu 200 Arbeitsplätze künftig wegfallen werden.

All dies geschehe zu Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, heißt es. Man mag diese Begründung durchaus kritisch sehen. Denn hier steht kein Konzern am Abgrund. Gleichwohl zeigt dieses Beispiel: In der privaten Wirtschaft wird Vorsorge getroffen, wenn die Signale auf schlechtere Zeiten hindeuten. Zumindest davon könnte man sich im münsterischen Wünsch-dir-was gerne eine Scheibe abschneiden: Denn ob Stadion, Musikcampus, neues Stadthaus, mehr Personal – das Wort Sparen ist hier mittlerweile zum Fremdwort geworden. Dirk Anger

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Schon im zweiten Halbjahr vergangenen Jahres habe man sich Gedanken gemacht, wie man auf den Abwärtstrend in der „globalen Automobilproduktion“ regieren müsse, erläutert der münsterische BASF-Chef Bauermann. Denn es sei nicht absehbar, dass sich der Markt kurzfristig beleben könnte. Deshalb habe man  frühzeitig Gespräche mit dem Betriebsrat geführt.

Zweiter Nackenschlag

Dessen Vorsitzender Michael Schönwiese spricht von einer „blöden Situation“ für das Unternehmen. Zu den eingeleiteten Spar-Maßnahmen sagt er:  „Das ist keine Kurzschluss-Reaktion.“  Die schwarzen Zahlen seien in der Vergangenheit schon schwärzer gewesen. „Um den Standort nachhaltig zu sichern, müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen“, sagt Schönwiese und zeigt Verständnis für die Rahmenbedingungen.

Für die Coatings-Beschäftigten ist der jetzt angekündigte Personalabbau der zweite Nackenschlag in kurzer Zeit: Beim Verkauf der Industrielack-Sparte  an den Konkurrenten Akzo Nobel wurden 120 Stellen in der Produktion abgebaut, wie Sören Bauermann erklärte.

Der Chef im Hiltruper Werk verweist indes auf die Investitionen am Standort. So werde derzeit ein großes Laborgebäude gebaut. Auch bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder sei man aktiv: So wird am 5. Juli eine Produktionsanlage zur Beschichtung von Folien eingeweiht. Außerdem stelle man in diesem Jahr 50 Auszubildende neu ein.

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