Prozess um Brandstiftung
Stimmen im Kopf sollen 60-Jährige angetrieben haben

Münster -

War die 60-jährige Angeklagte schuldfähig? Oder wurde sie von Stimmen in ihrem Kopf zur Brandstiftung getrieben? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Richter im Fall einer Brandstiftung vor dem Landgericht.

Montag, 01.07.2019, 16:32 Uhr aktualisiert: 01.07.2019, 16:42 Uhr
Die 60-Jährige muss sich vor dem Landgericht Münster verantworten (Symbolbild).
Die 60-Jährige muss sich vor dem Landgericht Münster verantworten (Symbolbild). Foto: dpa

Seit Anfang Juni steht eine 60-Jährige wegen schwerer Brandstiftung vor dem münsterischen Landgericht. Beim Prozessauftakt hatte die Angeklagte ausgesagt, sie sei von Stimmen in ihrem Kopf angetrieben worden, ihre Wohnung in Brand zu setzen ( wir berichteten ). Im Fortsetzungstermin sollte nun der psychische Zustand der Münsteranerin anhand von Zeugenaussagen eruiert werden.

Der Vorsitzende der 9. Strafkammer formulierte die Leitfrage für den zweiten Sitzungstag folgendermaßen: „Mit wem haben wir es bei der Angeklagten zu tun?“ Sollte sie sich nämlich zum Tatzeitpunkt in einem psychotischen Zustand befunden haben, wäre sie nur vermindert schuldfähig.

Hat Angeklagte die Tat angekündigt?

Zweifel daran ergeben sich jedoch aus der Ermittlungsakte. So soll die 60-Jährige unmittelbar vor der Brandstiftung die Tat sinngemäß angekündigt und geäußert haben, sich rächen zu wollen. Dies konnte jedoch keiner der sieben geladenen Zeugen eindeutig bestätigen.

Gepolter, Geschrei und laute Musik

Dass es mit der Angeklagten jedoch schon immer Probleme gab, darin stimmten alle Zeugen überein. Zuletzt häuften sich die Einsätze in der Beckhofstraße, wenn wegen nächtlicher Ruhestörung – in Form von Gepolter, Geschrei und lauter Musik - die Polizei ausrückte. Insbesondere wegen der vielen Beschimpfungen, die in der Hochparterre Wohnung fielen, hatten einige Nachbarn zunächst angenommen, die 60-Jährige sei nicht allein dort. Tatsächlich handelte es sich jedoch um Selbstgespräche.

Ein Zeuge sagte aus, dass die Angeklagte dann häufig von „Heinrich dem Bourbonen“ sprach. Während des Tatgeschehens selbst hatte er zwei Stimmen aus der Wohnung vernommen. Eine dunkle Stimme habe sinngemäß „Ich fackel’ euch ab“ gesagt, und eine helle Stimme habe „Hilfe, ich brenne“ gerufen. Das Reden mit mehreren, unterschiedlichen Stimmen wurde von den anderen Zeugen jedoch nicht bestätigt.

Es ist praktisch alles kaputt.

Der Vorsitzende Richter mit Blick auf die Tatortbilder

Nach ihrer Rettung aus der Wohnung sei die Brandstifterin dann vielmehr durch unpassendes, gleichgültiges Verhalten aufgefallen. Die Polizeibeamten erkannte sie nicht an, und eine Kohlenstoffdioxid-Untersuchung durch die RTW-Sanitäter lehnte sie vehement ab. Ein Sachverständiger wurde zum geistigen Zustand der Angeklagten gleichwohl noch nicht vernommen. Fest steht bisher allein, dass sich der entstandene Schaden wohl auf 68.000 Euro beläuft. „Es ist praktisch alles kaputt“, sagte der Vorsitzende mit Blick auf die Tatortbilder. 

Am kommenden Donnerstag will die 9. Strafkammer bereits zur Entscheidung kommen. Die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung auf Bewährung – also in Form betreuten Wohnens – steht dabei im Raum.

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