Kunst- und Kulturfestival
Ein Tag im Schauraum

Münster -

Nicht zu fassen, wo sich in Münster überall Kunst versteckt: In Museen, in Galerien, auf öffentlichen Plätzen, aber auch in Lastwagen, auf Parkplätzen und in Versicherungsgebäuden. Spätestens am Samstag, dem dritten Tag des Kunst- und Kulturfestivals "Schauraum", wurde die ganze Stadt zum Kunstort. Ein Versuch, möglichst viel davon zu erleben.

Sonntag, 08.09.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 08.09.2019, 18:09 Uhr
Kunst- und Kulturfestival: Ein Tag im Schauraum
Während des Schauraum-Samstags öffneten die Galerien und Museen bei freiem Eintritt bis spät abends. Foto: Matthias Ahlke

15 Uhr: Trenchcoat und Lederstiefel in schwarz, Haare und Bauchladen in Silber: Als Timm Ulrichs die Von-Stauffenberg-Straße entlang zur LVM-Versicherung schreitet, ruft er der wartenden Menge zu: „Kunst aus dem Bauchladen, direkt vom Künstler.“ Die Überraschungsaktion sitzt, die Besucher wähnten Ulrichs vor ihnen im LVM-Turm, nicht hinter ihnen. Fortan hängen sie an den Lippen des 79-Jährigen, der 32 Jahre lang Professor an der Kunstakademie in Münster war.

„Ich habe mich herabgelassen, auch Ihnen als arme Schweine den Zugang zu Kunstwerken von mir zu ermöglichen“, scherzt Ulrichs. Ab 6,66 Euro aufwärts kosten die signierten Werke – von der Postkarte bis zum Bierdeckel – die der Meister „auch berührt und damit mit meinem Geist durchtränkt“ hat. Der Auftritt des Konzeptkünstlers, der schon seinen Körper tätowierte, sich stundenlang in einen ausgehöhlten Findling einschloss und bei Gewitter nackt über ein Feld rannte (alles Kunst),  ist das  i-Tüpfelchen der LVM-Kunstsammlung, durch die sich zahlreiche Gäste führen ließen.

Voller Scham an die Wand geguckt

16 Uhr: Mitten auf dem Prinzipalmarkt stehen mehrere Lastwagen. Aus den meisten werden in Vorbereitung auf den Marathon am Sonntag Bühnenelemente geschleppt, nur aus einem nicht. Auf der Ladefläche stellen Künstler der Ateliergemeinschaft Schulstraße ihre Bilder, Objekte und Performances aus. Dietmar Schmale gehört nicht zur Gemeinschaft, darf aber trotzdem dabei sein. Seine Mikroskulptur zeigt eine echte Herzklappe aus Titan. „Eine benutzte“, fügt der ehemalige Medizinstudent Schmale vielsagend hinzu.

Schauraum 2019

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  • Mit Megaphon und Bauchladen kam Konzeptkünstler Timm Ulrichs zur LWM-Versicherung am Kolde-Ring gelaufen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Im Inneren der LVM-Versicherung wartet das Personal auf die Kunstfreunde, die kurz vor der Öffnung draußen warten.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Timm Ulrichs, der 32 Jahre Professor an der Kunstakademie Münster war, verkaufte ein paar seiner Werke ab 6,66 Euro aus einem Bauchladen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Die LVM-Versicherung hat zum zweiten Mal ihre Kunstsammlung anlässlich des Schauraums zugänglich gemacht.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • „No time for Jim“ heißt dieses Kunstwerk von Timm Ulrichs.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Auch Ulrichs Werk „Torso“ ist Teil der LVM-Kunstsammlung.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Werke von Samuel Treindl aus Münster, Meisterschüler von Prof. Mariana C. Deball, gehören zu den Neuzugängen der LVM-Sammlung.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • PARKplatz heißt das Projekt, das am Verspoel aus Parkplätzen eine kleine Oase machte.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Unter anderem gab es fleischfressende Pflanzen zu bestaunen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Sabine Schubert, Vorsitzende der Initiative Verspoel e.V., hat zusammen mit dem Botanischen Garten der WWU Münster den PARKplatz am Verspoel ins Leben gerufen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Vaidé Karunkeviciuté führte Kunstinteressierte auf einem der kostenlosen Rundgänge unter anderem im Foyer des Kettelerschen Hofes. Dort gab es Skulpturen von Steinbildhauern Simbabwes aus der Galerie Schnake zu sehen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
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  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Kunsthändler Eberhard Schnake

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
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  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Installation der Künstlerin Katia Kameli in der Kunsthalle am Hafen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Bilder der Künstlerin Katia Kameli in der Kunsthalle am Hafen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
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  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
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  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
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  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
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  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
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  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt
  • Foto: Matthias Ahlke, Pjer Biederstädt

17 Uhr: In der Galerie Schemm an der Rothenburg ist fast kein Durchkommen. Nur einer bleibt ganz ruhig. Der von Eberhard Szejstecki kreierte Mann aus Holz. Er schaut leicht gebückt gegen die Wand. Die Skulptur heißt  „Schämer Nummer eins“. Wofür er sich schämt, behält er für sich.

Überhitzter Kunstmarkt

18 Uhr: Im Stadtmuseum tanzt die Architektur. Nein, nicht das Gebäude an der Salzstraße tanzt, sondern die Fotos von Thomas Kellner bringen weltbekannte Bauwerke durch Montagetechnik scheinbar in Bewegung.  Es ist der Auftakt der geführten Tour „Rundgang 3“. Diese sind laut Sabine Müller vom Kulturamt sehr gut besucht.

Die 25 Glücklichen, die einen Platz ergattert haben, gehen weiter zum Foyer des Kettelerschen Hofes an der Königstraße. Dort vermittelt Führerin Vaidé Karunkeviciuté allerlei Wissenswertes über die Steinbildhauer Simbabwes, an die Eberhard Schnake sein Herz verloren hat. Er unterhält eine der größten Sammlungen der weltberühmten Steinskulpturen.

Am Rande der Führung erzählt der Kunsthändler anhand eines Beispiels wie sich der Markt zu überhitzen droht: Während einer Ausstellung habe ihn ein Kunde gefragt, wie teuer eine seiner Skulpturen sei; er habe sie nicht genommen, weil sie zu günstig war . . . Manchen Leute orientierten ihren Geschmack nur nach dem Preis, so Schnake. „Wenn mir aber der Wein für 2,99 schmeckt und der für acht Euro nicht, dann trinke ich doch auch nicht den teuren“, so Schnake.

Italien in Westfalen

19.30 Uhr: „Eine italienische Oper ist, wenn ein Sopran einen Tenor liebt und ein Bariton etwas dagegen hat“, sagt Dramaturg Ronny Schul als Einleitung der Darbietung „Canzone ed Arie Italiane“ von Marielle Murphy, Youn-Seong Shim und Boris Cepeda auf dem Balkon des Erbdrostenhofs. Diesen machten die Kaufleute des Salzstraßenviertels zum 15. Mal zu einer italienischen Piazza. „Auch wenn in manchem Jahr das Wetter eher an eine Bohrinsel im Nordatlantik als an römische Verhältnisse erinnerte“, blickt Kaufmann Marcus Essmann zurück. Doch nicht so an diesem Abend. Nur ein Grund, weshalb sich rund um den Erbdrostenhof Hunderte versammeln, um zu lauschen.

20 Uhr: Ein Abstecher in den Hafen per Bustour zeigt ein urbaneres Ambiente des Schauraums. Höhepunkt in der Kunsthalle sind die Ausführungen von Kunsthistorikerin Ute Bachmann, die den 30 Bustour-Gästen eindrucksvoll die Katia-Kameli-Ausstellung über die Macht der Bilder in der Vergangenheitserinnerung am Beispiel Algeriens näherbringt.

22 Uhr: Alles beginnt und alles endet auf dem „Roten Platz“ im Rathausinnenhof. Auch in der Nacht ist der Platz mit den bunt illuminierten Häuserfassaden gut besucht. Fritz Schmücker, Organisator vom Stadtmarketing, ist hoch zufrieden, spricht von Zehntausenden Besuchern.

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