Studienplatzvergabe im Fach Medizin
Musterprojekt ausgemustert

Münster -

Die Vergabe von Studienplätzen im Fach Medizin ist seit vielen Jahren so hoch umstritten, wie die Medizinerausbildung begehrt ist. Die Uni Münster ist ein paar Jahre lang einen eigenen Weg gegangen, um die am besten geeigneten Bewerber zu finden. Ein Gerichtsurteil und politische Vorgaben hebeln das Verfahren nun aus.

Freitag, 23.08.2019, 16:15 Uhr aktualisiert: 23.08.2019, 16:30 Uhr
Studienbewerber-Auswahl im Studienzentrum „Limette“: Hinter den Glasscheiben sollen die Test-Teilnehmer ihre Sozialkompetenz in kritischen Situationen beweisen. Jeweils zwei Juroren sehen zu und hören mit.
Studienbewerber-Auswahl im Studienzentrum „Limette“: Hinter den Glasscheiben sollen die Test-Teilnehmer ihre Sozialkompetenz in kritischen Situationen beweisen. Jeweils zwei Juroren sehen zu und hören mit. Foto: WWU

Alisa Marie Helf­rich atmet durch. Anstrengend war der Tag, „herausfordernd, aber es hat auch richtig viel Spaß gemacht“, sagt die junge Münchnerin. Ihr Traumziel: Ein Medizin-Studienplatz an der Universität Münster . Zusammen mit 160 anderen jungen Leuten hat Alisa-Marie am Donnerstag den von der medizinischen Fakultät entwickelten Studierfähigkeitstest absolviert, gezeigt, ob sie ein naturwissenschaftliches Grundverständnis hat, wie es um ihre feinmotorischen Fähigkeiten, aber vor allem ihre Sozialkompetenz bestellt ist.

Im Studienzentrum „Limette“ wurde sie von geschulten Schauspielern mit Alltagssituationen konfrontiert – die ihre Empathie, Durchsetzungsfähigkeit aber auch ihren Umgang mit Kritik und Verantwortung auf die Probe stellten. Jeweils zwei Juroren haben sie dabei beobachtet und bewertet.

Letzter Test dieser Art

„Ein riesiger Aufwand, der sich aber für die Fakultät als sehr sinnvoll erwiesen hat“, sagt Studiendekan Prof. Dr. Bernhard Marschall am Donnerstagabend im Garten hinter der „Limette“ am Malmedyweg im Klinikviertel. Marschall ist einigermaßen unglücklich, denn jetzt hat vorläufig der letzte Test dieser Art stattgefunden.

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Studiendekan Prof. Dr. Bernhard Marschall Foto: WWU Münster

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vergabe der Medizin-Studienplätze und der danach ausgerichteten neuen gesetzlichen Regelung durch die Kultusministerkonferenz kann die Uni Münster an ihrem Vergabeverfahren für ihre rund 150 Studienplätze pro Semester nicht mehr festhalten – „vorläufig“, seufzt Marschall.

Nicht kompatibel mit der Software

Zwar würden die Hochschulen durch das Bundesverfassungsgericht ausdrücklich ermuntert, solche Tests durchzuführen, um die besten Bewerber für den Arztberuf zu identifizieren. Aber die „Stiftung für Hochschulzulassung, die das bundesweite verfahren regelt, sehe sich nicht in der Lage mit ihrer Software die Testergebnisse aus Münster mit den anderen Kriterien für die Platzvergabe zu verknüpfen.

Kommentar: Verschlimmbessert

Die Gesellschaft darf sich Ärzte wünschen, für die der Beruf Berufung ist – und die der großen Herausforderung dieses Berufes gewachsen sind. Das alles will der in Münster entwickelte Studierfähigkeitstest sicherstellen – wollte muss man nun sagen. Denn bis auf Weiteres wird das aufwenige, aber auch angesichts der hohen Kosten des Medizinstudiums gerechtfertigte Prozedere auf Eis gelegt. Nicht weil die höchstrichterliche Entscheidung zur Vergabe der Medizinstudienplätze ein solches Verfahren verboten hätte, sondern weil im Tauziehen der Politik in der Folge des Urteils um ein transparentes Verfahren nun eine Praxis gilt, die Verteilung der Plätze schlechter regelt als zuvor.

Und weil die Stiftung für Hochschulzulassung, die frühere ZVS es vorerst nicht schafft, Verfahren wie das münsterische software-technisch zu verarbeiten. So werden bis auf Weiteres die Anforderungen an die Persönlichkeit eines künftigen Arztes außen vor bleiben, die Abiturnote, oftmals umstrittenes Kriterium, erhält noch mehr Gewicht. Alle, die keine glatte 1,0 auf dem Zeugnis stehen haben, können, zumindest in Münster, ihre Hoffnung auf ein Medizinstudium wohl begraben. Karin Völker

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Die Auswirkungen des höchstrichterlichen Urteils sieht Marschall sehr kritisch. Entgegen der Absicht der Richter, habe nun die Abiturnote noch größeres Gewicht als zuvor. Hinzu kommt der standardisierte TMS-Test eines privatwirtschaftlichen Konsortiums, dessen Ergebnis erfahrungsgemäß stark mit den Abiturnoten einhergehe und der für Hochschulen und Teilnehmer kostenpflichtig sei.

Studiendekan äußert sich kritisch

Der Studiendekan bewertet es auch kritisch, dass eine vorherige medizinische Berufsausbildung die Chancen erhöht. „Viele Ausbildungsplätze im Gesundheitssektor werden dadurch von Kandidaten besetzt, die kein wirkliches Interesse an dem Beruf haben, sagt Marschall. Letzteres hätten in der Vergangenheit noch eher Bewerber bewiesen, die trotz langer Wartezeiten von bis zu sieben Jahren auf einen Studienplatz an ihrem Berufsziel festgehalten hätten. Die grundsätzliche Möglichkeit, unabhängig von der Abiturnote, per Wartezeit die Garantie auf einen Studienplatz zu haben war für Marschall „Ausdruck des sozialen Rechtsstaates“. Bewerber ohne Einser-Abitur hätten nun keine Chance mehr, Arzt zu werden. 

Der „Münsteraner Studierfähigkeitstest“

Den „Münsteraner Studierfähigkeitstest“ gibt es seit 2012. Insgesamt wurden seither über 4000 Bewerber dazu eingeladen. Etwa jeder Zweite hat eine Chance auf einen der begehrten Studienplätze. Die größte Herausforderung für die Organisatoren ist die Vorbereitung der jeweils fünfminütigen Spielszenen, 33 000 davon wurden bisher nach einem Schema bewertet. Der Test wird vorerst nur bei der Auswahl der Medizinstudenten für die „Landarztquote“ modifiziert  weiterverwendet.

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