Verwirrspiel um Täter und Opfer enttarnt
Prozessauftakt wegen versuchten Mordes und Falschaussage

Münster -

Um eine Frau zu schützen, griff ein Nachbar in einen Streit ein – und wurde nicht nur lebensgefährlich verletzt, sondern zunächst für den Täter gehalten. Vor dem Landgericht ist am Freitag der Prozess gegen einen 29-Jährigen gestartet. Ihm wird versuchter Mord und Falschaussage vorgeworfen.

Samstag, 22.06.2019, 10:30 Uhr aktualisiert: 23.06.2019, 12:27 Uhr
 
Vor dem Landgericht ist am Freitag der Prozess gegen einen 29-Jährigen gestartet. Ihm wird versuchter Mord und Falschaussage vorgeworfen. Foto: dpa

Ein Opfer, das zunächst als Täter beschuldigt und trotz lebensbedrohlicher Verletzungen in Gewahrsam genommen wird, sowie ein mutmaßlicher Täter, der offenbar immer weiter lügt, standen im Mittelpunkt eines eskalierten Beziehungsstreits, an dessen Ende eine Anklage wegen versuchten Mordes und Falschaussage stehen. Diese wurde am Freitag vor dem Landgericht verhandelt.

Der 29-jährige Angeklagte kam mit seiner Familie im Alter von neun Jahren aufgrund des montenegrinischen Bürgerkriegs nach Deutschland. Von Beginn an habe er dabei Probleme mit dem Lernen gehabt.

Die Gesamtschule musste er verlassen und auf eine Förderschule wechseln. Anschließend folgten kurze Anstellungen. Zuletzt waren er und seine Frau, mit der er vier Kinder hat, arbeitssuchend. Ein weiterer Sohn stammt von einer Geliebten.

Das Opfer greift schützend ein 

In deren Gremmendorfer Wohnung hielt er sich auch in der Tatnacht auf. Ein Nachbar, das Opfer, schilderte vor Gericht, wie er die Tatnacht erlebte. Demnach bemerkte der Mann zum wiederholten Mal einen lautstarken Streit zwischen dem Paar.

Durch die geöffnete Eingangstür habe er die Wohnung betreten und den Angeklagten angetroffen, als dieser gerade seine Freundin ohrfeigte. Anschließend habe es eine Schubserei zwischen den Männern gegeben.

Am Ende soll der Angeklagte dem Opfer von hinten in den Rücken gestochen haben. Als die Polizei eintraf, hielt sie das Opfer zunächst für den Täter. Der eigentliche Täter hatte behauptet, der Nachbar habe seine Freundin vergewaltigen wollen, und er selbst habe lediglich seine Familie beschützt.

Lebensgefahr nach ärztlicher Fehleinschätzung 

Das Opfer geriet daher in Polizeigewahrsam. Die Wunde sei zwar bemerkt worden, aber sowohl der Notarzt als auch der diensthabende Arzt sollen die Verletzung als harmlos eingestuft haben, sodass das Opfer abgeführt wurde.

Erst am Folgetag wurde festgestellt, dass ein Lungenflügel durch den Messerstich kollabiert war. Die lebensbedrohliche Situation konnte jedoch noch rechtzeitig behandelt werden. Kurze Zeit darauf entpuppten sich zudem die Anschuldigungen gegen ihn als haltlos, die Schilderungen des Angeklagten wurden als Falschaussage eingestuft. Nun tritt der Nachbar als Nebenkläger auf. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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