Carola Möllemann-Appelhoff wird heute 70 Jahre alt
Sie steht für eine ganze Ära

Münster -

Eine der bekanntesten münsterischen Politikerinnen feiert Geburtstag, Carola Möllemann-Appelhoff. Hier eine Würdigung ihrer jahrzehntelangen Arbeit.

Donnerstag, 12.09.2019, 07:00 Uhr
Die FDP-Politikerin Carola Möllemann-Appelhoff saß am Mittwochabend noch im Rat, am Donnerstag feiert sie ihren 70. Geburtstag.
Die FDP-Politikerin Carola Möllemann-Appelhoff saß am Mittwochabend noch im Rat, am Donnerstag feiert sie ihren 70. Geburtstag. Foto: Oliver Werner

Fast auf den Tag genau 40 Jahre ist es her, dass die münsterische FDP-Politikerin Carola Möllemann-Appelhoff im September 1979 in den Rat gewählt wurde. Dort ist sie noch immer aktiv. Das Jubiläum sagt viel aus über eine Frau, die am heutigen Donnerstag einen runden Geburtstag feiert: Carola Möllemann-Appelhoff wird 70 Jahre alt.

Stellt man in Rechnung, dass die FDP bei der Kommunalwahl 1994 an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und fünf Jahre „pausieren“ musste, kommt man zu dem Ergebnis, dass die Gievenbeckerin auf 35 Jahre aktive Ratsarbeit zurückblicken kann – exakt die Hälfte ihres Lebens.

„Das“ Gesicht der münsterischen FDP 

Doch nicht allein diese immense Zeitspanne macht die Qualität ihres politischen Wirkens aus. Über vier Jahrzehnte und alle Parteien hinweg genoss und genießt die Jubilarin – schlichtweg „das“ Gesicht der münsterischen FDP – eine hohe Wertschätzung, weil sie über außergewöhnlich große politische Fähigkeiten verfügt, angefangen von ihrem guten Gedächtnis über ihre schnelle Auffassungsgabe bis hin zu ihrer überragenden Rhetorik. Nach 35 Jahren Ratsarbeit sind Ratssitzungen ohne Möllemann-Appelhoff kaum noch vorstellbar. Sie machte Politik schon zu Zeiten des Oberbürgermeisters Dr. Werner Pierchalla. Heute hat sie es mit dessen Nach-Nach-Nach-Nachfolger Markus Lewe zu tun.

Trotz ihres unbestreitbaren Talents hat die Mutter und Gymnasiallehrerin nie den Weg der Berufspolitikerin beschritten. Das überließ sie ihrem Mann Jürgen W. Möllemann, der es als FDP-Minister bis zum Vize-Kanzler brachte, dann aber einen innerparteilichen Konfrontationskurs fuhr.

Möllemanns Tod im Jahr 2003 war für Carola Möllemann-Appelhoff nicht nur eine schwere persönliche Krise, sondern auch eine politische. Sie, die als FDP-Politikerin nie auf ihren Namen reduziert werden wollte, stand vor der Frage, ob sie weitermache sollte – wohlwissend, dass für sie in der FDP der Weg in die Landes- oder gar Bundespolitik verschlossen war.

Möllemann-Appelhoff entschied sich fürs Weitermachen und für die Kommunalpolitik. Alles Private war für sie fortan auch privat, zugleich nahm sie sich das Recht heraus, die eigene Partei zu kritisieren, wenn sie es für nötig hielt.

Konservative Politikerin geblieben

Als die NRW-FDP beispielsweise zu Zeiten des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers auf dem Trip war, Schulpolitik wie ein Investitionsvorhaben zu verkaufen, ging die Münsteranerin damit hart ins Gericht. Als Möllemann-Appelhoff für das Prinzip der sozial gerechten Bodennutzung in Münster (Investoren verpflichten sich zum Bau von Sozialwohnungen) plädierte, störte es sie wenig, wenn andere in der FDP das freie Unternehmertum in Gefahr sahen.

Gleichwohl ist Carola Möllemann-Appelhoff bis heute eine bürgerlich-konservative Politikerin geblieben, besonders in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Programmatisch zeigt sie eine große Nähe zur CDU, atmosphärisch indes nicht. Nie käme die Gievenbeckerin auf die Idee, von „meinem“ Rathaus zu sprechen oder die FDP als „Münster-Partei“ zu bezeichnen.

Trotz ihrer zuweilen pedantischen Art, Sachverhalte in der politischen Auseinandersetzung aufzudröseln, tappte sie nie in die Arroganzfalle, weil das Regieren in den 40 Jahren ihrer Arbeit eben die Ausnahme und nicht die Regel war.

Bei der Kommunalwahl im September 2020 tritt Carola Möllemann-Appelhoff nicht mehr an. Bis dahin liegt noch ein ganzes Jahr Ratsarbeit vor ihr. Aber man kann bereits jetzt sagen, dass mit ihr eine Ära zu Ende gehen wird.

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