Aktion "1000 Stunden Münster"
Per Speeddating zum Ehrenamt

Münster -

Speeddating kennt man aus der Partnervermittlung. Man kann sich aber auch ein Ehrenamt vermitteln lassen. Frederik Zeiß und Aleksandra Stojic haben sich darauf eingelassen – und es nicht bereut.

Dienstag, 18.06.2019, 09:30 Uhr aktualisiert: 18.06.2019, 10:17 Uhr
Frederik Zeiß besucht an jedem Mittwoch eine 75-jährige Frau.
Aleksandra Stojic (l.) kümmert sich um eine neunjährige Albanerin. Frederik Zeiß besucht an jedem Mittwoch eine 75-jährige Frau. Foto: Klaus Baumeister

Frederik Zeiß ist 34 alt, lebt seit zehn Jahren in Münster und arbeitet im Zollkriminalamt auf der Loddenheide. Aleksandra Stojic  ist 43 Jahre alt, kam 2014 nach Münster und arbeitet als Mineralogin am Institut für Planetologie der Universität Münster.

Da ich selbst viel Hilfe bekommen habe, möchte ich auch anderen helfen.

Aleksandra Stojic

Beide kennen einander nicht, obwohl sie einander hätten kennenlernen können. Der Grund: Beide besuchten im Januar den Infoabend „1000 Stunden für Münster“ im Gleis 22 – und beide fanden bei dieser Gelegenheit den Weg in ein Ehrenamt, das sie heute nicht mehr missen möchten.

Frederik Zeiß engagiert sich in dem Verein „Von Mensch zu Mensch“ und kümmert sich um eine 75-jährige, alleinstehende Frau in Pluggendorf. Aleksandra Stojic fühlte sich vom Projekt „Lesepaten“ der Bürgerstiftung angesprochen und hat jetzt die Betreuung eines neunjährigen Mädchens aus Albanien übernommen, mit dem sie gemeinsam das Lesen übt.

Eine „Intensiveinheit“ in Lesen

Wie der Zufall es will, haben beide auch am gleichen Wochentag ihren Einsatz. Stojic sucht an jedem Mittwoch um 9.45 Uhr eine münsterische Grundschule auf. Für eine Unterrichtsstunde verlässt das Mädchen den Regelunterricht, um gemeinsam mit ihrer Patin eine „Intensiveinheit“ in Lesen zu bekommen. Die 43-Jährige fühlt sich dem albanischen Kind nahe, „weil ich selbst einen Migrationshintergrund habe und erst im Kindergartenalter Deutsch gelernt habe“. Als Tochter eines serbischen Vaters und einer kroatisch-italienischen Mutter kam Aleksandra Stojic nach Deutschland. „Da ich selbst viel Hilfe bekommen habe, möchte ich auch anderen helfen.“ Die Vermittlung der Schülerin erfolgte durch die Schule.

Gemeinsam entschleunigen

An jedem Mittwoch um 16 Uhr besucht Frederik Zeiß die 75-jährige Frau, die ihm durch den Verein „Von Mensch zu Mensch“ vermittelt wurde. Jedes Mal geht er mit der an Rheuma erkrankten Frau einkaufen. Erst habe er sich an den langsamen Gang gewöhnen müssen, so der 34-Jährige. „Inzwischen genieße ich diese Entschleunigung.“

Sobald der Einkauf in den Schränken verstaut ist, „reden wir über Gott und die Welt“. Es habe sich sogar ein „Vertrauensverhältnis“ zwischen ihnen entwickelt, berichtet Zeiß, die Sichtweise eines älteren Menschen zu erleben, sei „auf jeden Fall ein Bereicherung“.

Treffen mit anderen Ehrenamtlichen

Für den 34-Jährigen ist „Mittwoch 16 Uhr“ längst ein fester Termin, an ein Ende der Besuche denkt er nicht. Ein Mal im Monat trifft sich Frederik Zeiß mit anderen Mitstreitern im Verein, die ebenfalls im Besuchsdienst tätig sind. Es sei sehr spannend, sich die unterschiedlichen Geschichten anzuhören. „Das ist der komplette Gegenpart zu meinem beruflichen Alltag.“

Für die Lesepatin Aleksandra Stojic endet die Arbeit mit der Albanerin, wenn diese im kommenden Jahr die Grundschule verlässt. Aber für sie steht bereits jetzt fest, dass sie sich anschließend von der Schule ein anderes Kind mit Leseproblemen vermitteln lässt.

Zum Thema

Das nächste Ehrenamts-Speeddating im Rahmen der Aktion „1000 Stunden Münster“ findet am Dienstag um 18 Uhr in der Lounge des Preußenstadions statt.

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