Pressekonferenz nach Predigt-Eklat in Heilig-Geist
Bischof Genn untersagt Zurkuhlen Dienst als Seelsorger

Münster -

Predigt mit Folgen: Münsters Bischof Dr. Felix Genn hat Konsequenzen aus den Ausführungen gezogen, mit denen der emerierte Pfarrer Ulrich Zurkuhlen Ende Juni in der münsterischen Heilig-Geist-Kirche für Unmut gesorgt hat. Am Mittwochnachmittag gab er bekannt, wie es mit Zurkuhlen weiter geht.

Mittwoch, 10.07.2019, 10:28 Uhr aktualisiert: 10.07.2019, 20:55 Uhr
Bischof Felix Genn hat sich am Mittwochnachmittag vor Medien geäußert. Pfarrer Ulrich Zurkuhlen hat er die seelsorgerische Arbeit untersagt.
Bischof Felix Genn hat sich am Mittwochnachmittag vor Medien geäußert. Pfarrer Ulrich Zurkuhlen hat er die seelsorgerische Arbeit untersagt. Foto: dpa, Gunnar A. Pier

Die Wellen schlagen hoch, seit der emeritierte Pfarrer Ulrich Zurkuhlen in der münsterischen Heilig-Geist-Kirche über Vergebung auch für Priester, die Minderjährige sexuell missbraucht haben, gepredigt hat. Am Dienstagabend betonte der 79-Jährige in einem Fernsehbeitrag, dass er nicht missverstanden worden sei. Jetzt reagierte Bischof Felix Genn .

"Ich habe mich zu folgenden Maßnahmen entschlossen", sagt ein sichtlich verärgerter Bischof Genn vor Medienvertretern, und erklärte: "Pfarrer Ulrich Zurkuhlen ist es verboten, sich weiterhin in der Sache zu äußern, sei es schriftlich oder mündlich. Ich möchte dadurch verhindern, dass er weiterhin die Betroffenen mit seinen unsäglichen Thesen belästigt. Ich habe ihm mit dem heutigen Tage jeglichen Dienst als Seelsorger untersagt, die öffentliche Zelebration und Predigt. Außerdem wurde ihm die Beichtvollmacht entzogen."

Genn ist "fassungslos"

"Sie sehen mich hier heute wirklich fassungslos", erklärte Genn. Dass ein Priester bei alldem, was wir inzwischen über sexuellen Missbrauch, gerade auch durch Kleriker, über Täterstrategien und das Leid der Opfer wissen, hingeht und solche Äußerungen tätigt, ist unfassbar." Wenn ihn diese Äußerungen schon derart fassungslos machten - "wie muss es dann erst für die von sexuellem Missbrauch Betroffenen sein?"

Erklärung von Bischof Felix Genn zum Predigt-Eklat um Ulrich Zurkuhlen

Nun erwarte Genn eine "glaubhafte schriftliche Entschuldigung gegenüber den Betroffenen, gegenüber der Gemeinde den Kolleginnen und Kollegen, gegenüber all den Menschen, die er verletzt hat." Und weiter: "Mit diesen Äußerungen verhöhnt der Priester die Betroffenen - er schlägt ihnen mitten ins Gesicht. Und seine Äußerungen stehen im absoluten Widerspruch zu der Haltung, die uns im Umgang mit sexuellem Missbrauch prägen muss: Alles, was wir tun, muss sich daran messen lassen, dass im Mittelpunkt die Perspektive der Betroffenen steht."

Bischof Genn nimmt Stellung zum Predigt-Eklat um Ulrich Zurkuhlen

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  • Mit deutlichen Worten kommentierte Münsters Bischof Dr. Felix Genn am Mittwoch (10. Juli 2019) die Vorfälle um die umstrittene Predigt des emerierten Pfarrers Ulrich Zurkuhlen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Interesse an dem Statement war groß: Genn war im Foyer des Generalvikariats umringt von Medienvertretern.

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  • Der Bischof wirkte sichtlich angefasst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Pfarrer Stefan Rau äußerte sich ebenfalls zu der Diskussion.

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  • Genn sagte: "Pfarrer Ulrich Zurkuhlen ist es verboten, sich weiterhin in der Sache zu äußern, sei es schriftlich oder mündlich. Ich möchte dadurch verhindern, dass er weiterhin die Betroffenen mit seinen unsäglichen Thesen belästigt. Ich habe ihm mit dem heutigen Tage jeglichen Dienst als Seelsorger untersagt, die öffentliche Zelebration und Predigt. Außerdem wurde ihm die Beichtvollmacht entzogen."

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  • "Sie sehen mich hier heute wirklich fassungslos", erklärte Genn.

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  • Pfarrer Stefan Rau äußerte sich ebenfalls zu der Diskussion.

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Predigt in Heilig Geist

Die Predigt, die Zurkuhlen Ende Juni hielt, hat für Empörung gesorgt [WN+]. Viele Gottesdienstbesucher protestierten lautstark und verließen die Kirche. „Niemand ist nur abgründig böse“, soll Zurkuhlen gesagt haben, und: „Oft verbinden sich Güte und Schuld miteinander oder stehen ohne Berührung nebeneinander.“ Es sei „allmählich Zeit, dass die kirchlichen Hierarchen nach langer Zeit auch mal ein Wort der Vergebung sagen können“, wird er zitiert.

Als erste Konsequenz bat Bischof Genn den Geistlichen, vorerst nicht mehr zu predigen . Am Montagabend gab es eine öffentliche Diskussionsveranstaltung in der Gemeinde . Ohne Zurkuhlen: Seine Teilnahme an der Veranstaltung sei nicht erwünscht gewesen, so hatte er sich im Vorfeld selbst geäußert. Zurkuhlen habe die Einladung ausdrücklich abgelehnt, so berichtete es Pfarrer Stefan Rau zu Beginn des Abends.

Gesprächsrunde in Heilig Geist

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  • Frust, Empörung und Fassungslosigkeit: Nach einer umstrittenen Predigt in Münster zu sexuellem Missbrauch und Vergebung haben sich viele Gemeinde-Mitglieder gegen den kritisierten Pfarrer gestellt.

    Foto: Caroline Seidel
  • Stefan Rau, Leitender Pfarrer der Gemeinde, sprach am Montagabend in einer Diskussionsrunde in der Heilig-Geist-Kirche mit Gemeindemitgliedern.

    Foto: Caroline Seidel
  • Der emeritierte Pfarrer Ulrich Zurkuhlen (79), der an dem Gespräch nicht teilnahm, hatte in seiner Predigt rund eine Woche zuvor um Vergebung geworben für Priester, die sexuellen Missbrauch begangen haben.

    Foto: Caroline Seidel
  • Zurkuhlens Äußerung widerspreche den Bemühungen in der Gemeinde und des Pastoralteams, betonte der zuständige leitende Pfarrer Stefan Rau. Opfern müsse Gerechtigkeit widerfahren.

    Foto: Caroline Seidel
  • „Null sensibel“, „arrogant“, so wird in der Gemeinde das Auftreten des emeritierten Pfarrers bewertet. Der Bischof von Münster, Felix Genn, hatte Zurkuhlen bereits aufgefordert, bis „auf Weiteres“ nicht mehr zu predigen.

    Foto: Caroline Seidel
  • Ein anderer Redner, der an dem Eklat-Gottesdienst Ende Juni teilgenommen hatte, kritisierte, Zurkuhlen habe Parallelen gezogen zwischen gescheiterten Ehen und der von Seelsorgern ausgeübten sexuellen Gewalt.

    Foto: Caroline Seidel

Missbrauch „vielleicht nicht so tragisch für die Kinder“

In einem Fernsehbeitrag erklärte Zurkuhlen am Dienstagabend, er habe „volle Solidarität“ mit den Opfern, „wenngleich ich mich wundere, dass sie so lange damit gewartet haben.“ Und der 79-Jährige ergänzt: „Wenn Kinder wirklich so etwas Schreckliches erlebt haben bei einem Jugendkaplan - warum gehen sie dann immer wieder da hin hinterher?“ Dass es Missbrauch gegeben habe, bestreite er nicht, denke aber, „dass es vielleicht nicht so tragisch für die Kinder war“.

Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, zeigte sich in der Sendung "sprachlos" über die neuerlichen Äußerungen und kündigte Konsequenzen des Bistums an.

Pfarreirat: Zurkuhlen von allen priesterlichen Funktionen entbinden

Derweil wurde bekannt, dass die Gemeindespitze in Münster jede weitere Zusammenarbeit mit dem kritisierten Geistlichen ablehnt. Pfarrer Ulrich Zurkuhlen solle „weder in unserer Pfarrei noch an anderer Stelle weiter priesterliche Dienste ausüben. Für uns kann es keine Gottesdienstgemeinschaft mit Pfarrer Zurkuhlen mehr geben“, schrieb der zuständige Pfarreirat der Katholischen Kirchengemeinde St. Joseph Münster-Süd auf Facebook. An den Bischof von Münster, Felix Genn, ging die Bitte, „Zurkuhlen von allen priesterlichen Funktionen zu entbinden“.

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Das gewählte Kirchen-Gremium zeigte sich entsetzt über die gerügte Predigt vom 30. Juni 2019 und die öffentlichen Äußerungen des 79-Jährigen noch danach. „Seine Aussagen stehen nicht nur im absoluten Widerspruch zu den Leitlinien des Institutionellen Schutzkonzepts der Pfarrei. Vor allem aber hat er mit seinen Worten die Opfer wiederholt schwer verletzt und ihre Rechte missachtet.“ Bei einem öffentlichen Gespräch in der Heilig-Geist-Kirche am Montagabend hatte sich die Gemeinde bereits gegen Zurkuhlen positioniert.

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