Gemeinde Heilig Kreuz
Pfarrer Stefan Jürgens erläutert Gemeindemitgliedern seinen Rückzug

Münster -

Ehrliche Worte zum Abschied: Nach drei Jahren verlässt Pfarrer Stefan Jürgens die Kirchengemeinde Heilig Kreuz. Am Donnerstagabend erklärte er der versammelten Gemeinde seine Beweggründe – und sparte nicht mit Kritik.

Freitag, 06.09.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 15:14 Uhr
„Es ist auch mal wichtig, an sich selber zu denken“, erklärte Pfarrer Stefan Jürgens am Donnerstagabend der versammelten Zuhörerschaft der Kreuzviertel-Gemeinde. Für seinen Rückzug aus der Gemeinde erntete er Lob und Kritik.
„Es ist auch mal wichtig, an sich selber zu denken“, erklärte Pfarrer Stefan Jürgens am Donnerstagabend der versammelten Zuhörerschaft der Kreuzviertel-Gemeinde. Für seinen Rückzug aus der Gemeinde erntete er Lob und Kritik. Foto: Luca Pals

Er war der neunte Pfarrer in 32 Jahren. Die Fluktuation in der katholischen Gemeinde des Kreuzviertels hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Nach drei Jahren verlässt Pfarrer Stefan Jürgens die Kirchengemeinde Heilig Kreuz. Am Donnerstagabend erklärte er bei einer Versammlung seine Beweggründe. Jürgens wird in eine Pfarrstelle nach Ahaus zurückkehren.

Etwa 100 Interessierte waren der Einladung des Geistlichen gefolgt. Er hatte einiges zu erzählen. „Ich bin heute einmal richtig ehrlich“, sagte er und ergänzte: „Das konnte man dem Kirchenvorstand gegenüber leider nicht immer sein.“ Dessen Sitzungen habe er des Öfteren als „sehr turbulent“ wahrgenommen: „Ich habe mich in die Enge gedrängt gefühlt.“

Lob für die Aktion Maria 2.0

Jürgens wurde auch persönlich: Bodenständiger Landmensch, Pragmatiker, harmoniebedürftig – all dies zeichne ihn selber aus. In der Kreuzviertelgemeinde sei er „auf permanente Kritik“ gestoßen. Außerdem sei er „mit der Arroganz einiger Leute“ nicht warm geworden. Es gab aber auch Lob: „An ihrer Basis entsteht eine Menge, zum Beispiel die ,Maria 2.0’-Aktion. Dazu gibt es eine wunderbare Messdienergemeinschaft und ganz tolle Kirchenmusik.“

Maria 2.0-Mahnwache am Dom

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  • Frauenprotest vor dem Dom in Münster:

    Foto: Matthias Ahlke
  • 700 bis 800 Frauen beteiligten sich an der Mahnwache, zu dem die Initiative maria 2.0 aufgerufen hatte.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Frauen protestieren gegen den Missbrauch in der Kirche und die von Männern beherrschten Strukturen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit der Mahnwache beginnt ein einwöchiger Streik, bei dem die teilnehmenden Frauen keine Kirche betreten und keine Dienste verrichten wollen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit der Mahnwache vor den Kirchenmauern wollen die Initiatorinnen aus Münster „die Realität der Frauen in der Kirche sichtbar machen, dass Frauen ausgeschlossen sind“.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Impressionen der Aktion auf dem Domplatz

    Foto: Matthias Ahlke
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Die Gemeinde zeige laut Jürgens eine „große Fluktuation“: „Es gibt zwar eine große Service-Gemeinde, aber kaum eine aktive Gottesdienst-Gemeinde.“ Damit habe auch sein Vorgänger zu kämpfen gehabt. Außerdem sei er mit seinem Zuhause nie wirklich warm geworden. Zu Beginn seien ihm viele Steine bei Renovierung und Einrichtung in den Weg gelegt worden: „Ich wollte mich hier aber auf lange Sicht wohlfühlen.“ Am Ende seien „eine schicke Wohnung“ und ein „schöner Garten“ entstanden, den Abstand zur Arbeit konnte er trotzdem nicht finden: „Ich fühlte mich ausgebremst.“

Angst um die Freude am Glauben

Im Laufe der Zeit habe er Angst um die Freude an seinem Glauben bekommen: „Als Pfarrer darf man auch mal an sich selber denken.“ In der Gemeinde gebe es „starke etablierte Strukturen“, mit Kritik habe man sich kaum auseinandersetzen wollen. Insgesamt habe er sich nicht ausgelastet und wirksam gefühlt. Aber: „Ich gehe nicht im Groll.“

In der abschließenden Runde hielten sich Lob und Kritik die Waage. Einige Mitglieder zeigten Unverständnis. Der Geistliche hätte schon eher auf sie zugehen können. Eine Dame erklärte: „Wir haben jetzt einen schweren Stand im Bistum.“ Eine andere berichtete: „Ich finde es traurig und bedenklich, dass jemand gesundheitliche Schäden aus der Arbeit in unserer Gemeinde mitnimmt.“ Andere empfanden den Auftritt als eine Art Nachtreten. Lobende Worte gab es von einer Besucherin: „Vor ihrem Antritt wurde uns gesagt, dass wir den besten Pfarrer bekommen werden. Das haben wir. Ich wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute.“

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