Blindenfußball-Training bei Borussia Münster
Auf Torjagd nur nach Gehör

Münster -

Gar nicht so einfach: Mit verdunkelter Skibrille und Schaumstoff-Kopfschützern spielten die Jungs von Borussia Münster Fußball. Einen Sieger gab es trotzdem.

Samstag, 17.08.2019, 17:00 Uhr
Blind den Ball zu treffen, ist nicht so einfach. Das wissen die Jungs von der C-Jugend der Borussia Münster nach ihrem ersten Blindenfußball-Training auch. Mit verdunkelten Skibrillen und Kopfschützern aus Schaumstoff versuchten neun Fußballer, die Tore zu treffen.
Blind den Ball zu treffen, ist nicht so einfach. Das wissen die Jungs von der C-Jugend der Borussia Münster nach ihrem ersten Blindenfußball-Training auch. Mit verdunkelten Skibrillen und Kopfschützern aus Schaumstoff versuchten neun Fußballer, die Tore zu treffen. Foto: Anna Girke

Kleine Tore, das Feld halb so groß wie ein normaler Strafraum und hohe Banden am Rand. Hier sollte Fußballspielen kinderleicht sein – für Daniel Hoß ist es das auch, für die C-Jugend von DJK Borussia 07 Münster war es das nicht. Denn bei der Aktion „Neue Sporterfahrung“ lernten die Jungs erstmals Blindenfußball kennen, die Sportart, in der Daniel Hoß beim PSV Köln auf Bundesligaebene spielt.

Mit verdunkelten Ski-Brillen, Kopfschützern aus Schaumstoff und einem klingenden Ball erlebten die elf Jung-Fußballer am Freitag, wie es ist, ohne Sehvermögen auf dem Platz zu stehen. „Der Ball rasselt, wenn er sich bewegt, ist kleiner als die klassische Version und springt nicht so sehr, denn in der Luft kann man ihn nicht hören“, erklärt Hoß.

Ungewohnte Spielbedingungen

Über das Gehör funktioniert das ganze Spiel, wie er weiß: „Hinter dem gegnerischen Tor steht ein Spieler, der sein Team steuern muss. Durch Rufe zeigt er ihnen, wo das Tor ist.“ Um sich auf dem Spielfeld zurechtzufinden, wird das spanische Wort „Voy!“ (zu Deutsch: Ich komme) gerufen. „Das ist auch Selbstschutz“, erklärt Hoß, „so wird man nicht umgerannt, und der Mitspieler kann sich orientieren.“

Um sich an die ungewohnten Spielbedingungen zu gewöhnen, lässt Hoß, unterstützt von Birk Gebauer von der Sporthochschule Köln, die Jungs zuerst in einer Polonaise laufen. Danach werden Torschüsse geübt, am Schluss gibt es ein kurzes Spiel. „Normalerweise gibt es einen sehenden Torwart, diesmal verzichten wir auf ihn“, sagt Hoß. Es gibt noch eine Änderung: Bei diesem Training ist das Spielfeld kleiner, normalerweise ist es 40 Meter lang.

Eine Übung fürs Team-Gefühl

Trotz rufenden Mitspielern und rasselndem Ball fällt der C-Jugend das blinde Fußballspielen nicht leicht. „Das ist ganz schön anstrengend“, findet einer der Sportler. „Wenn man das noch nie gemacht hat, hat man gar keine Orientierung“, sagt ein anderer. „Ich erkenne meine Mitspieler an der Stimme“, erklärt Hoß. Auch die Gegner kann er identifizieren: „Die Blindenfußball-Szene ist recht klein, es gibt zwölf Trainings-Stationen deutschlandweit.“ Auch andere Länder haben Blindenfußball-Mannschaften. „Spanien und Frankreich sind sehr gut“, weiß er.

Die neun C-Jugend-Jungs treffen trotzdem das Tor, Weiß gewinnt gegen Schwarz drei zu eins. „Das ist eine Übung fürs Team-Gefühl“, erklärt Jochen Klosa, der bei Borussia Münster für die Jugendarbeit verantwortlich ist. Ob das gestärkt worden ist, wird sich zeigen. Spätestens, wenn das Team auf einem Fußballfeld in Standardgröße sein nächstes Bezirksliga-Spiel bestreitet, können die Jungs von der C-Jugend zeigen, ob sie etwas aus dem Blindenfußball-Training gelernt haben.

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