Lange Nacht der Robotik am Uniklinikum
Chirurg mit vier Armen

Münster -

Chirurgen am Universitätsklinikum lassen sich seit einigen Jahren verstärkt vom Kollegen „Da Vinci“ helfen. Der Operationsroboter leistet Präzisionsarbeit, wie bei der langen Nacht der Robotik am Dienstag im Hörsaal der chirurgischen Klinik zu erleben war.

Dienstag, 27.08.2019, 21:00 Uhr
Operationsvorbereitung beim Teddy: Dr. Jens-Peter Hölzen (r.) und Dr. Michael Janssen führten bei der langen Nacht der Robotik am Universitätsklinikum den Operationsroboter Da Vinci in Aktion vor.
Operationsvorbereitung beim Teddy: Dr. Jens-Peter Hölzen (r.) und Dr. Martin Janssen führten bei der langen Nacht der Robotik am Universitätsklinikum den Operationsroboter Da Vinci in Aktion vor. Foto: Karin Völker

Der große Teddy ist am Dienstagnachmittag ein geduldiger Patient. Das ist aber meist auch nicht anders, wenn Menschen auf dem Operationstisch von Dr. Jens-Peter Hölzen , Viszeral-Chirurg am Universitätsklinikum ( UKM ), liegen. Bei sehr vielen Patienten lässt Hölzen mittlerweile operieren. Die Instrumente führt der Kollege „Da Vinci“, der Operationsroboter im UKM.

Bei der langen Nacht der Robotik am Dienstag zeigten die Chirurgen wie mit Da Vincis Hilfe operiert wird. Und wer wollte, konnte es selbst ausprobieren.

Um gleich ein häufig aufkommendes Missverständnis auszuräumen: Der Roboter tut nur, was die Chirurgen ihm befehlen. Urologe Dr. Martin Janssen sitzt an der Operationskonsole und steuert mit hoher Präzision Skalpell und Zange. Da Vinci verfügt im Unterschied zum menschlichen Chirurgen über gleich vier Arme, drei für die Operationsinstrumente, einen für die Kamera, durch die die Ärzte im Operationssaal ins Innere des Patienten blicken.

Anschaulich soll die Roboter-Operation sein – und darum haben die Chirurgen dem großen Teddy sogar Organ-Modelle eingebaut. Magen, Milz, Leber, Galle und Darm haben etwa die Größe wie beim Menschen. Es fließt bei der Vorführung allerdings kein Blut.

„Ganz unblutig sind die Roboter-Operationen zwar nicht, aber sie sind für die Patienten sehr viel schonender als bei konventionellen Eingriffen“, erklärt Hölzen seinem Publikum im Hörsaal. „Tumore können so sehr viel schonender und genauer entfernt werden, als das in Handarbeit möglich wäre“, sagt auch Martin Janssen, der den „Kollegen“ Da Vinci besonders häufig bei Prostata-Operationen einsetzt. Aber auch Tumore in der Niere ließen sich sehr viel schonender entfernen. „Wir können sehr häufig das Organ erhalten“, so Janssen.

Hölzen berichtet von Operationen an der Speiseröhre, ein normalerweise schwerer Eingriff, Patienten bleiben länger auf der Intensivstation, im Durchschnitt werden sie derzeit in Deutschland nach solchen Eingriffen nach 31 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Bei den Operationen mit dem Roboter könnten die Patienten normalerweise nach zwölf Tagen nach Hause gehen, so Hölzen, „sie haben weniger Schmerzen, können darum besser atmen, genesen insgesamt schneller“.

Komplikationen sind natürlich auch beim Roboter nie ganz ausgeschlossen, antwortet Hölzen auf eine Frage aus dem Publikum. Deswegen werde viel mit der Technik trainiert. „Es ist wie beim Fliegen“, so Hölzen. „Ein Flugzeug zu steuern ist einfach. Was ein Pilot kann, zeigt sich, wenn es Probleme gibt.“ Und wie ist die Akzeptanz des Operateurs Da Vinci bei den Patienten im UKM? „Eine Roboter-Operation bedarf sehr gründlicher Aufklärung“, sagt Janssen. „Aber wenn die Patienten Bescheid wissen, sind sie sehr offen für die Technik.“ Die Resonanz zur Publikumsveranstaltung gibt ihm Recht. Schon am Nachmittag war der Hörsaal bei den Vorführungen gut besetzt.

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