WWU-Chemiker untersuchen Tattoo-Farben
Autolack unter der Haut

Münster -

Tätowierungen verursachen bisweilen Allergien und Entzündungen. Die Inhalte der Tattoo-Farben aber sind bisher wenig erforscht. Das geschieht jetzt an der Universität Münster im Labor am Fachbereich Chemie. Ein neuartiges Analyse-Gerät sorgt für neue Erkenntnisse. Nicht nur über Tattoos.

Donnerstag, 22.08.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 22.08.2019, 18:37 Uhr
Corinna Brungs schaut sich im Labor am Bildschirm das Analyse-Ergebnis einer tätowierten Hautprobe an
Corinna Brungs schaut sich im Labor am Bildschirm das Analyse-Ergebnis einer tätowierten Hautprobe an Foto: Oliver Werner

Corinna Brungs schaut konzentriert auf das für Laien undefinierbare bunte Pünktchenbild auf dem Bildschirm. Was der „timsTOF Pro“, der neuartige Massenspektrometer im Labor des Instituts für anorganische und analytische Chemie der Uni Münster da soeben per Laserscan analysiert hat, ist ein Stückchen tätowierter Haut.

Ärzte haben die Haut einem Patienten operativ entfernt, für den das Tattoo zur schmerzhaften Last geworden war. Allergien und Entzündungen sind bisweilen die unerwünschten Nebenwirkungen von Tattoos – und mit dem Gerät im Uni-Labor, einer von zwei Prototypen weltweit, ist es möglich, einzelne Substanzen und chemische Verbindungen der Tätowier-Farbe zu entschlüsseln.

Allergie durch Tattoo

„Pigment Green 7“ steht jetzt auf dem Bildschirm, und Pharmazeutin Corinna Brungs, die über Tattoo-Farben promoviert, nickt: „Das ist eine in Deutschland verbotene Substanz“, sagt sie. In der derselben Probe aus einer Amsterdamer Hautklinik findet sich auch womöglich allergieauslösendes Nickel in dem Tattoo, das seinen Träger piesackte.

WWU-Chemiker analysieren Tattoo-Farben und Cannabis-Blätter

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  • Arne Behrens und Corinna Brungs promovieren über Tattoofarben (Brungs) und Hanf (Behrens) und analysieren beides mit dem neuartigen Massenspektrometer im Labor für analytische Chemie.

    Foto: Oliver Werner
  • Corinna Brungs zeigt einen Teil des Analyse-Ergebnisses einer Hautprobe mit Tattoo

    Foto: Oliver Werner
  • Corinna Brungs zeigt einen Teil des Analyse-Ergebnisses einer Hautprobe mit Tattoo

    Foto: Oliver Werner
  • Corinna Brungs zeigt einen Teil des Analyse-Ergebnisses einer Hautprobe mit Tattoo

    Foto: Oliver Werner
  • Die Probe wird für die Laser-Analyse in das Gerät eingeschoben

    Foto: Oliver Werner
  • Die Probe wird für die Laser-Analyse auf einem Glasträger

    Foto: Oliver Werner
  • Arne Behrens, Chemiker, analysiert Cannabisblätter.

    Foto: Karin Völker
  • Prof. Dr. Uwe Karst, Leiter der analytischen Chemie an der WWU.

    Foto: Oliver Werner

Bei der Analyse der Substanzen, die Kunden in den Tattoo-Studios unter die Haut gespritzt werden, steht die Wissenschaft noch relativ am Anfang. „Relativ chaotisch“ seien die gesetzlichen Regeln dafür, sagt Uwe Karst , Professor für Analytische Chemie. Ihm zufolge gibt es mittlerweile eine Negativ-Liste von Stoffen, die im Verdacht stehen, krankhafte Hautrektionen hervorzurufen.

Autolack uns Wandfarbe

Das geschehe, grob gesagt, „eher bei roten als schwarzen Farbtönen“, sagt Brungs. Die Pigmente, die für Tattoos verwendet werden, seien für die technische Industrie bestimmte Produkte – „Autolack und Wandfarben“, präzisiert Karst. Über Zwischenhändler gelangten sie, meist über chinesische Produzenten der Tätowierfarben, per Internetvertrieb in die hiesigen Studios. „Undead red“, also sehr haltbares Rot, heißt eine dieser gängigen Farben. Woraus sie besteht, dafür gebe es aber keine Richtlinien, sagt Karst. Mit Analyse-Methoden, wie sie im Uni-Labor erforscht werden, sei es möglich, mehr Klarheit auf diesem Gebiet zu erlangen.

Analytische Chemie

Die Analytische Chemie befasst sich mit der Untersuchung von Gegenständen. „Das Wissen darüber wird immer komplexer“, sagt Prof. Dr. Uwe Karst – und so tauchen auch immer mehr Fragestellungen auf. In jedem Objekt gibt es Tausende von chemischen Verbindungen. Um sie zu entschlüsseln, werden die Anforderungen an die Analyse immer anspruchsvoller. Mit dem neuen Massenspektrometer, das per Laser die Prüfobjekte untersucht, sind die Analysemöglichkeiten am Institut für ananalytische Chemie in eine neue Dimension vorgestoßen.

...

Arne Behrens, junger Chemiker, der ebenfalls an seiner Promotion arbeitet, untersucht mit dem Massenspektrometer Cannabisblätter. Die Laser-Untersuchung macht es möglich, leicht zu erkennen, ob es sich um Cannabis mit hohem Gehalt an Terrahydrocannabinol (THC) handelt und damit wahrscheinlich aus dem illegalen Drogenhandel stammt. Cannabis für medizinische und industrielle Anwendungen enthält zu einem höheren Anteil das nicht psychoaktive Cannabidiol. Das Verfahren könne für Ermittlungsbehörden in der Drogenkriminalität wertvolle Hilfe leisten, sagt Karst.

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