Podiumsdiskussion im Landeshaus
Debatte zu Migration und Frieden: „Nichts unter den Tisch kehren“

Münster -

In Münster sollen 71 .000 Menschen „mit Migrationsvorgeschichte“ geben – mehr als je zuvor. Wie geht die Stadtgesellschaft damit um? Darüber wurde am Mittwoch im Landeshaus diskutiert.

Donnerstag, 05.09.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 11:23 Uhr
Über „Migration und Frieden – Koexistenz oder aktiver Dialog?“ diskutierten im Landeshaus (v.r.) Polizeipräsident Hajo Kuhlisch, Dr. Lütfü Yavuz (Integrationsrat), Simone Wendland (CDU), Christoph Strässer (SPD) und Stephan Orth (Grüne). Im Hintergrund die Moderatoren Rena Ronge und Dr. Georgios Tsakalides.
Über „Migration und Frieden – Koexistenz oder aktiver Dialog?“ diskutierten im Landeshaus (v.r.) Polizeipräsident Hajo Kuhlisch, Dr. Lütfü Yavuz (Integrationsrat), Simone Wendland (CDU), Christoph Strässer (SPD) und Stephan Orth (Grüne). Im Hintergrund die Moderatoren Rena Ronge und Dr. Georgios Tsakalides. Foto: spe

Schon zu Beginn gab es mehrere redliche Versuche, der Debatte die Schärfe zu nehmen. „Es hat immer schon Migration gegeben“, sagte Simone Wendland ( CDU ), „die Wahrnehmung von Migration sollte positiv sein.“ Christoph Strässer (SPD) erinnerte daran, dass „wir in Europa zu den Gewinnern der Migration gehören“. Und der Integrationsvorsitzende Dr. Lütfü Yavuz wurde nicht müde, das Wirken zahlloser Selbsthilfeorganisationen in der Stadt hervorzuheben: „Die heutige Veranstaltung ist eine Möglichkeit, mehr voneinander zu erfahren.“

Hajo Kuhlisch protestierte: „Das ist mir zu harmonisch!“ Integration sei Arbeit, unterstrich der Polizeipräsident – und bei aller Willkommenskultur sei in Münster auch Selbstgefälligkeit zu spüren: „Wir dürfen die Konflikte nicht unter den Tisch kehren, sondern müssen sie offen austragen.“

"Natürlich entstehen Konflikte"

Also doch Konflikte. Sie bestimmten die Podiumsdiskussion „Migration und Frieden – Koexistenz oder aktiver Dialog?“, die jetzt im Rahmen des „Friedens-Kultur-Monats 2019“ im Landeshaus stattfand, veranstaltet von "AFAQ", dem Verein für kulturelle und gesellschaftliche Zusammenarbeit. In Münster, berichtete Moderatorin Rena Ronge, leben derzeit 71.000 Menschen „mit Migrationsvorgeschichte“, wie es offiziell heißt. Knirscht es da nicht im Getriebe?

„Natürlich entstehen Konflikte – Münster ist nicht heile Welt“, meinte Stephan Orth (Grüne). Das große Problem, da waren sich die Gesprächsteilnehmer einig, sei der überlastete Wohnungsmarkt. Wenn es Streit um Wohnraum gebe, könne sich das Gefühl „da kommen die Fremden, die nehmen uns was weg“ leicht einschleichen. Nicht zuletzt, wenn es von geschickten Demagogen auf der Suche nach Zustimmung einerseits und „den Medien“ auf der Suche nach Aufmerksamkeit andererseits befeuert werde.

Polizeipräsident: Probleme offen angehen

Hajo Kuhlisch warnte davor, Problemen aus dem Weg zu gehen, indem man sie entweder ausblende oder zu pauschaler Ablehnung alles Fremden greife. Wenn in einer Moschee eine „nicht akzeptable“ Predigt gehalten werde, müsse man sich damit auseinandersetzen – und sogar Vertreter verfeindeter Gruppen an einen Tisch holen: „Besser nebeneinander als gegeneinander.“

Gegeneinander? Die Gesprächsteilnehmer auf dem Podium konnten sich zwar ein paar kommunal- und landespolitische Sticheleien nicht verkneifen, waren aber im Grunde einer Meinung: In Münster sei vieles auf gutem Wege. Es müsste gelingen, die Milieus etwas mehr zu vermischen. Mehr Menschen mit Migrationshintergrund beim Hansemahl? Ja bitte. Westfälischer Holzschuhtanz beim interkulturellen Fest? Unbedingt!

Das Gesprächsformat im Landeshaus müsse fortgesetzt werden, meinte Moderator Dr. Georgios Tsakalides: „Das ist der Beginn eines Dialogs“.

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