Vortragsreihe der Handwerkskammer Münster
Die Visionen des Querdenkers Richard David Precht

Münster -

Seine Thesen sind unterhaltsam, manchmal provokant, aber in der Regel für die Gesellschaft der Bundesrepublik relevant. „Die messbare Seite der Welt ist nicht die Welt“, öffnete der Professor und Philosophie-Entertainer Richard David Precht manchem Zahlengläubigen die Augen.

Freitag, 06.09.2019, 19:00 Uhr
Der Philosoph Richard David Precht referierte am Freitag vor den Gästen der Handwerkskammer Münster.
Der Philosoph Richard David Precht referierte am Freitag vor den Gästen der Handwerkskammer Münster. Foto: Gunnar A. Pier

Lange Haare, Lederstiefel an den Füßen – wie ein typischer Professor tritt er nicht auf, aber so kennt man den Autor und TV-Star. Der Philosoph Richard David Precht war am Freitag Gast der Handwerkskammer Münster – als erster Redner der neuen Vortragsreihe „Zukunftsräume“.

Es sollte um Digitalisierung gehen, das Trendthema der Zeit. Doch Precht schweift – wie es sich für einen Philosophen gehört – ab: Die Batterietechnologie der E-Autos sei der falsche Weg. Stattdessen verlangt der Philosoph gleich, auf Wasserstoff zu setzen. Und eine weitere Provokation lässt nicht lange auf sich warten: „Der Online-Handel muss mit einer Extra-Mehrwertsteuer von 25 Prozent belegt werden“, verlangt Precht. „Denn nicht alles Neue ist auch gut.“ Mit den Einnahmen sollten, so der Vorschlag des Querdenkers, die Kommunen in die Lage versetzt werden, die Innenstädte wieder aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken. In seiner Geburtsstadt Solingen habe er erlebt, wie heruntergekommen Städte ohne hochwertigen Einzelhandel aussehen.

Precht erwartet extremen Fachkräftemangel

Doch auch zur Digitalisierung hat der Professor, der in Lüneburg und Berlin lehrt und forscht, viel zu sagen. Wie schon bei der Industrialisierung im 19. Jahrhundert liege Deutschland auch bei der Digitalisierung wieder im internationalen Vergleich zurück. „Wir sind eine verspätete Nation.“ Und genauso wie die Welt 1870 keinen Bezugspunkt mehr zum Jahr 1770 hatte, werde jetzt durch die Digitalisierung ein totaler Wandel stattfinden. „Das wird ein Umbruch in gleicher Größenordnung“, so Precht.

Richard David Precht zu Gast bei der Handwerkskammer Münster

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  • Der Philosoph Richard David Precht war am 6. September 2019 zu Gast bei einer Veranstaltung der Handwerkskammer Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • "Die digitale Revolution und die Zukunft der Arbeit" war das Thema im Grünen Saal der Halle Münsterland.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Handwerkspräsident Hans Hund begrüßte die Gäste.

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  • Der Vormittag mit Richard David Precht war zugleich Auftakt der Reihe "Zukunftsräume" der Handwerkskammer Münster.

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  • Journalist Ulrich Reitz moderierte die Veranstaltung.

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  • Im Anschluss stand Richard David Precht WN-Redaktionsmitglied Jürgen Stilling Rede und Antwort.

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  • Thomas Banasiewicz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Münster, dankt Richard David Precht und Moderator Ulrich Reitz.

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  • Thomas Banasiewicz, Richard David Precht und Hans Hund bei der Veranstaltung "Die digitale Revolution und die Zukunft der Arbeit" am 6. September 2019 im Grünen Saal der Halle Münsterland.

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  • Der Philosoph Richard David Precht war am 6. September 2019 zu Gast bei einer Veranstaltung der Handwerkskammer Münster.

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  • Der Philosoph Richard David Precht war am 6. September 2019 zu Gast bei einer Veranstaltung der Handwerkskammer Münster.

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  • Richard David Precht im Gespräch mit Moderator Ulrich Reitz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Philosoph Richard David Precht war am 6. September 2019 zu Gast bei einer Veranstaltung der Handwerkskammer Münster.

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  • Handwerkspräsident Hans Hund im Gespräch mit Moderator Ulrich Reitz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Handwerkspräsident Hans Hund begrüßte die Gäste.

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  • Thomas Banasiewicz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Münster.

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  • Im Anschluss stand Richard David Precht WN-Redaktionsmitglied Jürgen Stilling Rede und Antwort.

    Foto: Gunnar A. Pier

Die Folgen der Digitalisierung sind dramatisch. Das scheint unvermeidbar zu sein. Precht erwartet ein Millionenheer von Arbeitslosen und gleichzeitig einen extremen Fachkräftemangel. Gebraucht würden künftig IT-Experten („aber nur Super-Programmierer“) und viel mehr Menschen in Empathie-Berufen – etwa in der Altenpflege und an der Rezeption hochwertiger Hotels. „Schulen sind vor allem wichtig, um diese soziale Kompetenz zu erlernen“, so Precht, „die benötigt man auch im alltäglichen Leben“.

Gravierende Strukturbrüche am Arbeitsmarkt

Dem Handwerk bescheinigt der Philosoph ebenfalls rosige Zukunftsaussichten: „Das Handwerk ist Digitalisierungsgewinner“, glaubt Precht, weil hochwertige Handarbeit auch langfristig nicht von Automaten übernommen werden könne. „Die Heizung wird auch in Zukunft nicht von Robotern repariert.“ Das sieht auch Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster, so: „Das Handwerk ist auch in Sachen Digitalisierung Teil der Lösung und nicht Teil des Problems.“

Die gravierenden Strukturbrüche am Arbeitsmarkt sieht Precht mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Es ist nicht schlimm, dass langweilige Arbeitsplätze wegfallen“, erklärte er am Rande der Veranstaltung im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich freue mich, dass mein Kind nicht unter Tage arbeiten muss.“ Aber: Die deutschen Sozialsysteme drohten dadurch zusammenzubrechen. Der 54-Jährige schlägt deshalb vor, ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden in Höhe von 1500 Euro einzuführen. „Allerdings nicht sofort, sondern erst nachdem der Umbruch stattgefunden hat.“ Doch damit sind laut Precht bei weitem nicht alle Probleme gelöst. „Neben einem Einkommen braucht ein Arbeitsloser eine Aufgabe.“ Wer keinen Plan für den Tag habe, werde unglücklich. „Doch das Generieren von Plänen kann man lernen – dafür ist die Schule zuständig“, forderte der prominente Bestseller-Autor („Wer bin ich – und wenn ja wie viele“).

Starke Arbeitsplatzverluste erwartet der Philosophie-Professor vor allem bei Versicherern und Banken, weil dort die Arbeit vieler Menschen digital zu ersetzen ist.

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