Aktion auf dem Stubengassenplatz
Reue und Bereitschaft zur Wiedergutmachung

Münster -

Noch bis einschließlich Mittwochnachmittag informiert die Fachstelle für den Täter-Opfer-Ausgleich auf der Stubengasse über ihre Arbeit der außergerichtlichen Streitschlichtung und Wiedergutmachung.

Dienstag, 10.09.2019, 17:00 Uhr
Eine Plane als Bodenzeitung: Die Fachstelle für den Täter-Opfer-Ausgleich, im Bild die Mediatoren Katja Grünewald und Hans Ackerstaff, informiert auf dem Stubengassenplatz über ihre Arbeit.
Eine Plane als Bodenzeitung: Die Fachstelle für den Täter-Opfer-Ausgleich, im Bild die Mediatoren Katja Grünewald und Hans Ackerstaff, informiert auf dem Stubengassenplatz über ihre Arbeit. Foto: hpe

Ängste, Aggressionen, Schuldgefühle, Verletzungen an Körper und Seele: Nach Schlägereien, Einbrüchen, Bedrohungen und Körperverletzungen landen die Strafverfahren in aller Regel bei Polizei und Justiz. Und hinterlassen Spuren bei allen Beteiligten.

Eine Chance, den Konflikt außergerichtlich im wahr­sten Sinne des Wortes wiedergutzumachen, ist der Täter-Opfer-Ausgleich. Beschuldigte und Geschädigte setzen sich mit einem Mediator an einen Tisch. Man redet über die Tat, zeigt im besten Fall Reue und bietet dem Geschädigten eine Wiedergutmachung an.

Es gibt keine Tat, die man nicht mit Opfer und Täterbesprechen kann.

Hans Ackerstaff, Mediator

Die Fachstelle für den Täter-Opfer-Ausgleich an der Wasserstraße macht aktuell auf dem Stubengassenplatz auf unkonventionelle Weise ihre Arbeit sichtbar: Auf dem Boden liegt eine weiße Bodenplane, darauf sind Zitate und Schlagworte von Streitschlichtungsgesprächen und Menschen, die sich mit der Konfliktlösung aktiv beschäftigen, zu finden. „Mut, Selbststärkung, Offenheit, Ehrlichkeit und Selbstreflexion gehören dazu, wenn im Gespräch eine Tat bereut und besprochen wird“, so die Mediatoren Hans Ackerstaff und Katja Grünewald von der seit 22 Jahren aktiven Fachstelle. Und es gebe auch „keine Tat, die man nicht besprechen könne“, betont Ackerstaff.

Beispiel Wohnungseinbruch

Beispiel Wohnungseinbruch: Die Opfer, ein älteres Ehepaar aus Roxel, fühlen sich nach dem nächtlichen Raubzug in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher, können kaum noch durchschlafen und trauen sich nur noch selten vor die Tür. Der junge Einbrecher, ebenso wie das Ehepaar freiwillig dazu bereit, sich zum Gespräch zu treffen, schildert die aus seiner Sicht ausweglose Situation als Drogenkonsument ohne Berufsausbildung und Perspektive.

Schadensersatz-Zahlung und Entschuldigung

Hans Ackerstaff: „Im Gespräch versteht er erst einmal, dass er die Opfer nicht in erster Linie um ihr Diebesgut, sondern um ihre psychische Gesundheit gebracht hat.“ Im konkreten Fall endete das Vermittlungsgespräch mit einer Schadensersatz-Zahlung und einer Entschuldigung. Ein zivilgerichtliches Verfahren wurde vermieden.

Mit der Aktion will die Fachstelle noch bis einschließlich Mittwochnachmittag „die Sichtbarkeit der Fachstelle steigern und mit dem Bürger ins Gespräch kommen“, so Ackerstaff. 2018 wurden 282 Fälle bearbeitet, 64 Prozent davon endeten mit einem erfolgreichen Abschluss.

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