Sonderausstellung im Naturkundemuseum
Eichenprozessionsspinner ist reif fürs Museum

Münster -

Gefühlt gab es in den vergangenen Monaten keinen Münsteraner, der nicht irgendwie unliebsam „Kontakt“ zum Eichenprozessionsspinner hatte. Im LWL-Museum für Naturkunde können die Bürger der kleinen Raupe ab Ende September erneut näher kommen – diesmal allerdings in der neuen Sonderausstellung des Hauses. Und ganz ohne Berührungsängste . . .

Donnerstag, 15.08.2019, 11:00 Uhr
Präparatorin Klaudia Merz und ihre Kollegen präsentieren die Modelle der Eichenprozessionsspinner möglichst lebensecht für die Besucher der Ausstellung.
Präparatorin Klaudia Merz und ihre Kollegen präsentieren die Modelle der Eichenprozessionsspinner möglichst lebensecht für die Besucher der Ausstellung. Foto: LWL/Heimann

Sie schlängeln sich mitten in der Ausstellung als typische Prozession den Baum herauf. Die Besucher müssen jedoch keine Angst vor den Raupen haben: Zwar ist der Unterschied zu echten Tieren nicht auf den ersten Blick zu erkennen – so lebensecht wirken sie. Aber es sind nur Modelle.

In diesem Sommer haben es viele Menschen auf der eigenen Haut zu spüren bekommen, wenn die giftigen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners zu Hautausschlägen mit intensivem Juckreiz führen.

200 Raupen hergestellt

Das Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) setzt sich in seiner kommenden Sonderausstellung „Beziehungskisten – Formen des Zusammenlebens in der Natur“, die ab dem 25. September zu sehen ist, mit diesem Insekt und weiteren Gemeinschaften im Tierreich auseinander.

Die wenigsten Tiere leben dauerhaft allein.

Ausstellungsmacherin Dr. Michaela Klösener

„Wir wollen verschiedene Beziehungen zwischen Tieren aufzeigen und den Museumsgästen erklären, weshalb die Tiere sich zu Prozessionen zusammenschließen“, sagt Biologin und Ausstellungsmacherin Dr. Michaela Klösener . „Die wenigsten Tiere leben dauerhaft allein, sondern schließen sich für einige Zeit in einer Gemeinschaft mit Artgenossen zusammen. Die Gründe dafür sind vielfältig und werden in der Ausstellung auf verschiedenste Weise beleuchtet.“

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Insgesamt wurden über 200 Raupen hergestellt. Dafür haben die Präparatoren eine Gussform angefertigt, die dann mit Harz gefüllt wurde, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Wie eine Eiswürfelform konnte diese für alle weiteren Modelle benutzt werden.

Engelshaar statt Brennhaar

Danach wurden die Raupen bemalt und schließlich mit tausenden Pinselhaaren beklebt. Damit das Nest der Prozessionsspinner auch möglichst echt aussieht, hat Präparatorin Klaudia Merz „Engelshaar“ verwendet, das man sonst als Dekoration für Weihnachtsbäume kennt.

Zur „Vorsicht“ ist natürlich auch im LWL-Museum ein Warnschild für die Eichenprozessionsspinner aufgestellt worden.

Zur „Vorsicht“ ist natürlich auch im LWL-Museum ein Warnschild für die Eichenprozessionsspinner aufgestellt worden. Foto: LWL/Heimann

Die Sonderausstellung

Das LWL-Museum zeigt die Sonderausstellung „Beziehungskisten – Formen des Zusammenlebens in der Natur“ ab dem 25. September. Auf 560 Quadratmetern können Museumsgäste die Vielfalt des Zusammenlebens von großen Insektenstaaten über Parasiten und der Funktion von Vogelschwärmen bis hin zu lebenswichtigen Bakterien im menschlichen Körper entdecken. Die Ausstellung ist für alle Menschen geeignet. Sie beinhaltet Brailleschrift, einen speziellen, mehrsprachigen Audioguide (in Deutsch, Englisch und Niederländisch) sowie Tastmodelle für Menschen mit Sehbehinderung, Mitmachstationen und untertitelte Filme. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Schüler, Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene angeboten.

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Der Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner gehört zu den Nachtfaltern. Er schwärmt in den Monaten Juli bis September aus, anschließend legen die Weibchen ihre Eier ab. Darin entwickeln sich junge Raupen, die Anfang Mai schlüpfen. Die Raupen haben Brennhaare, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Es ist für Mensch und Tier gefährlich und kann allergische Reaktionen auslösen. Bereits kurz nach dem Schlupf schließen sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners auf der Suche nach Nahrung zu den namensgebenden Prozessionen zusammen. Dazu reihen sich die nachtaktiven Tiere hintereinander in eine lange Kette und wandern gemeinsam in die Baumkronen von Eichenbäumen, wo sie die Blätter fressen. Der Falter hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker in Deutschland ausgebreitet. Auch im Münsterland ist er in diesem Sommer wieder weit verbreitet.

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