Straßen NRW will vierspurig ausbauen
Viele Fragen zum Ausbau der B 51 nach Telgte

Münster -

Wenn es um den Ausbau der B 51 zwischen Münster und Telgte geht, kann man mit dem Projektleiter Bernhard Epmann von der Landesbehörde Straßen NRW über alles reden. Nur nicht darüber, ob dieser Ausbau erforderlich ist.

Donnerstag, 27.06.2019, 20:15 Uhr aktualisiert: 27.06.2019, 21:16 Uhr
Straßen NRW will vierspurig ausbauen: Viele Fragen zum Ausbau der B 51 nach Telgte
Sie stellten am Donnerstag den Plan vor (v.l.): Manfred Ransmann, Sandra Beermann, Dirk Griepenburg (alle Straßen NRW), Dr. Antje Grobe vom Kommunikationsbüro Dialog-Basis sowie Projektleiter Bernhard Epmann von Straßen NRW. Die vierspurige B 51 soll Teil einer ausgebauten Straßenachse in Richtung Bielefeld werden. Foto: hpe

„Wir haben einen klaren Auftrag“, verwies Epmann am Donnerstag bei einem Pressegespräch auf einen entsprechenden Beschluss des Bundestages . Im Straßenausbauplan des Bundes sei die Straße als vierspurige Kraftfahrtstraße vorgesehen. Auch der NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst hatte jüngst den Ausbau – in Verbindung mit drei neuen Umgehungsstraßen an der B 64 – als „alternativlos“ bezeichnet, um Münster besser mit Bielefeld zu verbinden.

Lässt man das „Ob“ einmal außen vor, so bleiben beim „Wie“ immer noch genug Fragen. Das jedenfalls berichtete Dr. Antje Grobe vom Büro Dialog-Basis aus Dettenhausen bei Tübingen, die für Straßen.NRW das Verfahren begleitet. Bei verschiedenen Veranstaltungen mit Anwohnern und den Vertretern anliegender Kommunen habe sie bereits 300 Fragen gesammelt und an die zuständigen Planer weitergeleitet.

Gravierende Veränderungen

Die Fragen ergeben sich auch automatisch, wenn man bedenkt, dass der Straßenausbau gravierende Änderungen für die Erschließung vieler Grundstücke und sowie für bestehende Wegebeziehungen hat. Abgesehen von zwei Knotenpunkten – einer davon in Höhe Handorf – fallen sämtliche Anbindungen an die Straße weg. Darüber hinaus fallen auch sämtliche Bahnübergänge weg.

Wie kommt man künftig zum Gymnasium St. Mauritz? Wie kommt man künftig zur Pleistermühle? Wie kommt man künftig zum Waldfriedhof Lauheide? Das sind Fragen, mit denen sich Straßen.NRW derzeit beschäftigt. Ganz abgesehen dürfen auf der künftigen Kraftfahrstraße keine Trecker mehr fahren. Für die betroffenen Landwirte müssen Ersatzwege geschaffen werden.

Realistisch betrachtet wird in den nächsten fünf Jahren nicht gebaut.

Dirk Griepenburg

Manfred Ransmann, Leiter der Münsterland-Niederlassung von Straßen.NRW, geht davon aus, dass es Ende 2020 einen Entwurf für das Teilstück zwischen Münster und Handorf geben werde, ein Jahr später für das Teilstück Handorf – Telgte. Im Idealfall wären die Pläne jeweils etwa zwei Jahre später rechtskräftig. Ransmanns Vorgesetzter Dirk Griepenburg brauchte es auf den Punkt: „Realistisch betrachtet wird in den nächsten fünf Jahren nicht gebaut.“

Die Notwendigkeit stehe aber außer Frage, da die Verkehrsbelastung, die heute bei 25 000 Fahrzeuge am Tag liegt, bis 2030 auf prognostizierte 33 500 steigen werde. Darin eingerechnet, so die Vertreter von Straßen.NRW, sei bereits eine Steigerung der Zugfahrgäste zwischen Münster und Telgte von 2460 auf 4300.

Die Zahl der Radpendler zwischen Telgte und Münster liegt bei 350 am Tag.  

Weitgehende Ablehnung der Ratsparteien

Eine Stunde dauerte am Donnerstagabend im Planungsausschuss die Aussprache über den geplanten vierspurigen Ausbau der B 51 zwischen Münster und Telgte. In dieser Zeit gab es nur eine dezidiert positive Stellungnahme zu dem Projekt. Sie stammte von Hermann Eiling, der als sachkundiger Einwohner und Vertreter der Handwerkskammer sagte: „Die Wirtschaft braucht eine bessere Verbindung nach Ostwestfalen.“ Ansonsten hagelte es Kritik. Der Linke Rüdiger Sagel:  „Eine Planung aus dem letzten Jahrhundert“. Der Grüne Jörn Möltgen: „Ich schäme mich, dass wir so etwas noch diskutieren.“ Der SPD-Ratsherr Ludger Steinmann: „Das ist nicht vermittelbar.“ Der ÖDP-Ratsherr Franz Pohlmann: „Das ist Realsatire.“ Der CDU-Ratsherr Horst Beitelhoff machte den Kompromissvorschlag, drei statt vier Fahrspuren zu planen. Die Kreuzung in Handorf sei über­dimensioniert.

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