Studie über die Nutzung von Social Media
Unglücklich durch Facebook

Münster -

Thorsten Hennig-Thurau, Marketing-Professor an der Universität Münster, ist Social Media Experte. Was er zusammen mit Kollegen über den intensiven Gebrauch von Plattformen wie Facebook oder Instagram ermittelt hat, ist nicht gerade beruhigend.

Donnerstag, 05.09.2019, 14:22 Uhr aktualisiert: 05.09.2019, 15:04 Uhr
Prof. Thorsten Hennig-Thurau
Social-Media-Apps auf dem Startbildschirm eines Smartphones: Damit zu viel Zeit zu verbringen, macht nach einer neuen Studie nicht zufriedener. Foto: dpa

Prof. Dr. Thorsten Hennig-Thurau weiß sehr gut, wovon er spricht – und woran er geforscht hat. Der Wirtschaftswissenschaftler von der Universität Münster – Spezialgebiet „Marketing und Media“ – sagt selbst von sich, dass er seine Disziplin nicht nur erforscht, sondern auch intensiv nutzt. Was Hennig-Thurau, Mitglied einer Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Thema „Social Media“, nun ermittelt hat, beruhigt ihn keineswegs.

Hennig-Thurau hat mit den Kollegen Alegra Kaczinski und Henrik Sattler von den Universitäten Köln und Hamburg bei einer ausführlichen repräsentativen Befragung von rund 2000 Teilnehmern zu mehreren Themen die Folgen intensiven Gebrauchs von Social-Media-Plattformen wie Facebook, WhatsApp, Twitter oder Instagram untersucht.

Nachrichtenquelle Nummer eins

Die Quintessenz: Je mehr Zeit Menschen damit verbringen, desto geringer ist ihre Lebenszufriedenheit, desto überdurchschnittlich ihr Stresslevel, ihre Aggressivität und desto häufiger vertreten sie radikale Ansichten. Damit einher gehe auch die Verbreitung und der Glaube an Verschwörungstheorien. Speziell die Nutzung von Facebook sehen die Autoren der Studie mit diesen negativen Zuständen verbunden.

93 Prozent der Deutschen mit Internetzugang nutzen durchschnittlich vier Social-Media-Kanäle und beschäftigen sich damit durchschnittlich eine Stunde und 18 Minuten pro Tag. Junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren sind sogar zu 99,7 Prozent Nutzer von Social Media und verbringen damit im Schnitt täglich volle drei Stunden. Für diese jungen Erwachsenen ist laut Studie Social Media auch die Nachrichtenquelle Nummer eins. 40 Prozent des Nachrichtenkonsums bei ihnen entfallen auf Social Media. Mehr als die Hälfte aller Deutschen nutzt Social Media als Nachrichtenkanal.

Filterblasen und Verschwörungstheorien

Filterblasen, also die Wiederholung ähnlicher Positionen, fördern nach Erkenntnissen der Wissenschaftler zwar radikale Ansichten – genauso aber wirkt die Äußerung gegensätzlicher Meinungen als Verstärker von Radikalisierung und Verschwörungstheorien.

Das Ergebnis der für die Öffentlichkeit zugänglichen Studie ist für Hennig-Thurau in ihrer Eindeutigkeit schon überraschend. Dass rund ein Drittel der Befragten Verschwörungstheorien anhänge, sei, so der Professor, „systemdestabilisierend“. Welche Konsequenzen sind aus den Erkenntnissen zu ziehen?

Social Media grundsätzlich zu verdammen, sei ebenso unrealistisch wie unangemessen, sagt Hennig-Thurau. „Gar nicht bei Social Media zu sein, ist auch nicht besser als es viel zu nutzen“, so Hennig-Thurau. Seine Empfehlung: „Immer den jeweiligen Nutzen reflektieren.“

Zum Thema

Der „Social Media & Society-Report: Wie Deutschland soziale Medien nutzt und was das für unsere Gesellschaft bedeutet“ ist im Internet abrufbar unter https://www.marketingcenter.de/en/mcm/lmm/publications

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