Bischof Genn informiert über Umgang mit sexuellem Missbrauch
„Perspektive der Betroffenen in den Mittelpunkt stellen“

Münster -

Mit einem Brief zum Thema sexueller Missbrauch durch Geistliche hat sich Münsters Bischof an die Pfarreiräte und Kirchenvorstände gewandt. In dem Schreiben betont Genn die Notwendigkeit von Veränderungen im System der Kirche. Die Macht in der Kirche müsse neu verteilt werden.

Dienstag, 16.07.2019, 12:06 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 13:57 Uhr
Bischof Felix Genn
Bischof Felix Genn Foto: Gunnar A. Pier

„Bei dem, was ich tue und auf den Weg bringe, versuche ich, mich davon leiten zu lassen, die Perspektive der Betroffenen und Opfer in den Mittelpunkt zu stellen. Es geht nicht darum, das Ansehen der Kirche wieder zu verbessern, sondern den Betroffenen zuzuhören und ihren Anliegen möglichst gerecht zu werden.“ Das hat Bischof Dr. Felix Genn jetzt in einem Schreiben an die Mitglieder in den Pfarreiräten und Kirchenvorständen im Bistum Münster betont.

In dem Schreiben und mit einem Flyer informiert der münsterische Bischof die Ehrenamtlichen darüber, „was wir als katholische Kirche im Bistum Münster konkret im Kampf gegen sexuellen Missbrauch bereits getan haben und weiterhin tun werden.“ Der Bischof dankt laut Mitteilung des Bistums Pfarreiräten und Kirchenvorstandsmitgliedern dafür, dass diese sich trotz der Belastung durch dieses Thema weiter engagieren. „Das ist alles andere als selbstverständlich“, betont Bischof Genn.

Mit Blick auf die Zukunft werden wir alles dafür tun, sexuellen Missbrauch im Raum der Kirche, soweit das überhaupt geht, zu verhindern.

Bischof Felix Genn

Er versichert den Ehrenamtlichen, dass es ihm wichtig sei, die Vergangenheit von unabhängigen Experten aufarbeiten zu lassen. „Mit Blick auf die Zukunft werden wir ebenfalls mit externer Hilfe alles dafür tun, sexuellen Missbrauch im Raum der Kirche, soweit das überhaupt geht, zu verhindern“, schreibt der Bischof. Dabei werde das Bistum aber nicht stehen bleiben.

Bistum Münster stellt Studie zu sexuellem Missbrauch vor

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  • Dr. Stephan Kronenburg (Sprecher Generalvikariat), Bernadette Böcker-Kock (Ansprechperson für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster), Dr. Norbert Köster (Generalvikar des Bistums Münster) und Beate Meintrup (Präventionsbeauftragte des Bistums Münster) am 25. September 2018 im Generalvikariat Münster bei der Pressekonferenz zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Medieninteresse war groß.

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  • Bernadette Böcker-Kock (Ansprechperson für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster)

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  • Generalvikar Dr. Norbert Köster

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  • Beate Meintrup (Präventionsbeauftragte des Bistums Münster)

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  • Dr. Stephan Kronenburg (Sprecher Generalvikariat), Bernadette Böcker-Kock (Ansprechperson für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster), Dr. Norbert Köster (Generalvikar des Bistums Münster) und Beate Meintrup (Präventionsbeauftragte des Bistums Münster) am 25. September 2018 im Generalvikariat Münster bei der Pressekonferenz zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

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  • Generalvikar Dr. Norbert Köster

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  • Generalvikar Dr. Norbert Köster

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  • Dr. Stephan Kronenburg (Sprecher Generalvikariat), Bernadette Böcker-Kock (Ansprechperson für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster), Dr. Norbert Köster (Generalvikar des Bistums Münster) und Beate Meintrup (Präventionsbeauftragte des Bistums Münster) am 25. September 2018 im Generalvikariat Münster bei der Pressekonferenz zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

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  • Generalvikar Dr. Norbert Köster

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  • Generalvikar Dr. Norbert Köster

    Foto: Gunnar A. Pier

Genn: „Benötigen eine durchlässigere Kirche, kein geschlossenes System“

Bischof Genn: „Jenseits der Schuld und Verantwortung einzelner Täter und Beschuldigter, sowie derjenigen, die Täter und nicht Opfer geschützt haben, gibt es auch systemische Bedingungen, die sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche begünstigen. Die zwingende Konsequenz kann daher nur lauten, dass wir diese systemischen Bedingungen soweit als möglich verändern. Hiermit beschäftigen wir uns mit Nachdruck und mit externer Unterstützung auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz; wir werden uns bei zentralen Fragen hier auch mit den Verantwortlichen der Weltkirche besprechen und auseinandersetzen.“

Erklärung von Bischof Felix Genn zum Predigt-Eklat um Ulrich Zurkuhlen

Der Bischof macht aber deutlich, dass auch im Bistum selbst Maßnahmen auf den Weg gebracht werden müssten. So müsse die Macht in der Kirche neu verteilt werden. „Als Bischof bin ich dazu bereit, auch meinerseits Macht abzugeben und mich beispielsweise auch einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit unterzuordnen“, schreibt er. Zudem solle bei der Lösung von entscheidenden Fragen in allen zentralen Gremien mehr externer Sachverstand einfließen. Bischof Genn: „Professionelle Begleitung durch Expertinnen und Experten von außen ist hilfreich und entlastet. Wir benötigen eine durchlässigere Kirche, kein geschlossenes System. Das kann für die Kirche nur ein Gewinn sein.“ Neben der Einbindung externer Kompetenzen müsste auch die innerkirchliche, sehr vielfältige und hochkompetente Expertise weiterhin eine wichtige Rolle spielen, betont der Bischof.

Ich möchte, dass wir im Bistum Münster keine Kirche der Verbote und Gebote sind.

Bischof Felix Genn

Bischof Genn schließt sein Schreiben mit einer, wie er unterstreicht, ihm persönlich sehr wichtigen Feststellung: „Ich möchte, dass wir im Bistum Münster keine Kirche der Verbote und Gebote sind, sondern eine Kirche, die in Beziehung zu den Menschen lebt und die Beziehung zu Jesus Christus ermöglicht. Wir verkünden die Frohe Botschaft. Das müssen die Menschen im Alltag erfahren; und als Bischof kann und will ich den Raum öffnen, dass das möglich ist. Hierzu gehört sicher auch, dass wir im Blick auf Fragen der menschlichen Sexualität weniger verklemmt und moralisierend daher kommen, sondern deutlich machen, welch wunderbares Geschenk Sexualität ist.“

Ehrenamtliche sollen sich in Debatte einbringen

Er ermutigt die Ehrenamtlichen, sich mit weiteren Anregungen, Ideen und Vorschlägen in die Debatten einzubringen. So könne es vielleicht gelingen, „eine Kultur des offenen und gerne auch konstruktiv-kritischen unmittelbaren Dialogs zu etablieren“. Bischof Genn: „Miteinander zu reden und zu ringen, halte ich für hilfreicher, als immer wieder – vor allem über die Medien – Kritik auszutauschen. Sagen Sie mir gerne direkt, was Ihnen an mir, meinen Entscheidungen oder meiner Haltung nicht passt!“

In dem Flyer, der sich auch im Internet unter www.bistum-muenster.de/sexueller_missbrauch findet, informiert das Bistum unter anderem über die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, über die Unterstützung für Betroffene, über die Abläufe im Bistum, über die Konsequenzen für Beschuldigte, über die Aufarbeitung der Vergangenheit und über die Präventionsarbeit. Zudem finden sich in dem Flyer die wichtigsten Kontaktdaten für Betroffene und für andere Menschen, die Fragen zum Umgang mit sexuellem Missbrauch haben.

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