Münsteraner liest im Kneipenkollektiv Leo:16
Von Rassismus als Alltagsphänomen

Münster -

Rassismus erfährt der dunkelhäutige Journalist Marvin Oppong häufig. Jetzt hat der Münsteraner ein Buch darüber geschrieben. Mit drastischen Anekdoten – auch aus Münster.

Dienstag, 18.06.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 18.06.2019, 14:05 Uhr
Der Journalist, Autor und Dozent Marvin Oppong ist in Münster geboren und kommt für eine Lesung in seine Heimatstadt.
Der Journalist, Autor und Dozent Marvin Oppong ist in Münster geboren und kommt für eine Lesung in seine Heimatstadt. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Oft wird Marvin Oppong auf Englisch angesprochen, obwohl er in Münster geboren ist. Er wird schnell geduzt, und das obwohl er Jahrgang 1982 ist. Und in der Bahn setzen sich die Leute lieber woanders hin, auch wenn neben ihm viel Platz ist. In dem Buch „Ewig anders. Schwarz, deutsch, Journalist“ hat Oppong eigene Rassismuserfahrungen niedergeschrieben. Doch das Buch geht über die bloßen Beschreibungen hinaus.

Autobiografie und Sachbuch

„Es ist eine Mischung aus Autobiografie und Sachbuch“, erzählt der Journalist, Autor und Dozent mit münsterischen Wurzeln, der seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile in Bonn hat. In seinem Buch wechseln sich die Beschreibungen eigener Erfahrungen mit Theoretischem zum Thema ab.

Alltägliche und institutionelle Diskriminierung

In schonungslosen Gesprächen und Begegnungen testet er die deutsche Gesellschaft und fragt, wie sich das politische Klima nach Ereignissen wie dem 11. September 2001, der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof 2015/16 oder der Özil- und MeTwo-Debatte verändert hat. Dabei legt er den Finger direkt in die Wunde, wenn er die Mechanismen von alltäglicher und institutioneller Diskriminierung anhand persönlich erlebter Situationen beschreibt.

Racial Profiling der Polizei

Er erzählt von Racial Profiling der Polizei bei Kontrollen an Bahnhöfen oder wie er von einem Busfahrer erst diskriminiert und dann geschlagen wurde. „Es gibt auch positiven Rassismus. Zum Beispiel glauben viele Leute, Menschen mit dunkler Haut können automatisch schnell laufen oder gut singen“, sagt Oppong.

Auf dem Blauen Sofa von ZDF

Ein Buch habe er darüber schon lange schreiben wollen, dann sei der Dietz-Verlag auf ihn zugekommen und alles habe sich gefügt. Nachdem er schon bei der Leipziger Buchmesse auf dem Blauen Sofa von ZDF, Deutschlandfunk und Randomhouse zu Gast war, liest er am 25. Juni (Dienstag) im Kneipenkollektiv Leo:16 aus seinem Buch.

Journalistische Anfänge in Münster

Eigentlich ist Oppong in erster Linie freischaffender Investigativ-Journalist und beschäftigt sich vornehmlich mit Korruption, Lobbyismus, Datenschutz und Medienthemen. Seine journalistischen Anfänge hatte er als freier Mitarbeiter bei der Münsterschen Zeitung. Heute schreibt er auch für überregionale Blätter wie „Der Spiegel“ oder „Die Zeit“.

Seit 2011 lehrt er als Dozent Recherchetechniken in der journalistischen Aus- und Weiterbildung. Kürzlich ist er auch unter die Filmemacher gegangen. Am 12. Juni hat sein Dokumentarfilm „Ein strahlendes Land – Mit dem Geigerzähler durch Deutschland“ Premiere gefeiert.

Zum Thema

25. Juni (Dienstag), 19 Uhr, Kneipenkollektiv Leo:16, Herwarth­straße 7, Eintritt frei.

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