Akteure aus ganz Europa vor tierischer Kulisse
Straßenkünstler-Festival im Allwetterzoo leidet unter der Hitze

Münster -

Ohne ein Schattenplätzchen läuft bei über 30 Grad am Samstag nichts im Zoo: Das 9. Internationale Straßenkünstler-Festival lockt bei hochsommerlichen Temperaturen nur wenig Besucher in den Tierpark am Aasee und das spüren auch die Akteure aus ganz Europa, die vor tierischer Kulisse ihr Können unter Beweis stellen wollen.

Samstag, 29.06.2019, 15:39 Uhr aktualisiert: 29.06.2019, 16:09 Uhr
Akteure aus ganz Europa vor tierischer Kulisse: Straßenkünstler-Festival im Allwetterzoo leidet unter der Hitze
Foto: Helmut Etzkorn

Nur eine Handvoll Interessenten schauen sich beispielsweise das magische Duo Levante an, wie es unter dem Motto „Stolpern heißt nicht fallen“ mit einem Mix aus gespielter Unbeholfenheit und akrobatischen Fähigkeiten das Publikum unterhalten. Auch nebenan, wo das FlyFit-Showteam begeisternde Luftakrobatik am Vertikaltuch unter Bäumen präsentiert, ist erst am Nachmittag mehr Andrang zu verzeichnen. Annette Obst , Übungsleiterin der gelenkigen Gruppe bunt gemischter Frauen aus Münster, freut sich dennoch über die Chance, einmal nicht in der Hall of Sports, sondern unter freiem Himmel ihre „wilden Falter“ flattern zu lassen.

Ab September wird sie für ein Jahr einen Freiwilligendienst bei der Nichtregierungsorganisation Zip-Zap-Circus-School in Kapstadt antreten. Ein soziales Projekt, das eine neue Kultur des friedlichen Zusammenlebens in Südafrika einleiten soll. Der Auftritt beim Straßenkünstler-Festival ist Teil einer Spendensammlung, die Show steht unter dem Motto „Vom Fliegen lernen“ und soll das lebenslange Miteinander- und Voneinanderlernen in sieben Metern Höhe dokumentieren. Besonders der Kontakt zur internationalen Künstlerszene im Zoo ist für Obst die Bereicherung des Wochenendes.

Schnellzeichner Omar Ayobi aus Afghanistan kann nicht nur Blitzporträts von den tierischen Bewohnern anfertigen, sondern setzt auch die Besucher mit fixen Bleistiftstrichen gekonnt in Szene. Er ist quasi Festival-Stammgast und liebt die Atmosphäre im Zoo: „Mitten in der Natur, man hört die Klänge der musizierenden Kollegen nebenan und deshalb ist die Idee, facettenreiche Straßenkunst im Zoo zu präsentieren, einfach phantastisch“, sagt Ayobi.

9. Internationales Straßenkünstler-Festival im Allwetterzoo

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Auch Veranstalter Nicolas Leibel vom CulturContor, der aus 120 Bewerbern 30 Combos ausgesucht und an zehn Standorten verteilt hat, spürt trotz der großen Hitze bei Künstlern und Besuchern eine „positive Grundstimmung“. In den ersten Stunden hat er alle Hände voll zu tun. Manche Akteure wollen in ein schattiges Revier umziehen, andere kriegen ihre Stromversorgung für die Musiklautsprecher nicht in Gang. Seiltänzerin Sara Peper aus Brasilien ist nach der Landung in Paris in den falschen Flixbus eingestiegen und erst einmal in Richtung Italien gefahren. Nun kommt sie mit Verspätung und muss mit ihrer Performance neu ins Programm integriert werden. „Künstler eben, da muss man mit allem rechnen“, meint Leibel mit einem Augenzwinkern.

Bei den Kindern ist Ewa Grzybek aus Polen der Star des Tages. Sie schminkt tierische Gesichter und hat die Vorbilder gleich um die Ecke in den Gehegen stehen. Egal ob Raubkatze im Format „The Eyes of die Tiger“ oder doch nur der wenig animalische Spiderman: Die Malkunst steht hoch im Kurs bei den jungen Besuchern. Ebenso wie Ballonkünstler Hamlet, der mit Hund und Katz in der Gummihülle den Kindern Freude bereitet.

Am Sonntag treten alle Künstler nochmals auf

Ein ungewöhnliches Schauspiel bieten Iris Brandner und Bernd-Arno Kortstock aus Hannover: Zum 70. Sterbejahr des dadaistischen Künstlers Kurt Schwitters präsentiert das Duo als „Vaudeville-Theater“ Textpassagen. Mit verbogenen Fragezeichen, Absätzen, die keine sind, und Punkt hinter Punkt. Alles „in Form und Unsinn, wie Schwitters es geliebt hat“, so Brandner.

Sanfte musikalische Klänge, Tanz, Theater und Zauberei bereichern ein Festival, das höhere Besucherzahlen und tiefere Temperaturen verdient hätte. Am Sonntag (30. Juni) treten alle Künstler nochmals zwischen 11 und 17.30 Uhr auf. In der Hoffnung auf mehr Gäste und vielleicht doch noch den einen oder anderen Euro im Spendenhut.

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