„Fridays for Future“-Diskussion mit Svenja Schulze
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Münster -

Die großen Gräben zwischen Wunsch und Wirklichkeit – sie spiegeln sich am Freitagabend auch im Kleinen in einem Hörsaal der Universität in Münster wieder. Zu Gast: Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Ihre Diskussionspartner: unter anderem Vertreter von „Fridays for Future“. Die eine verweist auf Taten beim Thema Klimaschutz, die anderen wollen mehr.

Freitag, 23.08.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 23.08.2019, 21:08 Uhr
Vor Beginn der Diskussionsveranstaltung: Bundesumweltministerin Svenja Schulze im Gespräch mit Jörg Rostek (l.) von „Fridays for Future“ und Lia Kirsch von den Jusos (r.).
Vor Beginn der Diskussionsveranstaltung: Bundesumweltministerin Svenja Schulze im Gespräch mit Jörg Rostek (l.) von „Fridays for Future“ und Lia Kirsch von den Jusos (r.). Foto: ohw

Die Debatte, ob der Segeltörn von Greta Thunberg nun CO-frei ist oder nicht – Svenja Schulze findet sie einfach „verrückt“. „Sie soll nur von der Botschaft ablenken, die Greta aussendet“, sagt die Bundesumweltministerin. „Wir müssen handeln, etwas tun.“

Neben Schulze, die am Freitagabend auf Einladung der Jusos über sozialverträglichen Klimaschutz diskutiert, sitzt Jörg Rostek, der sich bei „ Fridays for Future “ engagiert. Er reagiert irritiert. „Irgendwie ist das befremdlich, neben einem Mitglied der Bundesregierung zu sitzen, das sagt: Wir müssen etwas tun.“

Schulze sieht das naturgemäß anders und betont, dass die Regierung schon eine Menge getan habe, zählt eine Reihe von Gesetzen auf, die auf den Weg gebracht wurden oder bald auf den Weg gebracht werden. „Wir handeln“, so ihre Botschaft vor rund 40 Zuhörern in einem Uni-Hörsaal.

Umweltministerin trifft Umweltaktivist – da könnte man in Zeiten von „Fridays for Future“ eine spannende Diskussion erwarten. Doch der Abend verläuft in ruhigen Bahnen, obwohl beide Seiten durchaus nicht immer gleicher Meinung sind.

Stichwort Kohleausstieg bis 2038: „Ich bin sehr froh, dass wir da einen Kompromiss gefunden haben“, sagt Schulze. Schließlich gebe es Regionen, wo jeder zweite Arbeitsplatz von der Kohle abhänge. Rostek entgegnet, dass „Fridays for Future“ der Kompromiss „sehr weh getan“ habe: „Der Ausstieg kommt zu spät.“

Leider, räumt die Ministerin ein, gehe es in der Politik nicht immer so schnell, wie man es gerne hätte. Sie berichtet von Überzeugungarbeit, die sie beim Verkehrsminister, beim Wirtschaftsminister und bei der Landwirtschaftsministerin leisten müsse, stellt fest, dass sich sofort Bürgerinitiativen gründen, wenn Windräder oder Stromtrassen gebaut werden sollen. „Wir können Bürgerinitiativen nicht das Klagerecht nehmen“, so Schulze.

Mit Blick auf die Forderungen von „Fridays for Future“ betont sie, dass bei allem, was kommt, die Menschen mitgenommen werden müssten – „da sind wir allerdings noch nicht“.

Rostek entgegnet, dass auch Mitglieder von „Fridays for Future“ zuweilen überfordert seien: „Sie kämpfen gegen den Klimawandel und müssen gleichzeitig mit anschauen, wie der Amazonas in Flammen steht. Da sind junge Leute, die auf die Zukunft warten – und zugleich merken, dass ihre Zukunftsvorstellungen nicht realisiert werden.“

Wunsch und Wirklichkeit – sie liegen an diesem Abend mehr als einmal nur einen Meter auseinander.

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